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-8.2014
Bank zum Beispiel bereits heute die künf-
tigen hohen Kapitalanforderungen nach
Basel 3, die erst bis Ende 2018 sukzessive
eingeführt werden.
Wie wirkt sich die „neue Normalität“
an den Refinanzierungsmärkten für
Banken aus?
Die Refinanzierungssitu-
ation am Kapitalmarkt hat sich deutlich
entspannt – vorausgesetzt, man kann als
Emittent ein nachhaltig stabiles Geschäfts-
modell vorweisen. Wir haben jedenfalls
von der starken Nachfrage nach Pfand-
briefen und ungedeckten Papieren solider
Emittenten profitieren können und unsere
Refinanzierungsziele allesamt erreicht.
Wollen Sie Monopolist in der deutschen
gewerblichen Immobilienfinanzierung
werden?
Wir ruhen uns auf Erreichtem
nicht aus, wir heben aber auch nicht ab.
Wir folgen dem klaren Anspruch, ein
Marktführer zu sein, wenn es um die Lei-
stung für unsere Kunden, die Stabilität des
Geschäfts und die Qualität unseres Kredit-
portfolios geht. Größe ist dabei kein Wert
an sich. Zumal jetzt ist erst mal viel Arbeit
angesagt: Es wird in diesem Jahr eine un-
serer Kernaufgaben sein, die Einbindung
der Corealcredit Bank voranzutreiben.
Was sind Ihre Zielsetzungen für das
laufende Geschäftsjahr?
Wir sind zuver-
sichtlich, in dem grundsätzlich positiven,
aber mit politischen und konjunkturellen
Risiken behafteten Umfeld unsere gute
Geschäftsentwicklung auch im weiteren
Jahresverlauf fortsetzen zu können. Wir
sehen gute Chancen, imGesamtjahr 2014
inklusive eines einmaligen Zugangsge-
winns aus dem Erwerb der Corealcredit
Bank ein Konzernbetriebsergebnis in
Höhe von 370 bis 390 Millionen Euro zu
erzielen. Auch bereinigt um diesen Ein-
maleffekt dürfte das Konzernbetriebs-
ergebnis auf 220 bis 240 Millionen Euro
steigen. Die Eigenkapitalrendite vor Steu-
ern dürfte auf dieser Basis in einer Grö-
ßenordnung von neun Prozent liegen. Das
Neugeschäft im Segment Strukturierte
Immobilienfinanzierung dürfte inklusive
Prolongation bei 8 bis 9 Milliarden Euro
liegen. Für die Aareon Gruppe erwarten
wir ein im Vergleich zum Vorjahr leicht
steigendes Ergebnis vor Steuern von rund
28 Millionen Euro.
Ist Ihre Stimme eigentlich noch so
laut wie vorher gegen Unzulänglich-
keiten bei der Regulierung?
Die ist
auch weiterhin laut. Die großen Linien
des veränderten Regulationsregimes
sind mittlerweile klar, technische De-
tails bleiben aber noch offen. Die Ka-
pital- und Liquiditätsanforderungen an
Banken sind gestiegen – und sie werden
tendenziell weiter steigen. Das alles hat
massive Auswirkungen auf das Kredit-
geschäft, nicht nur in Bezug auf die zur
Verfügung stehenden Volumina, sondern
auch mit Blick auf die Konditionen: Um
weiterhin rentabel zu wirtschaften, müs-
sen Banken tendenziell höhere Margen
und niedrigere Beleihungsausläufe als
vor der Krise fordern. Das Problem ist
insbesondere: Nach wie vor hat noch nie-
mand die kumulativen Lasten all dieser
Regulierungsvorhaben für die Banken
sinnvoll umreißen können.
Hätten Sie denn etwas dagegen, wenn
sich der Markt der Banken konsolidierte
und Sie als großer Player übrig blieben?
Niemand hat etwas gegen eine vernünftige
Regulierung. Wir müssen aber aufpassen,
dass am Ende des Tages nicht internatio-
nal Regulierungsarbitrage stattfindet, weil
wir es versäumt haben, gleiche Vorausset-
zungen für alle zu schaffen. Das kann nie-
mand wollen.
Die Banken selbst stehen noch immer
amPranger. Warum?
Weil es leider häufig
an einer differenzierten Betrachtung fehlt.
Ich gebe zu, auch die deutsche Kreditwirt-
schaft war säulenübergreifend bislang
nicht in der Lage, zu vermitteln, dass die
unterschiedlichsten Bankentypen – von
einer Volksbank oder Sparkasse über ei-
nen Spezialanbieter wie die Aareal Bank
bis hin zur Groß- oder Investmentbank
– alle eine Daseinsberechtigung haben.
Zumal in einer international bedeutenden
Volkswirtschaft wie der deutschen.
Was tut die Aareal Bank gegen den
angeschlagenen Ruf der Banken?
Wir
konzentrieren uns auf unser ureigenes
Geschäft. Wir sind höchst bodenständig
– was man nicht zuletzt an unserem Ge-
schäftsmodell sieht:Wir finanzieren Beton
für Menschen und Unternehmen, die mit
demBeton leben. Das kommt auch amKa-
pitalmarkt an: Unser Pfandbrief liefert vie-
len Institutionen einen stabilen Anker für
die Altersversorgung. Unseren Investoren
liefern wir auf der Pfandbriefseite ein si-
cheres Investment. Unseren Aktionären
gegenüber haben wir niemals etwas be-
hauptet, was wir nicht eingehalten haben.
Ganz persönlich versuche ich außerdem
etwas differenzierter mit der Kritik der
Öffentlichkeit umzugehen. Ich akzeptiere
sie, wenn etwas nicht läuft. Aber ich ak-
zeptiere keine undifferenzierte Kritik.
zur person
Dr. Wolf Schumacher
FRICS ist Vorsitzender des Vorstands der Aareal Bank AG.
Er zeichnet verantwortlich für Unternehmenskommunikation, Investor Relations, Konzernentwicklung
sowie für die Themen Personal, Recht, Compliance, Revision und Operations.
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Dirk Labusch, Jörg Seifert, Freiburg
„Die mit der Umsetzung
verabschiedeter Finanz-
marktgesetze verbunde-
nen Implementierungsbe-
lastungen für die Banken
sind bereits jetzt erheb-
lich.“