Seite 20 - PERSONALquarterly_2014_02

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PERSONALquarterly 02 / 14
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SCHWERPUNKT
_NETZWERKEN
instrumentell und statusorientiert gefördert zu werden. Dieser
generelle Befund darf aber nicht zu dem Schluss führen, dass
weibliche Karriereförderer (z. B. Mentorinnen) nicht zu emp-
fehlen seien. Einflussreiche Mentorinnen können gerade bei
Frauen ein optimales Rollenvorbild darstellen und somit auf
weibliche Karrieren Einfluss nehmen (Gaskill, 1991).
Insgesamt haben u. a. geschlechtsspezifische Arbeitsmarkt-
statistiken dazu geführt, dass in den letzten Jahren viele Pro-
gramme zur Karriereförderung und Netzwerkbildung von
Frauen entstanden sind. So zeigt eine Schlagwortsuche im
Internet mehr Treffer zum Begriff „Netzwerke Frauen“ als
„Netzwerke Männer“. Trotz dieser Entwicklung gibt es bisher
nur sporadische Analysen der Karrierenetzwerke von Frauen,
insbesondere innerhalb der frühen Karrierephase.
Soziale Netzwerke weiblicher Berufsanfänger
Ziel der vorliegenden Studie ist es daher, die Befunde zu Kar-
rierenetzwerken zu erweitern, indem wir den Fokus auf Be-
rufsanfängerinnen im Vergleich zu Berufsanfängern legen.
Wir konzentrieren uns auf wissenschaftliche Mitarbeiter der
MINT-Fächer, da gerade die Promotion eine Phase darstellt,
in der es gilt, sich über den weiteren Karriereverlauf klar zu
werden und selbstständig die nächsten Karriereschritte zu
planen. So zeigt sich, dass mindestens die Hälfte der Promo-
vierenden im Anschluss an die Promotion in Wirtschaft und
Selbstständigkeit wechselt, sodass gerade diese Mitarbeiter
zukünftige Fach- und Führungskräfte in gehobenen Positionen
darstellen (Enders, 2005). Der Fokus der Studie liegt auf den
sozialen Netzwerken im organisationalen Kontext. Wie in der
Beschreibung der Karrierenetzwerke berichtet, konzentrieren
wir uns daher auf Karriereförderer und Freunde innerhalb der
Abteilungen der Berufsanfänger und Berufsanfängerinnen, da
diese als Vorbilder und Unterstützer bei der Planung weiterer
Karriereschritte eine elementare Rolle spielen.
Frage 1A: Welche strukturellen Merkmale (Größe und Dich-
te) zeichnen die Karriere- und Freundesnetzwerke von männ-
lichen und weiblichen Berufsanfängern aus?
Frage 1B: Welche Attribute (Position und Status) zeichnen
die Kontakte von männlichen und weiblichen Berufsanfängern
in Karriere- und Freundesnetzwerken aus?
Strategische Positionen im Netzwerk
Eine bedeutsame Rolle in sozialen Netzwerken haben Akteure,
die eine strategische Position einnehmen. Eine solche Position
hat beispielsweise ein Akteur, der eine Person in das Netzwerk
einbindet, die mit keinem anderen Netzwerkmitglied direkt
verbunden ist. Die strategische Position als Verbindungsglied
bietet Einfluss und Macht innerhalb der Abteilungen. So wird
die Arbeitsleis­tung von Personen, die ein Verbindungsglied
im Netzwerk darstellen, höher eingeschätzt und sie werden
schneller befördert (Mehra/Kilduff/Brass, 2001).
Insgesamt kann eine Person fünf verschiedene Rollen in
einem Netzwerk übernehmen (siehe Abb. 1). Dabei wird die
Person selber als Ego betrachtet:
(A) Als „Coordinator“ stellt Ego eine Verbindung zwischen zwei
unverbundenen Netzwerkmitgliedern her. Jede der drei Per-
sonen ist Mitglied derselben Gruppe. Ego ist dabei als interner
Mediator dafür verantwortlich, Kommunikation zwischen den
beiden Gruppenmitgliedern herzustellen.
(B) Als „Consultant“ stellt Ego eine Verbindung her zwischen
zwei unverbundenen Netzwerkmitgliedern, die derselben
Gruppe angehören, während Ego selber nicht Mitglied der
Gruppe ist. Ego ist in dieser Konstellation ein unabhängiger
Mediator, der in dieser Funktion als Externer zwischen zwei
Gruppenmitgliedern vermittelt.
Quelle: Eigene Darstellung
Abb. 3:
Exemplarisches Freundesnetzwerk
weiblicher Berufseinsteiger
Quelle: Eigene Darstellung
Abb. 4:
Exemplarisches Freundesnetzwerk
männlicher Berufseinsteiger
Die Dicke der Pfeile gibt die relative Kontakthäufigkeit zwischen den Akteuren an.
Die Dicke der Pfeile gibt die relative Kontakthäufigkeit zwischen den Akteuren an
Ego
Ego
= Frau
= Mann
= Frau
= Mann