Viele asiatische Investoren lernen derzeit
den deutschen Markt kennen. Im ersten
Anlauf starten sie häufig mit unrealis-
tischen Vorstellungen bezüglich Preis-
niveau sowie Ablauf des Akquisitions-
prozesses. Oft werden für Core-Objekte
Nettoanfangsrenditen von 5,5 bis 6,0
Prozent erwartet. Zudem ist die Reakti-
onsgeschwindigkeit bei der Teilnahme an
strukturierten Verkaufsprozessen nicht
hoch genug. Bei chinesischen Investoren
stellt der Genehmigungsvorbehalt der Re-
gierung eine Hürde dar.
Doch die „Lernkurve“ dieser Player
ist hoch. Vor allem Staatsfonds und Ver-
sicherungen arbeiten bei der Akquisition
oft mit Investmentmanagern zusammen,
die eine starke nationale Präsenz haben.
Zudem starten chinesische Private-
Equity-Fonds den deutschen Marktein-
tritt. Ihr Fokus liegt auf Städten, die über
Direktflugverbindungen nach China ver-
fügen, wie Frankfurt und München, teil-
weise auch Berlin. Diese Investoren bevor-
zugen Core- und Core-Plus-Investments
in Büro- oder Einzelhandelsimmobilien
mit einem Investitionsvolumen von 50 bis
100 Millionen Euro und agieren flexibel
und schnell.
So hat Colliers International beispiels-
weise kürzlich ein Private-Equity-Unter-
nehmen aus Hongkong, das erstmals auf
dem deutschen Markt agierte, beim An-
kauf von zwei Büroimmobilien in Frank-
furt beraten. Hier betrug der Zeitraum
vom Erstkontakt bis zum Abschluss nur
drei Monate.
«
Ulf Buhlemann
FRICS, Senior
Executive Invest-
ment, Colliers
International
Autor
D
ass asiatische Investoren zunehmend
außerhalb Asiens investieren wollen,
liegt am extrem hohen Preisniveau
auf den heimischen Märkten – zu Netto-
anfangsrenditen für Core-Büro-Objekte
von unter drei Prozent und für Top-Ein-
zelhandelsimmobilien von unter zwei Pro-
zent. Die Immobilienmärkte in Amerika,
Australien und Europa bieten dagegen
deutlich höhere Chancen. Unter diesem
Renditedruck haben viele asiatische Re-
gulierungsbehörden die Restriktionen für
Versicherungen und Staatsfonds für Di-
rektinvestitionen in Immobilien in Län-
der wie Deutschland deutlich gelockert.
Die erste Welle der Investitionen zielte
auf New York, Los Angeles, Sydney und
vor allem London. Doch seit diesem Jahr
prüfen asiatische Investoren – vor allem
Versicherungen – vorwiegend großvolu-
mige Immobilieninvestments inDeutsch-
land.
Die Investitionskriterien asiatischer
Versicherungsgesellschaften für Deutsch-
land sind individuell, lassen jedoch Ge-
meinsamkeiten feststellen: Gesucht wer-
den Core-Investments imBürosegment in
Frankfurt, München, Berlin, Düsseldorf
undHamburg ab 100Millionen Euro (sie-
he auch Seite 20). Die Nachfrage nach In-
vestitionen in B-Städte oder in geringere
Volumina ist nicht feststellbar. Für viele
Investoren ist zudem die Erreichbarkeit
der Städte per Direktflug ein wichtiges
Kriterium. Weiterhin spielt bei chine-
sischen Investoren die Größe der jewei-
ligen chinesischen Community eine Rolle.
Kurs auf Deutschland
Bislang investieren asia-
tische Investoren noch sehr
verhalten in Europa und
in Deutschland. Das wird
sich in den nächsten ein
bis zwei Jahren ändern.
Eine deutliche Steigerung
des Volumens ist abzusehen.
Foto: Corbis
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