Seite 23 - PERSONALquarterly_2013_02

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02/ 13 personalquarterly
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Abstract
Forschungsfrage:
Wie wirkt sich die Kommunikation von Mitarbeitern unmittelbar vor
Meetings auf die Meetingeffektivität aus? Der „Ripple-Effekt“ legt nahe, dass Small Talk
vor dem eigentlichen Meeting auf den Meetingverlauf und das Meetingergebnis einwirkt.
Methodik:
Online-Befragung von 252 Mitarbeitern; ein neuer Fragebogen zur Kommuni-
kation vor dem Meeting wurde entwickelt.
Praktische Implikationen:
Führungskräfte sollten ihre Mitarbeiter motivieren, frühzeitig
zu Meetings zu erscheinen. So werden die positiven Effekte von Small Talk vor dem Mee-
ting auf die Meetingeffektivität nutzbar.
mittelbar vor demMeeting erlebt wird, ins eigentliche Meeting
„mitgenommen“ werden. Dass sich Small Talk vor demMeeting
auf die eigentlichen Meetingergebnisse auswirken kann, wird
durch den sogenannten „Ripple-Effekt“ (Schwartzman, 1989)
oder Kaskadeneffekt nahegelegt.
Der Ripple-Effekt besagt, dass ein offiziell geplantes Meeting
zu einem ungeplanten, informellen Vorab-Meeting führt. Nach
Schwartzman (1989) hat der Ripple-Effekt das Potenzial, die
Richtung der Konversation vor und dann auch im eigentlichen
Meeting zu strukturieren und zu steuern.
Sobald ein Meeting angesetzt wird, beginnen die Teilnehmer
Informationen zum geplanten Meeting auszutauschen. Dabei
werden häufig auch Statusunterschiede deutlich. Es wird dis-
kutiert, warum das Meeting einberufen wurde, worum es ge-
hen soll, wer teilnehmen wird und welche Entscheidungen
womöglich getroffen werden.
Solche Vorab-Diskussionen legen oftmals fest, wer „das Sa-
gen“ hat, wer was präsentiert oder erläutert, welche Informa-
tionen offiziell geteilt werden und warum. Gleichzeitig werden
aber auch Ideen und Meinungen auf informelle Art und Weise
ausgetauscht und es können sich vorab Koalitionen bilden, um
im eigentlichen Meeting Akzente zu setzen und bestimmte
Entscheidungen zu beeinflussen. All diese vorab diskutierten
Punkte können sich, aufgrund des Ripple-Effekts, auf das ei-
gentliche Meeting auswirken und damit schließlich auch die
Meetingergebnisse beeinflussen.
Unsere erste Forschungsannahme lautet demnach:
Hypothese 1: Small Talk vor dem Meeting wirkt sich positiv
auf die Effektivität des Meetings aus.
Wie stark der Effekt von Small Talk vor dem Meeting auf die
Effektivität des eigentlichen Meetings ausfällt, hängt aber ver-
mutlich auch vom individuellen Mitarbeiter ab. Dazu gehören
persönliche Einstellungen und Überzeugungen, aber auch sta-
bilere Charakteristika wie die Persönlichkeitseigenschaften
eines Mitarbeiters.
Inwiefern Mitarbeiter die Ergebnisse des eigentlichen Mee-
tings besser bewerten, wenn vorab Small Talk stattgefunden
hat, hängt also vermutlich auch von der Persönlichkeit der
Meetingteilnehmer ab. Diese Möglichkeit wird im folgenden
Abschnitt beleuchtet.
Persönlichkeit der Teilnehmer und Meeting-Effektivität
Obwohl viele persönliche Merkmale oder Eigenschaften denk-
bar wären, um individuelle Unterschiede im Zusammenhang
zwischen Small Talk vor dem Meeting und der Bewertung
des eigentlichen Meetings zu erklären, erscheint uns eine
spezifische Persönlichkeitsvariable besonders relevant: Ex-
traversion (z. B. Myers, 1993). Extraversion als Persönlich-
keitsmerkmal beschreibt das Ausmaß, in dem eine Person
die Welt von einer inneren Perspektive heraus erlebt (intro-
vertiert) oder von einer nach außen gerichteten Perspektive
erlebt (extravertiert).
Extravertierte Personen bevorzugen meist die Gesellschaft
anderer, gehen auf andere zu, sind gesprächig und aktiv. In-
trovertierte Personen hingegen erleben soziale Interaktion
häufig als anstrengend. Small Talk vor einem Meeting könnte
insbesondere introvertierten Meetingteilnehmern ihre mög-
liche Nervosität oder Unsicherheit imMeeting nehmen und die
Kommunikation erleichtern.
Obwohl natürlich auch Small Talk eine Art der Kommuni-
kation in einem sozialen Kontext ist, ist Small Talk deutlich
informeller und weniger strukturiert als die Kommunikation in
einem offiziellen Meeting (Schwartzman, 1989). Das informelle
Setting vor dem Meeting könnte introvertierten Teilnehmern
die Kommunikation ihrer Gedanken und Ideen erleichtern.
Das gewonnene Selbstvertrauen durch die Kommunikation der
eigenen Ideen im informellen Small Talk könnte dann dazu
führen, dass es introvertierten Teilnehmern leichter fällt, sich
auch im offiziellen Meeting einzubringen.
Auf Grundlage dieser Argumentation nehmen wir an, dass
der Zusammenhang zwischen Small Talk vor dem Meeting
und der positiven Bewertung des eigentlichen Meetings für
introvertierte Teilnehmer stärker ausgeprägt ist als für extra-
vertierte Teilnehmer. Die Persönlichkeitsvariable Extraversion
(extravertierte vs. introvertierte Teilnehmer) würde dann als
sogenannte Moderatorvariable wirken, die die Stärke des Zu-
sammenhangs zwischen Small Talk und der Meetingeffektivi-
tät moderiert bzw. steuert.