Seite 29 - PERSONALquarterly_2013_02

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Abstract
Forschungsfrage:
Interagieren Deutsche und Schweizer unterschiedlich in Meetings?
Kulturunterschiede in Teams können zu Konflikten führen, welche die Effektivität stören.
Dieser Beitrag soll die Zusammenarbeit von interkulturellen Teams fördern.
Methodik:
Für die Studie wurden Problemlösungssitzungen mit deutschen und Schweizer
Teams simuliert, mit Video aufgezeichnet und die Aufnahmen quantitativ analysiert.
Praktische Implikationen:
Deutsche brauchen Klarheit und Schweizer gute Zuhörer.
Daher sollten Meetings gut strukturiert sein und Raum für Äußerungen von allen Teilneh-
menden bieten.
vertan werden (Niehr/Böke, 2000). Deutsche versuchen nach
einer ausführlichen Problemanalyse wettbewerbsorientiert, ei-
ne gute Lösung durchzusetzen. Schweizer verfolgen hingegen
in Besprechungen primär das Ziel, eine Lösung zu finden, mit
der alle Parteien trotz unterschiedlicher Meinungen leben kön-
nen. Ihre Lösungen sollten mehrheitsfähig sein und die Min-
derheiten sollten nicht benachteiligt werden (Jarren/Ohemer/
Wassmer, 2010).
Aufgrund der unterschiedlichen Argumentationsstile wer-
den Deutsche als konfrontativ und Schweizer als konsenssu-
chend beschrieben. Dieses unterschiedliche Verhalten führen
Niehr und Böke (2000) auf soziohistorische Gegebenheiten,
die sich im sprachlichen Handeln niederschlagen, zurück.
His­torisch musste sich die Schweizer Bevölkerung aufgrund
der Heterogenität der eigenen Bevölkerung und der Position
zwischen den europäischen Großmächten häufig an neue Situ-
ationen anpassen und daraus entstehende Probleme austarie-
ren. Um mit den sich ändernden Anforderungen der Umwelt
(Naturereignisse, Großmächte, Einwanderungswellen, etc.) fle-
xibel umgehen zu können, entwickelten die Schweizer daher
dezentrale Strukturen und partizipative Vorgehensweisen (Pe-
kruhl, 2007). Deutschland war aufgrund seiner Größe einem
geringeren Anpassungsdruck ausgesetzt. Hier entwickelte sich
eine direktivere, hierarchischere Kultur als in der Schweiz.
Wie spiegelt sich das schweizerische Austarieren und die
deutsche Durchsetzungsstärke (Niehr/Böke, 2000) in der In-
teraktion in Teammeetings wider? Im Vergleich zu anderen
kulturvergleichenden Studien wie z. B. Hofstede, Trompenars,
Hall oder die Globe Studie von Chhokar (zusammenfassend
beschrieben in Kutscher/Schmid, 2011), die auf oft sehr allge-
meinen Befragungen beruhen, fokussieren wir das konkrete
Verhalten in einer Situation: Besprechungen. Die Forschungs-
fragen beruhen auf dem Kategoriensystem act4teams®, mit
dem Besprechungen erschöpfend analysiert werden können
(vgl. Abb. 1).
Schweizer: Gemeinsam fragend, entwerfend und vernetzend
Schweizer, die aufgrund ihrer Gemeinschaftsorientierung
eher nach Harmonie und Konfliktvermeidung streben (Kess-
ler, 1990), versuchen vor allem, ihre Interaktionspartner zu
verstehen. In einer heterogenen Gesellschaft wie der Schweiz
ist ein gemeinsames Verständnis schwieriger zu erreichen. Für
das gegenseitige Verstehen und um eine gemeinsame Basis für
das Aushandeln von tragfähigen Problemlösungen im Team
zu schaffen, ist es darum wichtig, ein gemeinsames Problem-
verständnis zu erreichen (Mathieu/Heffner/Goodwin/Sales/
Cannon-Bowers, 2000). Durch das Bemühen, verschiedene
Meinungen zusammenzubringen, sollten in der Interaktion
die Schweizer mehr Fragen und mehr Äußerungen zu Vision
(Sollentwürfen) einbringen und sich mehr aufeinander bezie-
hen (Vernetzungen), um ein gemeinsames Bild zu erreichen.
Frage 1A
: Stellen Schweizer Teams signifikant mehr Fragen
in Sitzungen als deutsche Teams?
Frage 1B
: Erstellen Schweizer Teams signifikant mehr
Sollentwürfe in Sitzungen als deutsche Teams?
Frage 1C
: Referenzieren sich Schweizer Teams mehr aufei-
nander (Vernetzungen) als deutsche Teams?
Deutsche: Zügig, offen und konfrontativ
Die Deutschen haben einen konfrontativen Interaktionsstil
(Niehr/Böke, 2000, Schroll-Machl, 2007). In Meetings sollte
sich zeigen, dass Deutsche schneller ihre Position vertreten als
Schweizer, indem sie z. B. Lösungsvorschläge einbringen. Bei
den Schweizern sollte sich demgegenüber zeigen, dass zuerst
die Gesamtstimmung im Team evaluiert wird und sie zunächst
den Zusammenhalt und das gemeinsame Problemverständnis
im Blick haben (Schroll-Machl, 2007). Die eigene Position und
Lösung sollte zu Beginn nicht wichtig sein. Erst wenn die Inte-
ressen der einzelnen Teammitglieder klar sind und ein gemein-
sames, geteiltes Problemverständnis erreicht ist, sollte mit der
Arbeit an der Lösung begonnen werden.
Frage 2
: Nennen deutsche Teams früher ihre erste Lösung
als Schweizer Teams?
Um sich über die Sprachgrenzen hinweg zu verständigen,
müssen die Schweizer stärker Mimik und Gestik berücksich-
tigen, da die sprachliche Interaktion unter Umständen vom
Gesprächspartner nicht richtig interpretiert wird. Die Un-