13
-8.2014
sive Bürgerbeteiligung passt dazu. Aber
auch in anderen Städten ist es vor allem
die akademische Schicht, die Mitsprache
einfordert.
Ihnen wird von den lokalen Medien oft
genug vorgeworfen, dass es zu wenig
Bürgerbeteiligung gibt …
Ja, das muss ja
auch so sein. Die lokalen Medien nehmen
damit ihre Rolle ein. Wenn man die „Ba-
dische Zeitung“ aufschlägt, könnte man
anmanchen Tagenmeinen, in Freiburg sei
alles ganz furchtbar. Umgekehrt wird der
„Badischen Zeitung“ von Bürgergruppen
vorgehalten, die Situation in Freiburg wer-
de schöngeschrieben. Und das ist ja nicht
nur bei besonders umstrittenen Themen
wie dem Stadion so, sondern auch bei
allen anderen baulichen Entwicklungen.
Die Bürgerinitiativen sind sehr stark,
ist das für Sie ein Problem?
Nein, aber
die Frage ist, wie wir als Stadtverwaltung
mit den vielen Meinungen und der An-
spruchshaltung der Initiativen nach Ant-
wort auf deren Fragen und Anregungen
in jeder Phase des Planungsprozesses
umgehen. Das ist für uns auch eine Kapa-
zitätsfrage, wir haben gar nicht die Leute,
um ständig zu schauen, was jetzt gerade
wieder wie gechattet wird. Aber früher ha-
ben wir auch nicht an jedem Stammtisch
gesessen und zugehört.
Sie haben einen Perspektivplan für Frei-
burg angekündigt. Was ist darunter zu
verstehen?
Seit ich hier bin, versuche ich,
die Stadtentwicklung ein Stück weit mehr
auf rationale Beine zu stellen, auch auf
übergeordnete Planungen abzustützen.
Der Perspektivplan soll eine Art Dichte-
und Strukturplan für die ganze Stadt wer-
den. Wir brauchen das, weil wir Antwor-
ten auf Fragen benötigen: Zum Beispiel:
Wo kann man von den Stadtstrukturen
her noch Innenentwicklungs-Potenziale
sehen? Wo können wir Quartiere noch
verdichten, bei gleichzeitigem Erhalt der
Qualität? Der Plan soll auch helfen, unsere
Stadtentwicklungsstrategie besser erklä-
ren zu können, und so ist das ein Stück
weit auch ein pädagogisches Projekt.
zur person
Prof. Dr.-Ing. Martin Haag
promovierte 1996 zum Thema „Notwendiger Autoverkehr in der Stadt“.
Er kam 1995 zur Stadt Freiburg i. Br. als Leiter der Generellen Planung ÖPNV beim Tiefbauamt, dessen Leiter er ab dem Jahr
2000 wurde. Von 2007 bis 2010 war er Lehrstuhlinhaber und Leiter des Instituts für Mobilität & Verkehr (imove) an der
TU Kaiserslautern. Seit dem 01.01.2011 ist Martin Haag Baubürgermeister der Stadt Freiburg i. Br.
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„Wir sind noch ein Stück
weit unsicher, wie wir
mit dem Thema Bürger-
beteiligung in Zukunft
umgehen wollen.“
Foto: Stadt Freiburg i. Br.