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ABSTRACT
Forschungsfrage:
Nach welchen impliziten Regeln erfolgt informeller Austausch von Wis­
sen zwischen Mitarbeitern in Unternehmen?
Methodik:
Fragebogenerhebung, soziale Netzwerkanalyse.
Praktische Implikationen:
Unternehmensspezifische informelle Netzwerke folgen einer
bestimmten strukturellen Logik, die Potenziale und Risiken für Unternehmen birgt. Eine
Kenntnis der strukturellen Logik ist der erste Ansatzpunkt, um Austauschverhalten von Mit­
arbeitern zu verändern, an Anforderungen des Unternehmens anzupassen und langfristig
Innovationspotenziale und Performance zu sichern.
zu erwarten ist. Es liegt auf der Hand, dass ein solches Zurück-
halten von Informationen aus Unternehmensperspektive von
Nachteil ist.
Generalisierte Austauschnormen äußern sich dagegen darin,
dass für eine Leistung keine unmittelbare, direkte Gegenleis­
tung erwartet wird. Stattdessen achten Mitarbeiter auf eine
allgemeine Ausgewogenheit zwischen dem Wissen, das sie ins
Netzwerk geben, und dem, was sie aus dem Netzwerk erhalten.
Die Gegenleistung für eine Information oder einen Ratschlag
kommt dabei – wie das Strukturmuster der zyklischen Triade
in Abbildung 1 deutlich macht – häufig von einem anderen
Mitarbeiter als demjenigen, der die ursprüngliche Information
Strukturmuster Bedeutung
Potenziale und Risiken
Reziprozität: Direkter Austausch
(+) hohe wahrgenommene Fairness
(–) rationales Kalkül bestimmt Austausch
Zyklische Triaden: Generalisierter Austausch (+) Zugriff auf große Wissensbasis; zeugt von Vertrauen
(–) soziales Faulenzen und Trittbrettfahren möglich
Transitive Triaden: Cliquenbildung, der Freund
eines Freundes ist ebenfalls mein Freund
(+) Vertrauen; schneller Zugang zu Rat und Unterstützung
(–) Austausch homogenen Wissens abträglich für Innova­
tion; Gefahr des „Not-invented-here“-Syndroms
Offene Pfade: Indirekte Verbindung zwischen
Mitarbeitern; Überbrücken struktureller Löcher
(+) Zugriff auf heterogenes Wissen, Informationsvorteile
(–) Möglichkeit, Informationen zurückzuhalten; Fragmen­
tierung durch Ausfall von Brückenpersonen
Aktivität:
Zentralisierung nach Sendern;
Existenz von einigen wenigen Stars mit vielen
ausgehenden Beziehungen und vielen Per­
sonen mit wenigen Beziehungen
(+) effizientes Erledigen von Routineaufgaben;
Stars bündeln und verteilen Wissen
(–) von Nachteil für komplexe Aufgaben; Ungleiche Infor­
mationsverteilung; Überlastung von Stars und Gefahr
des Entstehens von „Flaschenhälsen“
Popularität: Zentralisierung nach Empfängern;
Existenz von einigen wenigen Stars mit vielen
eingehenden Beziehungen und vielen Personen
mit wenigen Beziehungen
Homophilie: Verbindungen zwischen Personen
mit den gleichen Eigenschaften
(+) harmonischer Umgang miteinander; weniger Konflikte
(–) Austausch homogenen Wissens abträglich für Innovation
Sender-Status: Eigenschaft beeinflusst die
Anzahl ausgehender Beziehungen
(+) hoher Status ist häufig verbunden mit mehr Erfahrung
und Wissen
(–) einseitiger Austausch ausgehend von statushohen
Personen; Überlastung von Sendern und Gefahr des
Entstehens von „Flaschenhälsen“
Empfänger-Status: Eigenschaft beeinflusst die
Anzahl eingehender Beziehungen
Quelle: Eigene Darstellung
Abb. 1:
Strukturmuster von Netzwerken und ihre Bedeutung
= Mitarbeiter
= Mitarbeiter mit Eigenschaft