personalquarterly 02/ 13
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Schwerpunkt
_meetings
D
ie Schweiz gehört zu den zehn wichtigsten Handels-
partnern Deutschlands. Ebenso ist die Schweiz das
beliebteste Auswanderungsland für Deutsche, noch
vor den USA, Spanien oder Österreich. Von den rund
1,5 Mio. Ausländern, die in der Schweiz leben, gehören die
Deutschen zu den größten Migrationsgruppen. Gemäß einer
Untersuchung eines deutschen Marktforschungsinstituts ist
eines der wichtigsten Motive für die Auswanderung in die
Schweiz die geringe Sprachbarriere. Neben der gemeinsamen
Schriftsprache teilen die Deutschen mit den Schweizern auch
gemeinsame Werte, wie das „Gärtlidänkä“ (Schweizerdeutsch)
oder auf Hochdeutsch das „Gartenzaundenken“ (Kopper,
1993), so eine Beschreibung für das Verhalten bei dem jeder
zuerst auf seine eigenen Interessen schaut. Deutsche wie auch
Schweizer schätzen zudem Stabilität und Sicherheit. Dies geht
häufig einher mit dem Schätzen von Formalismus, sozialer
Ordnung und Regeln (Kopper, 1993) sowie mit Genauigkeit und
Gewissenhaftigkeit (Schroll-Machl, 2007).
Dennoch scheint die Zusammenarbeit zwischen Deutschen
und Schweizern nicht reibungslos zu funktionieren. Mehr als
die Hälfte der Teilnehmer (n = 252) an einer Untersuchung der
Fachhochschule Nordwestschweiz gaben an, dass Konflikte in
gemischten Deutsch-Schweizer Teams durch die Mentalitäts-
und Kommunikationsunterschiede entstehen (Eser/Tov, 2010).
Um welche Kommunikationsunterschiede kann es sich dabei
handeln? Obwohl Meetings, in denen die unterschiedlichen
Kulturen unmittelbar zusammentreffen, zunehmend zum
Forschungsgegenstand werden, liegen bis auf eine Studie von
Meinecke und Kolleginnen (Meinecke/Lehmann-Willenbrock/
Meyers/Kauffeld, 2011) bislang kaum Untersuchungen zu in-
terkulturellen Unterschieden in Teammeetings vor. Dies gilt
auch für deutsche und Schweizer Teams: Ob und inwiefern
sich das Verhalten von Schweizern und Deutschen in Meetings
unterscheidet, ist bisher nicht untersucht. In der vorliegenden
Studie gehen wir anhand von Videoaufzeichnungen deutscher
und Schweizer Teams der Frage nach, ob Schweizer Teams
mehr Fragen stellen, gemeinsame Visionen entwerfen und ihre
Beiträge aufeinander beziehen, während Deutsche mit ihren
Lösungen frühzeitig in Diskussionen ihren Standpunkt mar-
kieren und diesen klar vertreten.
Meetings im kulturellen Vergleich: Deutsche
brauchen Klarheit, Schweizer gute Zuhörer
Von
Gabriela Suter
(Suter & Co Teamwork, Eglisau) und
Prof. Dr. Simone Kauffeld
(Technische Universität Braunschweig)
Deutsche und Schweizer – die Unterschiede
Sowohl die deutsche als auch die schweizerische Kultur
kann man nach der Einteilung des Kulturwissenschaftlers
Hofstede zu den individualistischen Kulturen zählen. In in-
dividualistischen Kulturen werden die Ideen jedes einzel-
nen Teammitglieds als wichtig angesehen und geschätzt. In
kollektivistischen Kulturen, wie z. B. der asiatischen, stehen
Konsens und Loyalität vor individueller Meinungsäußerung.
Auch wenn Deutsche und Schweizer im globalen Vergleich
als individualistisch gelten, gibt es graduelle Unterschiede
zwischen Deutschen und Schweizern: Während die deutsche
Gesellschaft mit Erfolg, Durchsetzungsvermögen und Disziplin
eher auf Wettbewerb abzielt, sind für die Schweizer Gesell-
schaft Gemeinschaftswerte wie Benehmen, Manieren und kor-
rektes Auftreten außerordentlich wichtig (vgl. Kessler, 1990).
Kompetenz und Stellung wird bei Deutschen u. a. durch eine
eloquente Ausdrucksweise deutlich gemacht (Kopper, 1993,
Schroll-Machl, 2007). Demgegenüber dient in der Schweiz die
Sprache nicht als Sozialindikator (Reihl, 2009), d. h.die sprach-
liche Ausdrucksweise wird nicht als Hinweis auf die soziale
Stellung genutzt. Schweizer werden bei einer zu geschliffenen
Ausdrucksweise eher misstrauisch (Kopper, 1993).
Deutsche dagegen treten im Vergleich zu Schweizern oft
direkter und konfrontativer auf. Sie sprechen Fehler unmit-
telbar an, äußern Kritik, benennen und analysieren Probleme
und Schwierigkeiten und vertreten ihre Meinungen in Ausei-
nandersetzungen (Schroll-Machl, 2007). Das Anbringen von
Kritik erfolgt in der Schweiz über indirekte Botschaften. Durch
verständnisvolle Erkundigungen über die Ursachen erfolgter
Unterlassungen oder Verspätungen wird dem Gegenüber ein
Spielraum belassen, den Sachverhalt zu klären oder sich zu
entschuldigen und somit sein Gesicht zu wahren (vgl. Will-
meroth/Hämmerli, 2009). Diese indirekte Art erscheint Deut-
schen oft umständlich. Die Schweizer werden dadurch von den
Deutschen oft weniger ernst genommen (Eser/Tov, 2010).
Deutsche attestieren den Schweizern jedoch auch, dass
dieses verständnisvolle Verhalten Ruhe und Gelassenheit in
ein Team bringt, was sich positiv auf die Arbeitsatmosphäre
auswirkt (Eser/Tov, 2010). Andererseits bemängeln sie, dass
damit Chancen für eine argumentative Auseinandersetzung