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ABSTRACT
Forschungsfrage:
Wie sehen soziale Netzwerke männlicher und weiblicher Berufsanfänger
aus und was bedeutet dies für die Karriereentwicklung?
Methodik:
Fragebogenerhebung und soziale Netzwerkanalyse von Karriere- und Freund-
schaftsnetzwerken der Berufsanfänger.
Praktische Implikationen:
Soziale Netzwerke haben Einfluss auf die Karriereentwicklung.
Männer pflegen Kontakt zu Personen mit höherem Status, Frauen nehmen dagegen stra-
tegische Rollen im Netzwerk ein. Die Bewusstmachung des organisationalen Netzwerks
kann dazu beitragen, dieses gezielt an den eigenen Stärken und Zielen auszurichten.
in jedem Unternehmen Koalitionen einflussreicher Mitarbei-
ter, welche die Meinung und Stimmung in der Organisation
prägen. Eine enge Beziehung zu solch einer Koalition wirkt
sich positiv auf die eigene Machtposition aus und steigert die
Chancen auf eine Beförderung.
Neben dem Kontakt zu solch einflussreichen Koalitionen er-
höht vor allem eine Vielzahl an lockeren Beziehungen zu losen
Bekannten die Chance auf einen Wechsel in Führungspositi-
onen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die losen Bekannten
untereinander kennen ist gering, sodass sie Zugang zu un-
terschiedlichen, non-redundanten Karriereoptionen bieten. In
einer aktuellen Studie konnten Führungspositionen durch ver-
schiedene Netzwerkmaße vorhergesagt werden (Parker/Welch,
2013). So erhöhten mehr außerorganisationale Kontakte, mehr
feste Kontakte (d. h. Personen, die man gut kennt), und weni-
ger weibliche Kontakte im Netzwerk die Wahrscheinlichkeit,
eine Führungsposition innerhalb einer Forschungsabteilung
im MINT-Bereich zu besetzen. Anhand dieser Forschungser-
gebnisse zeigt sich, welch unterschiedliche Netzwerkkompo-
nenten einen Einfluss auf die Karriereentwicklung haben. Da
den meisten Menschen nur ein begrenztes Maß an Ressourcen
und Zeit zum Aufbau und Pflege von Sozialkontakten zur Ver-
fügung steht, ist es sinnvoll, gezielt Schwerpunkte zu setzen
und somit effiziente Netzwerke aufzubauen. Ein breit gefä-
chertes, heterogenes Netzwerk, das auf losen Kontakten zu
Bekannten aus unterschiedlichen Abteilungen, Unternehmen
und sozialen Kontexten besteht, stellt das Sozialkapital dar,
welches gezielt für die nächsten Karriereschritte genutzt wer-
den kann. Jedoch ist ein diversifiziertes, loses Netzwerk kein
Allheilmittel, da enge Beziehungen zu Karriereunterstützern
wie Mentoren gerade für den Fortschritt im eigenen Unterneh-
men relevant sind.
Karriererelevante Netzwerke: Frauen schlecht positioniert
Obwohl die Beschäftigungsquote und das Bildungsniveau von
Frauen in den letzten 40 Jahren deutlich zugenommen haben,
kann man immer noch feststellen, dass Frauen weniger häufig
in Führungspositionen sind, bei gleicher Bildung weniger ver-
dienen und insbesondere bei Familiengründung die Karriere
eher unterbrechen als Männer (Abele/Spurk, 2011).Die Nut-
zung des Sozialkapitals kann gerade für Frauen als kritischer
Faktor gesehen werden, um in der Karriere weiter voranzukom-
men (Forret/Dougherty, 2004). Bisher haben Frauen weniger
Zugang zu einflussreichen Personen und Koalitionen in Un-
ternehmen und werden häufiger von informellen Netzwerken
ausgeschlossen. Sie haben eher kleine Netzwerke und sind in
diesen ungünstig positioniert. Ein Grund hierfür ist das soge-
nannte „Old Boys‘ Network“, welches dadurch gekennzeichnet
ist, dass Machtpositionen innerhalb von Organisationen immer
noch häufiger durch Männer als durch Frauen besetzt sind.
Des Weiteren konnte gezeigt werden, dass die Anzahl von
Frauen in karriererelevanten Netzwerken negativ bzw. die
Anzahl von männlichen Kontakten positiv mit Karriereerfolg
korreliert (Parker/Welch, 2013). Dies wird vornehmlich damit
erklärt, dass Männer noch mehr in einflussreichen Positionen
arbeiten und demnach eine stärkere instrumentelle Karrie-
reunterstützung bieten können. Eine größere Anzahl männ-
licher Netzwerkkontakte erhöht somit die Wahrscheinlichkeit,
Quelle:Eigene Darstellung
Abb. 2:
Strukturmerkmale der sozialen Netzwerke
Männer
Frauen
M
SD
M
SD
Größe Freundesnetzwerk
4.26
2.93
4.98
2.56
Dichte Freundesnetzwerk
73.75
33.69
73.17
29.40
Größe Karrierenetzwerk
2.37
1.67
2.43
2.10
Dichte Karrierenetzwerk
68.18
42.46
86.78
24.14
M  = Mittelwert: Der Mittelwert der Netzwerkgröße gibt an, wie viele Freunde Promovierende im
Durchschnitt in der Abteilung haben. Der Mittelwert der Netzwerkdichte gibt an, wie hoch das
Verhältnis der vorhandenen Freundesbeziehungen zur Anzahl maximal möglicher Freundesbezie-
hungen ist. Bei einem Wert von 100.00 liegt die maximal mögliche Anzahl an Beziehungen vor.
SD = Standardabweichung = Maß für die Streubreite des Wertes eines bestimmten Merkmals
rund um dessen Mittelwert. Beisp.: Größe Freundesnetzwerk: Im Durchschnitt haben Männer
4,26 Freunde, die Standardabweichung beträgt: 2,93. Das heißt, dass die durchschnittliche
Entfernung aller Antworten zum Mittelwert 2,93 Freunde beträgt.