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02/ 13 personalquarterly
das Selbstwertgefühl ihrer Mitarbeiter täglich stärken sollten,
z. B. durch Lob für positive Leistung, durch faire Prozesse und
durch Unterstützung bei der Verarbeitung von persönlichen
Misserfolgen.
Um das eigene Selbstwertgefühl zu fördern lohnt sich auch
ein Blick auf das Privatleben und die eigene Partnerschaft.
Wenn der eine etwas Positives bei der Arbeit erlebt hat und
dies teilt, profitieren beide. Paare, bei denen beide Partner
berufstätig sind (sog. „dual career couples“) sollten allerdings
Turnieranreize: Mehr Fleiß
oder mehr Grips?
Anat Bracha
(Federal Reserve Bank of Boston) &
Chaim
Fershtman
(Tel Aviv University). Competitive Incentives: Wor-
king Harder or Working Smarter, Management Science, Articles
in Advance (2012), pp 1-11.
I
n nahezu jedem Job können Mitarbeiter Aufgaben gleich-
zeitig sowohl durch kognitive Anstrengungen als auch
durch einfachen Fleiß erledigen. Stellen Sie sich vor, dass
ein Mitarbeiter beauftragt wird, die Neujahrsgrüße des
Chefs an die Kunden zu versenden. Einerseits kann er dies
machen, indem er einen komplexen Serienbrief (kognitive An-
strengungen) über eine Formel erstellt, andererseits kann er
die einzelnen Briefe separat erstellen (Fleiß).
Immer mehr Unternehmen verlassen sich auf Turnieranreize
zur Motivation von Arbeitnehmern. Turnieranreize bestehen
immer dann, wenn zwei oder mehr Arbeitnehmer im Wettbe-
werb um z. B. eine Beförderung oder einen Bonus stehen.
In einem Experiment untersuchen die Forscher der o. g. Stu-
die den Einfluss von Turnieranreizen zwischen Arbeitnehmern
auf deren Entscheidung, kognitive Anstrengungen und/oder
Fleiß für das Erledigen einer Aufgabe aufzuwenden. Die aktu-
elle Forschung zur Wirkung von Turnieren konzentrierte sich
vor allem darauf, dass Wettbewerb die Leistung der einzelnen
Mitarbeiter steigert, allerdings auch zu unkooperativem Ver-
halten führen kann. Die vorliegende Untersuchung erweitert
nun den Blick auf den Effekt von Turnieranreizen auf unter-
schiedliche Anstrengungsdimensionen.
Eine Aufgabe, bei der die Teilnehmer der Studie kognitive
Anstrengungen verwenden mussten, bestand darin, kom-
plexe Zahlenfolgen (wie sie häufig bei Intelligenztests ver-
wendet werden) zu vervollständigen. Die andere Aufgabe, für
die reiner Fleiß notwendig war, bestand darin anzugeben, ob
eine Zahl gerade oder ungerade war. In der zehnminütigen
auch darauf achten, dass sich negative Erlebnisse nicht auf
den anderen übertragen. Beide Partner sollten sich über die
möglichen „Ansteckungsprozesse“ nach der Arbeit bewusst
werden, um positive Effekte zu nutzen und negative Anste-
ckung zu vermeiden.
Besprochen von
Dr. rer. nat. Nale Lehmann-Willenbrock
,
Department of Social and Organizational Psychology, Vrije
Universiteit Amsterdam
Arbeitsphase konnten die Teilnehmer beliebig oft zwischen
beiden Aufgaben wechseln. Die Teilnehmer der Studie wurden
nun in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe wurde leis-
tungsabhängig entlohnt. Das bedeutet, für jede richtig gelöste
Zahlenfolge und für jede richtig eingeordnete Zahl erhielt der
Teilnehmer Punkte. Die Punkte wurden am Ende des Experi-
ments in Dollar umgerechnet.
In der zweiten Gruppe interagierten zwei zufällig gepaarte
Spieler in einem Turnier. Wie in der ersten Gruppe erhielten
beide Spieler Punkte für die richtig gelösten Aufgaben. Am
Ende des Experiments wurden die Punkte beider Spieler ver-
glichen.
Der Spieler mit den meisten Punkten erhielt eine höhere
Auszahlung als der andere Spieler. In der Analyse des Experi-
ments haben die Forscher untersucht, wie viel Zeit die Teilneh-
mer auf die beiden Aufgabentypen verwenden, aber auch wie
viele richtige Aufgaben gelöst wurden.
Im Vergleich der beiden Anreizschemata kommen die For-
scher zu folgendem Befund: Spieler, die in einem Turnier mit-
einander interagierten, haben signifikant weniger Zeit auf die
Aufgabe, die kognitive Anstrengung erfordert, verwandt. Ne-
ben der Zeit, die die Teilnehmer der Studie für die einzelnen
Aufgaben verwendet haben, wurde ebenfalls untersucht, ob die
Teilnehmer die Aufgaben richtig bearbeitet haben.
Hierbei konnten die Forscher einen Unterschied zwischen
Männern und Frauen beobachten. Im Vergleich zur Gruppe
ohne Turnieranreize sank die Richtigkeit der bearbeiteten Auf-
gaben signifikant bei Frauen.
Firmen, die Turnieranreizschemata einführen möchten,
sollten sich nicht nur der leistungssteigernden Effekte bewusst
sein. Möglicherweise, und das zeigt die oben besprochene Stu-
die, gilt es zu bedenken, dass Anreizschemata ebenfalls die
Art und Weise beeinflussen, wie die Mitarbeiter ihre Aufgaben
lösen.
Besprochen von
Rainer Michael Rilke,
Seminar für ABWL,
Unternehmensentwicklung und Wirtschaftsethik, Universität zu
Köln