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2.2015
die haben ein Produkt geschaffen, das den
Kunden Spaß macht. Die machen viele
Dinge anders. Sie haben eine ganz hohe
Wiederkehrrate ihrer Kunden.
An wem orientieren Sie sich beim The-
ma Innovation?
Als Marktführer ist das
ein bisschen schwierig: An der Branche
können wir uns wenig orientieren. Inno-
vationen holen wir uns von außen. Des-
halb veranstalten wir etwa Wettbewerbe
für Programmierer (sog. Hackathons) und
laden dazu ein, rund um die Immobilie
neu zu denken. Die Welt draußen verän-
dert sich ständig. Und wenn wir uns nicht
verändern, dann werden wir verändert.
Was ist Ihr Credo?
Sich selbst immer
wieder zu hinterfragen. Ist das, was wir
2014 gemacht haben, 2015 noch richtig?
Wir üben Selbstkritik, aber damit macht
man sich auch angreifbar. Ich selber ren-
ne durchs Leben mit tausend Fragen und
treffe viele Leute mit standardisierten
Antworten. Oft merke ich: Die wenigsten
haben ihre Antworten richtig durchdacht.
Was können Sie über die Zukunft der
Scout24-Gruppe sagen?
Der Schwer-
punkt liegt weiter auf AutoScout24 und
ImmobilienScout24. Wir werden als Un-
ternehmen stärker zusammenwachsen.
Der spekulierte Börsengang ist eine mög-
licheOption für die Zukunft, dazu ist noch
keine Entscheidung gefallen.
Welches sind die großen Herausfor-
derungen?
Eine ist, den Konsumenten
besser zu bedienen und so ein Konsu-
mentenprofil zu haben, das wir Anbietern
zur Verfügung stellen können. Wir wollen
über dieMitgliedschaft professionelle An-
bieter erfolgreicher machen. Und Prozesse
vereinfachen. Die technische Umgebung
wird immer komplexer. Smartwatch wird
kommen, die iWatch und vieles mehr. Die
Riesenherausforderung für uns ist, Big
Data nutzbar zu machen. Wie schaffe ich
es, Geräte nur mit dem Daumen zu be-
dienen? Das Schlagwort heißt hier Smart
Data, doch dazu später einmal mehr…
Foto: ImmobilienScout24
zur person
Volker Wohlfarth
ist Vice President Anbietermarketing und Markenführung bei ImmobilienScout24 und Mitglied
der Geschäftsleitung. In seiner Funktion verantwortet er die Themen Neukundenakquise, Kundenbindung und Kundenrückgewinnung,
sowohl von gewerblichen Anbietern als auch privaten Immobilien-Inserenten. Vor ImmobilienScout24 war er unter anderem in
Führungspositionen bei Toshiba, eBay und erento tätig.
«
Dirk Labusch, Freiburg
zung, denn FlowFact versteht die Immo-
bilienwirtschaft sehr gut. Wir sehen, dass
FlowFact Prozesse effizienter macht ...
Wie hat sich eigentlich Ihr Selbstver-
ständnis verändert?
Wir waren einmal
eine reine Datenbank für Immobilien.
Das ist wenig emotional: Man stellt eine
Information ein, andere greifen darauf zu,
und dann findet der Prozess unabhängig
von dieser Datenbank statt. Aber dieMen-
schen heute wollen dazu angeregt werden,
die richtige Entscheidung zu treffen, und
das auf eine möglichst einfache Art. Es
geht nicht mehr nur darum, Informatio-
nen bereitzustellen, sondern darum, dem
Kunden bei allen Entscheidungen rund
um eine Transaktion zu helfen.
Das ist der Marktplatz-Gedanke?
Ja, wir
bringen Menschen mit bestimmten Ei-
genschaften zusammen. Wir wollen dem
Konsumenten die größtmögliche Anzahl
von Angeboten zeigen, es geht aber auch
darum, wie wir unseren Makler-Kunden
das Leben vereinfachen können. Ein Bei-
spiel: Der Anbieter will möglichst früh den
richtigen Kunden finden. Deshalb haben
wir auf unseremPortal jetzt ein Profil ein-
gebaut, wo man sich als Nachfrager selbst
beschreiben und ein Foto von sich und der
Familie hochladen kann.
Wird das angenommen?
Ja, es machen
sehr viele.Wennman den Prozess der Ver-
mietung einfacher gestaltet, indemder po-
tenzielle Mieter einmal ein Profil ausfüllt
und im Grunde immer die Bewerbung
gleich rausschickt, ist das eine Bewerbung
mit nur einem Klick. Es gibt immer mehr
emotionale Vertreter im Netz. Wenn ich
denen gleich mein Profil zeigen kann, er-
spare ich mir fruchtlose Besichtigungen.
Was versprechen Sie sich von der Über-
nahme des mobilen Flohmarkts „stuf-
fle“?
Inspiration. Das ist ein junges Team,