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02/ 13 personalquarterly
Folgende internationale Zeitschriften verfolgen wir
für Sie regelmäßig:
3
Academy of Management Journal
3
American Economic Review
3
Human Resource Management
3
Human Resource Management Review
3
Journal of Applied Psychology
3
Journal of Labor Economics
3
Journal of Organizational Behavior
3
Journal of International Business Studies
3
Journal of Political Economy
3
Management Science
3
Personnel Psychology
3
Quarterly Journal of Economics
3
Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie
Unser Rezensenten-Team wird darüber hinaus an dieser Stelle
auch richtungsweisende Veröffentlichungen aus weiteren Publi-
kationen darstellen.
Neues aus Top-Journals
T
rotz gleichen Inhalts können Informationen, die ver-
schieden formuliert sind, das Verhalten unterschiedlich
beeinflussen. Diese Einflüsse werden „Framingeffekte"
genannt, weil der Rahmen, in dem eine Botschaft prä-
sentiert wird, von Bedeutung ist. Ein Beispiel dafür ist die For-
mulierung von Bonuszahlungen in Form von Gewinnen oder
Verlusten. In der einen Darstellungsform weiß ein Mitarbeiter,
dass er einen Bonus bekommt, wenn er ein bestimmtes Ziel er-
reicht. In einer anderen ist der Bonus schon in das Grundgehalt
integriert, aber der Mitarbeiter weiß, dass dieser beim Verfeh-
len des Ziels wieder abgezogen wird. Faktisch sind die Konse-
quenzen in beiden Fälle identisch, doch die Auswirkungen auf
das Arbeitsverhalten können unterschiedlich sein.
Initiiert durch die Pionierforschung von Daniel Kahneman
und Amos Tversky hat sich in der Verhaltensforschung dazu
die Erkenntnis etabliert, dass die sog. Verlustaversion dazu
führt, dass Menschen stärker auf die Darstellung von Verlusten
reagieren als auf Gewinne.
Die Studien zuFramingeffektenundVerlustaversionbasieren
zumeist auf Ergebnissen der experimentellen Laborforschung,
in denen Versuchspersonen in eher abstrakten Entscheidungs-
situationen unterschiedlichen Rahmenbedingungen ausge-
setzt waren. In ihrer aktuellen Studie habe die US-Forscher
Tanjim Hossain und John A. List den Ansatz aus dem Labor
in ein Feldexperiment übertragen. Dazu kooperierten sie mit
der chinesischen Wanlida Group, die Unterhaltungselektronik
wie bspw. DVD-Player und Digitalkameras produziert. In ei-
ner Versuchsanordnung wurde den Fabrikarbeitern mitgeteilt,
dass sie einen Wochenbonus in Höhe von 80 RMB (ca. 20 % des
Wochenlohns) erhalten, wenn sie mindestens eine vorgege-
bene Menge produzieren. Eine andere Versuchsgruppe wurde
darüber informiert, dass die bereits erfolgte (aber nicht ausge-
zahlte) Lohnerhöhung von 80 RMB pro Woche wieder abgezo-
gen wird, falls die Produktion unter einem vorgegebenen Ziel
liegen sollte. Die erste Versuchsanordnung impliziert also den
Gewinnframe, die zweite den Verlustframe. Betrachtet wurde
dabei das Verhalten von Arbeitsteams und Angestellten, die
alleine arbeiten. Die Untersuchung fand über einen Zeitraum
von zwei Monaten statt.
In ihrer Analyse können die Wissenschaftler zeigen, dass
unabhängig von der Rahmendarstellung ein Produktivitäts-
Verlustangst erhöht
Produktivität
Tanjim Hossain
(University of Toronto) &
John A. List
(Univer-
sity of Chicago), The Behavioralist Visits the Factory: Increasing
Productivity Using Simple Framing Manipulations, Management
Science, Vol. 58, Nr. 12, December 2012, pp. 2151–2167.
anstieg durch die Setzung von leistungsabhängigen Anreizen
eintritt. Die Darstellung des Bonus in Form des Verlustframes
führte zu einem stärkeren Anstieg im Vergleich zum Gewinn-
frame. Die Teamproduktivität in der Verlustdarstellung war
dabei um 1 % größer und statistisch signifikant unterschied-
lich. Bei Angestellten, die alleine arbeiteten, war dies allerdings
nicht der Fall. Das gestiegene Produktivitätsniveau wurde über
den gesamten Untersuchungszeitraum gehalten. Die Forscher
liefern damit empirische Evidenz, dass Framing und Verlust-
aversion auch in (realen) Arbeitsmärkten von Bedeutung ist
und ihre strategische Nutzung zu Produktivitätssteigerungen
führen kann. Für die Managementpraxis wird zusätzlich
deutlich, dass es sich auszahlen kann, durch kontrollierte Ex-
perimente mit mindestens zwei Untersuchungsgruppen Er-
kenntnisse über Arbeitsverhalten zu gewinnen.
Besprochen von
Julian Conrads,
Seminar für ABWL, Unterneh-
mensentwicklung und Wirtschaftsethik, Universität zu Köln