Seite 14 - Immobilienwirtschaft_2014_07-08

Basic HTML-Version

14
Markt & Politik
i
interview
i
verbandsinformation
Haben Sie sich so einen zeitlichen Rah-
men gesetzt?
Wir sind dieses Frühjahr
gestartet und wollen etwa in einem Jahr
erste Ergebnisse vorlegen.
Haben Sie den Eindruck, dass Entwick-
ler und Stadtmitarbeiter immer noch
verschiedene Sprachen sprechen?
Ich
glaube, dass da oft mehr Verständnis da
ist, als zugegeben wird. Die Projektent-
wickler merken zwischenzeitlich ganz
gut, wie schwierig es für die Verwaltung
ist, mit dem politischen Willensbildungs-
prozess umzugehen. Wenn sich der poli-
tische Wind dreht, kann man das oft nur
begrenzt auffangen. Umgekehrt kennen
wir schon die Restriktionen von Projekt-
entwicklern. Ich denke, es ist vor allem
wichtig, die Ziele und Abhängigkeiten
der jeweils anderen Seite zu kennen, dann
wird es im Umgang wesentlich einfacher.
Wenn Sie die Möglichkeit hätten, eine
neue Stadt auf demReißbrett zu bauen,
worauf würden Sie besonders achten?
Es ist als Europäer schwer, sich diese Fra-
ge in der Form zu stellen. Weil es für jeden
einfach zwingend ist, die jeweilige Stadt
weiterzubauen und nicht neu zu bauen.
Wir werden keine Idealstadt für Hundert-
tausende Menschen auf die grüne Wiese
setzen. Weil es so große grüne Wiesen in
Mitteleuropa gar nicht mehr gibt. Unser
Thema ist hier undheute einneuer Stadtteil.
Dann ändere ich die Frage ab: Wie muss
man einen neuen Stadtteil bauen?
Ich
sehe einen neuen Stadtteil als eine kleine
Stadt in der Stadt, die viele Funktionen der
großen Stadt mitnutzt, aber ein Stück weit
auch autark ist.Wir haben jetzt erst einmal
zwei gute Beispiele, auf denen wir aufbau-
en können, das Rieselfeld und Vauban …
Was haben Sie aus diesen Projekten
gelernt?
Wichtig ist, dass eine Stadtteil-
entwicklung gesamtheitlich betrachtet
wird und neben baulichen Aspekten im-
mer auch eine soziale Komponente haben
muss. Und damit meine ich nicht nur den
sozialenWohnungsbau. Ichmuss mir von
Anfang an darüber Gedanken machen,
soziale Infrastruktur in so einen Stadtteil
zu bringen, Freiräume und Treffpunkte
anzubieten, teilweise auch private In-
frastruktur dahin zu bringen, also Ein-
kaufsmöglichkeiten, Märkte, sodass ich
nicht den Stadtteil ständig verlassen
muss, weil es dort weder einen sozialen
Treffpunkt, eine Schule noch eine Mög-
lichkeit zumEinkaufen gibt. Es muss sich
vielmehr dieses Stadtteilgefühl entwi-
ckeln …
Was ist noch wichtig?
Ganz wichtig ist
dasThema Verkehr. Manmuss amAnfang
gute Infrastruktur bringen, zum Beispiel
die Straßenbahn, sodass die Bewohne-
rinnen und Bewohner erst gar nicht das
Auto nutzen wollen. Und es ist gut, Ver-
eine einzubinden, die zu dem Stadtteille-
ben beitragen.
Im Vauban und im Rieselfeld fällt die
kleinteilige Struktur auf. Es wurden
keine ganzen Blöcke an einzelne In-
vestoren gegeben. Ist das ein Modell
für die Zukunft?
Ja, auch das ist mir sehr
wichtig. Wir haben es in beiden Stadttei-
len geschafft, auch private Bauherren zu
mobilisieren und auch sehr kleinteilig
zu vermarkten. Es gibt keine Einheits-
architektur, sondern eine Vielfalt von
Bauherren, von Architekten, auch von
Wohnkonzepten. Es gibtMietwohnungen,
Eigentumswohnungen, geförderten und
nicht geförderten Wohnungsbau. Gerade
diese Mischung macht den Charme der
beiden Stadtteile aus. Und den wollen wir
in dem neuen Stadtteil, den wir planen,
auch wieder schaffen. Nach meiner Vor-
stellung sollte sich die Vielfalt der Stadt
auch im Stadtteil zeigen.
«
Dirk Labusch, Freiburg
Viele wollen mitsprechen beim Umbau des Platzes der Alten Synagoge, Freiburg.
Foto: Stadt Freiburg i. Br. Garten- und Tiefbauamt