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Vermarktung & Bewertung
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Immobilienportale
meisten Maklerhäusern wurde diese Ak-
tion gut angenommen. Aber einige haben
gemutmaßt, wir machten das nur, weil wir
ein Franchisesystem aufbauen wollten …
Und, wollen Sie?
Klares Nein. Ein Fran-
chisesystem aufzubauen, erfordert Man-
power, regionale Präsenz. Es ist kein digi-
tales Geschäftsmodell, das entspricht nicht
unserem Business.
Es scheint, nicht bei allen Maklern
werden Ihre Positionen verstanden …
Wir haben es bisher noch nicht überall
geschafft, als vertrauensvoller Partner
angenommen zu werden. Dabei haben
wir durchaus Verdienste: Wir haben den
Markt digitalisiert und Transparenz ge-
schaffen, haben die Suche nach Immobi-
lien vereinfacht und vielen Maklern den
Eintritt in die Maklerschaft erleichtert.
ImmobilienScout24 gilt bei manchen
als zu teuer.
Im Jahr 2000 etwa wurde
für Print-Anzeigen viel mehr ausgegeben
als heute für online. Kleine Unternehmen
konnten es sich teilweise nicht leisten,
Verkaufsanzeigen zu schalten. Aber einige
Anbieter haben tatsächlich eine emotio-
nale Hürde …
Welche emotionale Hürde meinen Sie?
Es gibt eine Marktunsicherheit. In diesen
Zeiten haben wir die Mitgliedschaft ein-
geführt. Das bedeutet Veränderung. Das
mag niemand. Aber uns geht es darum,
dem Makler die Weichen für eine Zeit
zu stellen, in der Rahmenbedingungen
schwieriger werden. In dieser Phase sol-
len dieMakler mit unseremneuenModell
bestmöglich unterstützt werden. Mit der
Mitgliedschaft haben wir etwas Tolles ge-
schaffen, das ist unsere feste Überzeugung.
Wir bekommen sehr gutes Feedback.
Dazu passt die Übernahme von Flow-
Fact.
Ja, das ist eine wunderbare Ergän-
Herr Wohlfarth, worauf legt Immobili-
enScout24 2015 seinen Fokus?
Es geht
immer um Kundenbedürfnisse. Wie kön-
nenwirmit Technologie zusätzlicheWerte
schaffen? Und da fragen wir uns kontinu-
ierlich, wo es im Prozess Probleme gibt,
für die wir Lösungen schaffen wollen.
Welche Bedeutung haben Smartphones
inzwischen?
Fast 60 Prozent unserer Nut-
zer auf Konsumentenseite greifen damit
auf unsere Services zu.
Aber der neue Trend heißt TV?
Die Zah-
len der Smart-TV-App-Benutzung sind
imMoment noch gering, wir wissen noch
nicht so genau, ob das tatsächlich etwas
wird oder nicht. Es geht uns zunächst da-
rum, den Kanal zu verstehen, weil der das
Potenzial hat, ganz groß zu werden.
Geht der Trend weg von den Maklern
hin zu den Konsumenten?
Ein klares
Nein. Makler haben für uns nach wie vor
sehr große Bedeutung, es gibt ein klares
Bekenntnis zur Maklerschaft. Es geht uns
immer darum, wie wir Makler unterstüt-
zen können, sodass siemehr Daten haben,
mehr Infos, umEigentümer und Nachfra-
ger am besten zu bedienen. Wir wollen
transparent machen, wie gut die Arbeit
von Maklern ist. In unserem Branchen-
buch können sie sich bewerten lassen, aber
sie können auch ihre Arbeit beschreiben.
Ihnen wird immer wieder unterstellt,
Sie wollten selber ein Makler werden…
Nein, wir haben klar gesagt, dass wir das
nicht wollen!
Auch nicht die Maklerprovision?
Nein!
Für mich ist es ab und zu etwas enttäu-
schend, dass diese Botschaft nicht richtig
ankommt. Ich habe in meiner Abteilung
ein Maklerpraktikum eingeführt. Wir
wollten wissen: Werden die Botschaften,
die wir versenden, verstanden? Von den
Für Makler! Mitgliedschaft und Marktplatz
Es gibt einige neue Ent-
wicklungen bei Immobilien-
Scout24. Doch das Unter-
nehmen muss sich immer
wieder auch mit Mutma-
ßungen auseinandersetzen,
man wolle selber ein
Franchisesystem aufbau-
en. Das dementiert
Volker
Wohlfarth
, Mitglied der
Geschäftsleitung, und spricht
über die Herausforderungen
des Marktführers.
„Ich selber habe tau-
send Fragen und treffe
viele Leute mit stan-
dardisierten Antworten.
Die wenigsten haben
sie richtig durchdacht.“