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(C) Als „Gatekeeper“ ist Ego Mitglied einer Gruppe und kon-
trolliert den Zugang eines externen Netzwerkmitglieds zu die-
ser Gruppe. Die Aufgabe des Gatekeepers ist es, Informationen
aufzuarbeiten und an die Gruppe weiterzuleiten.
(D) Als „Representative“ ist Ego Mitglied einer Gruppe und
agiert als Kontakt für eine Person aus einer anderen Gruppe.
Damit ist der Representative dafür verantwortlich, die Gruppe
nach außen zu vertreten.
(E) Bei einer „Liaison“ stellt Ego eine Beziehung zwischen zwei
unverbundenen Mitgliedern zweier verschiedener Gruppen
her, ist jedoch weder Mitglied der einen noch der anderen Grup-
pe (Fernandez/Gould, 1994).
Befunde der Forschung zeigen, dass alle fünf Kommunika-
tionsrollen eine Machtposition im organisationalen Netzwerk
darstellen und den eigenen Einfluss im Unternehmen fördern.
Dennoch gibt es bisher wenig Aufschluss darüber, welche Per-
sonen im Netzwerk die jeweilige Rolle einnehmen. Daher ist
es ein Ziel der vorliegenden Studie, zu untersuchen, ob das Ge-
schlecht von Berufsanfängern einen Einfluss auf ihre Position
im Netzwerk hat.
Frage 2: Welche Rolle übernehmen männliche und weibliche
Berufsanfänger in ihren Karriere- und Freundesnetzwerken
innerhalb ihrer Abteilung?
Stichprobe und Erhebung
Es wurden 81 wissenschaftliche Mitarbeiter der MINT-Fächer
befragt. Sie befanden sich zum Zeitpunkt der Befragung im
Stadium der Promotion und gaben an, im Durchschnitt noch
2.14 Jahre (SD = 3.26, SD = Standardabweichung) für die Pro-
motion zu benötigen. Der Altersdurchschnitt lag bei 28.72 Jah-
ren (SD = 3.26). Insgesamt nahmen 59 Frauen und 22 Männer
an der Befragung teil. Die Teilnehmer füllten einen Fragebogen
aus, der sich auf ihre sozialen Netzwerke innerhalb der eige-
nen Abteilung bezog. Es wurden im organisationalen Kontext
jeweils die Freundschaftsbeziehungen sowie die Kontakte zu
Karriereförderern erfragt. Da es sich bei der Studie um eine
egozentrierte Netzwerkanalyse handelt, wurden die Teilneh-
mer aufgefordert, alle Personen zu nennen, zu denen sie die
entsprechende Beziehung unterhalten. Anschließend wurden
sie aufgefordert, die Beziehung zwischen den einzelnen aufge-
zählten Netzwerkmitgliedern einzuschätzen. Zusätzlich wur-
den demografische Daten zu den Netzwerkmitgliedern (Alter,
Geschlecht, Beruf, Position und Arbeitgeber) erfragt.
Ergebnisse
Die Struktur der Netzwerke wurde mit UCINET 6.493 (UCINET
= Software zur Analyse von Social-Network-Daten) analysiert.
Zweistichproben-t-tests, anhand derer überprüft wird, ob sich
die Strukturmerkmale und Kommunikationsrollen der männ-
lichen und weiblichen Netzwerke signifikant unterscheiden,
wurden mit SPSS 21 (= Statistiksoftware) durchgeführt.
Strukturmerkmale der sozialen Netzwerke:
Berufsanfän-
ger und Berufsanfängerinnen haben imKarrierenetzwerk durch-
schnittlich etwas mehr als zwei Kontakte (M = 2.41, SD = 1.97;
M = Mittelwert). Die Netzwerkdichte, welche anzeigt, wie sehr
die einzelnen Kontakte untereinander verbunden sind, ist mit im
Durchschnitt 80.00 % stark ausgeprägt (M = 80.00, SD = 32.69).
Die meisten Karriereförderer sind Vorgesetzte, jedoch wenden
sich Berufsanfänger und Berufsanfängerinnen beim Thema Kar-
riereunterstützung fast genauso häufig an Kollegen und Kolle-
ginnen (41.1 % KollegInnen, 58.9 % Vorgesetzte).
Im Freundesnetzwerk haben Berufsanfänger und Berufsan-
fängerinnen im Durchschnitt ca. fünf Freunde innerhalb ihrer
jeweiligen Abteilung (M = 4.75, SD = 2.66). Mit einer Netzwerk-
dichte von im Durchschnitt 73.70 % sind die Kontakte eng mitei-
nander verbunden (M = 73.70, SD = 30.27). Die Größe und Dichte
der Netzwerke unterscheidet sich nicht signifikant zwischen
männlichen und weiblichen Berufsanfängern (siehe Abb. 2). Sie
haben überwiegend freundschaftliche Beziehungen zu anderen
Kollegen und Kolleginnen auf derselben Statusebene. Freund-
schaftliche Kontakte zu Kollegen und Kolleginnen in höheren
Positionen sind dagegen auffällig selten (84.8 % KollegInnen,
15.1 % Vorgesetzte). Dabei weisen die Freundschaftsnetzwerke
männlicher und weiblicher Berufsanfänger einen signifikanten
Unterschied beim Status ihrer Kontakte auf. So sind Freunde mit
einem höheren Status häufiger bei männlichen Berufsanfängern
vorzufinden (Männer M = .04, SD = .09; Frauen M = .01, SD = .03;
t = 2.58, p < .05, d = .45; nähere Erklärung des Signifikanztests
siehe Abb. 5).
Rollen in den sozialen Netzwerken:
Im Vergleich zu Män-
nern hat die Rolle als Verbindungsglied für Frauen vor allem
im Freundschaftsnetzwerk eine signifikante Bedeutung (Ab-
bildung 3 zeigt ein typisches Freundesnetzwerk weiblicher
Berufsanfänger, Abbildung 4 männlicher Berufsanfänger).
Im Karrierenetzwerk dagegen zeigen sich keine signifi-
kanten Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen
Berufsanfängern bei der Rollenbesetzung. Weibliche Berufsan-
fänger treten im Freundschaftsnetzwerk signifikant häufiger
als Gatekeeper auf (t = 2.10, p < .05, d = .57). In dieser Rolle
sind sie Teil einer weiblichen Freundesgruppe und werden
von einem männlichen Kollegen als einzige Freundin aus der
Gruppe angesehen. Dadurch stellen sie seine Kontaktperson
für ihre „Frauengruppe“ dar.
Frauen sind ebenfalls signifikant häufiger Representatives
(t = 2.08, p < .05, d = .57). In dieser Rolle sind sie Teil einer
weiblichen Freundesgruppe und zusätzlich mit einem männ-
lichen Kollegen befreundet, sodass sie die Repräsentantin der
„Frauengruppe“ darstellen. Zusätzlich übernehmen weibliche
Berufsanfänger signifikant häufiger die Rolle des Consultants
(t = 2.23, p < .05, d = .65). Dabei sind sie mit zwei Männern
befreundet, die keine Freunde sind, und stellen so als weibliche
Mitarbeiterin eine Verbindung zwischen zwei männlichen Kol-