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PERSONALquarterly 02 / 14
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SCHWERPUNKT
_NETZWERKEN
legen her. Die Rolle des Consultants nehmen männliche Mit-
arbeiter im Vergleich fast gar nicht ein. Sie stellen also kaum
Verbindungen zwischen zwei Frauen her, die nicht direkt mit-
einander befreundet sind. Schließlich sind Frauen signifikant
häufiger Coordinators (t = 2.12, p < .05, d = .57). In dieser Rolle
ist eine Berufsanfängerin mit zwei Kolleginnen befreundet, die
keine Freundinnen sind (siehe Abb. 5).
Auf die Position im Netzwerk kommt es an
Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass männliche und
weibliche Berufsanfänger in ihren Abteilungen unterschied-
liche soziale Netzwerke aufbauen. So ist die Größe und Dichte
der Karriere- und Freundesnetzwerke zwar bei beiden Ge-
schlechtern annähernd gleich, jedoch pflegen Männer insbe-
sondere im Freundesnetzwerk mehr Kontakt zu Vorgesetzten
und Kollegen mit höherem Status. Frauen knüpfen dagegen vor
allem freundschaftliche Beziehungen zu Kolleginnen auf der
gleichen Hierarchieebene.
Frauen nehmen häufiger als Männer strategisch einfluss-
reiche Positionen im Freundschaftsnetzwerk ihrer Abteilung
ein (siehe Abb. 1). Gerade die Rollen als Representative und
Gatekeeper stellen Sozialkapital für Frauen dar. Als Representa-
tive ist die Berufsanfängerin dafür verantwortlich, die Meinung
ihrer Gruppe nach außen zu vertreten, sodass die anderen Mit-
glieder ihrer Frauengruppe von ihr abhängig sind. Als Gatekee-
per erhält sie Informationen und Neuigkeiten aus der anderen
(männlichen) Gruppe. Dadurch sind die Mitglieder ihrer Gruppe
davon abhängig, dass sie von ihr regelmäßig über aktuelle (auch
karriererelevante) Entwicklungen informiert werden.
Darüber hinaus nehmen Frauen häufiger als Männer die Rol-
len als Consultant und Coordinator in ihrer Abteilung ein. Sie
sind ein wichtiges Verbindungsglied zwischen zwei männlichen
bzw. zwei weiblichen Kollegen, da sie als Vermittler benötigt
werden. Diese vermittelnde Position im Netzwerk stellt somit
ebenfalls Sozialkapital für Frauen in ihren Abteilungen dar.
Zusammenfassend zeigt sich, dass Männer die Tendenz
haben, durch Kontakte zu anderen statushöheren Männern
Einfluss zu nehmen. Frauen dagegen erhalten Einfluss durch
ihre strategische Position im Netzwerk. Was können Berufs-
anfängerinnen und Berufsanfänger also tun, um ihre sozialen
Netzwerke in ihrer Abteilung zu nutzen?
Sein Netzwerk bewusst wahrnehmen
Bevor das eigene Sozialkapital genutzt werden kann, ist es
wichtig, sich die Struktur und die eigene Position in seinem so-
zialen Netzwerk bewusst zu machen, d. h. zu ermitteln, wer die
eigenen Kontakte sind und wie das Geflecht der direkten und
indirekten Beziehungen zwischen diesen aussieht. Die Möglich-
keit, diesen Prozess des Bewusstmachens gezielt durchzufüh-
ren, bietet sich im Karriere-Coaching an (Gessnitzer/Kauffeld/
Braumandl, 2011). So kann im Coaching-Prozess die Ausrich-
tung des sozialen Netzwerks anhand einer konkreten Übung
visualisiert werden, um verdeckte Potenziale aufzuzeigen.
Die Visualisierung wird als Ausgangspunkt für das weitere
Coaching genutzt. Strategisch wichtige Personen im Netzwerk
können so identifiziert werden. Sieht ein Berufsanfänger bei-
spielsweise, wer die Rolle als Consultant zu einemeinflussreichen
Vorgesetzen einnimmt, kann im weiteren Coaching-Prozess he-
Quelle: Eigene Darstellung
Abb. 5:
Rollen im Freundesnetzwerk
Männer
Frauen
Signifikanz-Test
M
SD
M
SD
t
p
d
Gatekeeper-Rolle
.21
.48
.58
.79
2.10
.038*
.57
Representative-Rolle
.21
.48
.58
.79
2.08
.041*
.57
Consultant-Rolle
.02
.11
.46
.95
2.23
.028*
.65
Coordinator-Rolle
.27
.48
.62
.72
2.12
.037*
.57
M & SD = Mittelwert & Standardabweichung: Der Mittelwert von .58 beschreibt z. B., dass in jedem zweiten Freundesnetzwerk eine weibliche Promovierende die
Gatekeeper-Rolle einnimmt; der Mittelwert von .21 besagt, dass ein männlicher Promovierender dagegen nur in jedem fünften Freundesnetzwerk eine
Gatekeeper-Rolle einnimmt.
t = Testprüfgröße des Signifikanz-Tests
p = Signifikanzwert: Je kleiner der p-Wert, desto eher wird die Hypothese, dass weibliche Promovierende signifikant häufiger Netzwerkrollen einnehmen als männliche
Promovierende, angenommen.
* = Grenze, ab welcher der Mittelwertsunterschied zwischen männlichen und weiblichen Promovierenden signifikant ist, *p < .05
d = Effektstärke: Gibt die relative Größe des Effektes an; d = 0.2 beschreibt einen kleinen, d = 0.5 einen mittleren und d = 0.8 einen großen Effekt.