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Markt & Politik
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Titelthema
mobilienbewertung nach dem KAGB und die entsprechenden
Objektklassen durch unabhängige und international tätige Be-
werter fokussiert“, erläutert Dr. Gernot Archner, Geschäftsführer
des BIIS. Entsprechend steht die Mitgliedschaft nur hochqualifi-
zierten Bewertern offen, die im Bereich des KAGB tätig sind. Ein
noch so kompetenter Sachverständiger für die Bewertung von
Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungenwäre also imBIIS
fehl am Platz.
„Nicht ohne spezialisierte Einzelverbände“
Dieser detail-
lierte Blick macht für BFW-Präsident Andreas Ibel deutlich, „wie
komplex die Immobilienwirtschaft ist“. Nicht wenige Branchen-
kenner räumen denn auch ein, dass es ohne spezialisierte Ein-
zelverbände nicht geht.
Dabei plädieren zahlreiche Marktakteure für das Prinzip
„Kooperation statt Fusion“. So arbeiten zum Beispiel der BFW
und der Verwalterverband BVI regelmäßig zusammen; der Ver-
walterverband DDIV hat zusammen mit dem Verband Privater
Bauherren (VPB) eine Checkliste zur Auswahl des richtigen
Verwalters herausgegeben; und der GdW schreckt etwa bei der
Forderung nach stärkerer Unterstützung des Neubaus auch nicht
davor zurück, zusammen mit dem Deutschen Mieterbund vor
die Presse zu treten.
Wichtigstes Instrument der Kooperation ist jedoch die im
Jahr 2012 gegründete Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilien-
wirtschaft Deutschland (BID), die aus der Bundesvereinigung
Spitzenverbände der Immobilienwirtschaft (BSI) hervorgegangen
ist. Ihr Name ist Programm: Die BID will nicht etwa ein weiterer
Verband sein, sondern „nur“ eine Arbeitsgemeinschaft. Eine
durchaus erfolgreiche Zwischenbilanz zieht IVD-Präsident Jens-
Christian Hunziker, Berlin
Häufig klagen Branchenvertre-
ter darüber, dass die Interes-
senvertretung der Immobili-
enwirtschaft so zersplittert ist.
Doch zum Selbstmitleid besteht
wenig Grund, sagt PR-Spezi-
alist Matthias Freutel-Thoms:
Seiner Ansicht nach wird die
Immobilienbranche von der
Politik keineswegs weniger
wahrgenommen als andere
Wirtschaftszweige.
Herr Freutel-Thoms, warum ver-
fügt die Immobilienwirtschaft
nicht über den einen großen
Verband?
Eine Wohnungsgenos-
senschaft und ein börsennotiertes
Gewerbeimmobilienunternehmen
zum Beispiel haben nur weni-
ge Gemeinsamkeiten. Deshalb
bin ich skeptisch, ob sich diese
unterschiedlichen Interessen durch
eine Eier legende Wollmilchsau
abdecken lassen.
Es gibt aber auch in einzelnen
Bereichen der Immobilienwirt-
schaft – zum Beispiel bei Ver-
waltern und Maklern – mehrere
konkurrierende Verbände. Gibt
es zu viele?
Mitglieder müssen es
als Mehrwert empfinden, diesem
Verband anzugehören. Grund-
sätzlich bewegen sich Verbände
immer in einem Spannungsfeld:
Auf der einen Seite sollen sie
gemeinsame Interessen kompakt
vertreten, auf der anderen Seite
brauchen sie eine Mindestgröße,
um in der Öffentlichkeit Gehör zu
finden und ein kampagnenfähiges
Budget aufzuweisen. Insofern lässt
sich nicht pauschal sagen, dass es
zu viele Verbände gibt.
Müsste die Immobilienbranche
spektakulärere Aktionen durch-
führen, um stärker wahrge-
nommen zu werden?
Sie haben
ja Recht, dass die Branche sich
immer ein wenig unverstanden
fühlt. Aber ich bezweifle, dass
die Branche fundamental wirklich
weniger wahrgenommen wird als
andere Wirtschaftszweige. Im Bun-
destagswahlkampf war der Woh-
nungsmarkt ein dominierendes
Thema, und bei der Energiewende
wird der Gebäudebestand immer
mit diskutiert. Es ist also nicht so,
dass wir in Deutschland nie über
Immobilien reden. Mein Eindruck
ist, dass die Immobilienbranche
dazu neigt, sich schwächer zu
sehen, als sie in Wirklichkeit ist.
Aber ihre Situation ist nun mal
eine grundsätzlich andere als die
der oft als Vorbild genannten Au-
toindustrie. Dieser fällt es leichter,
ihre Interessen zu vertreten, weil
sie genau ein Produkt hat, nämlich
Plädoyer für punktuelle Zusammenarbeit
interview
mit Matthias Freutel-Thoms
Ulrich Kießling, der derzeit turnusgemäß den Vorsitz der BID
innehat: „Wir stellen sowohl in unserer Außenwirkung als auch
bei unserer internen Zusammenarbeit eine positive Entwicklung
fest.“ Als Beispiel dafür nennt Kießling das vomInWIS-Institut im
Auftrag der BID erstellte Gutachten zur Mietrechtsnovellierung,
das dazu beigetragen habe, Änderungen bei der Mietpreisbremse
durchzusetzen.
In der BID arbeiten siebenVerbände zusammen – neben ZIA,
BFW, GdW, DDIV, bsi und IVD auch der Verband deutscher
Pfandbriefbanken (VdP). Ganz ohne Reibereien geht das wohl
nicht ab: „Verbände leben davon, dass sie in der Öffentlichkeit
wahrgenommen werden“, sagt GdW-Präsident Gedaschko und
spricht von einem „Spannungsfeld“ zwischen BID und Einzel-
verbänden. Gemildert wird diese Spannung dadurch, dass laut
Jens-Ulrich Kießling bereits zu Beginn der Zusammenarbeit
festgelegt wurde, bei welchen Themen „sich für alle Verbände
Schnittmengen ergeben“.
Auffällig ist allerdings, dass die BID-Mitglieder großen Wert
darauf legen, dass die BID eben nicht die Rolle des einheitlichen
Spitzenverbands übernehme. Als „Austauschplattform“ bezeich-
net sie beispielsweise DDIV-GeschäftsführerMartin Kaßler. Und
auch Axel Gedaschko vom GdW erliegt nicht der Illusion, es
werde eines Tages den einen Spitzenverband der Immobilien-
wirtschaft geben: „Man kann zwar alles in eine Sauce rühren“,
betont er. „Aber davon wird die Sauce nicht besser.“ Sieht also
ganz so aus, als ob Florian Pronold und seine Politikerkollegen
auch künftig mit einer Vielzahl an immobilienwirtschaftlichen
Ansprechpartnern leben müssten.
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Foto: Ergo