Seite 67 - Immobilienwirtschaft_2014_06

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6.2014
Schecks), ein Firmen-Ticket für öffent-
liche Verkehrsmittel, Benzin-Geld und
die Beteiligung an den Kindergarten-
Gebühren. „Bei Berufseinsteigern spielt
außerdem der Dienstwagen häufig eine
Rolle, gerade bei Männern. Er ist ein Sta-
tussymbol, auf das sie großenWert legen“,
sagt Mario Bacher, Partner bei der Ernst
& Young Real Estate GmbH in Frankfurt
am Main, der hohen Bedarf an Bauinge-
nieuren hat: „Viele Baufirmen können sie
damit ködern, aber nicht lange halten. Bei
EY stehen hingegen interessante Aufgaben
imVordergrund, die auchmal imAusland
zu erledigen sind. In der Bahn können wir
erster Klasse reisen, und wir übernachten
in Businesshotels. Geld spielt bei den
jungen Leuten eine eher untergeordnete
Rolle. Sie schätzen vor allem unsere of-
fene Kommunikationskultur und die hohe
Transparenz.“
Ähnlich sieht das Izabela Danner,
Head of Human Resources Germany bei
Jones Lang LaSalle: „Die Bindung eines
Mitarbeiters beginnt mit einer guten Füh-
rung. Mitarbeiter kommen wegen der gu-
ten Unternehmenskultur und gehen we-
gen des schlechten Teamleaders. Unsere
erste Priorität liegt deshalb darin, die Füh-
rungskräfte zu schulen, damit sie unsere
Mitarbeiter motivieren, ihre Leistungen
anerkennen und sie gezielt fördern.“
ENTWICKLUNGSCHANCEN FEHLEN OFT
En-
orm wichtig seien für die Mitarbeiter
der Immobilienbranche Entwicklungs-
möglichkeiten und Perspektiven: „Viele
sind zum Wechsel bereit, wenn sie das
Gefühl haben, sich nicht entwickeln zu
können“, sagt Schneble: „Dabei geht es
ihnen nicht wirklich um Führungskarrie-
ren. Die meisten sind zufrieden, wenn sie
neue Bereiche kennenlernen können, an
wichtigen Projektenmitarbeiten, an ihren
Aufgaben wachsen, auch mal Projektver-
antwortung übernehmen dürfen. Wer das
seinen Mitarbeitern bieten kann, hat gute
Chancen, sie langfristig zu binden.“ Das
kann Izabela Danner nur bestätigen: „Ho-
rizontale Fachkarrieren sind der Trend in
der Immobilienbranche und ein gutes
Bindemittel für Personal.“
Ein Patentrezept, um Leistungsträger
langfristig an ihre Immobilienfirma zu
binden, gibt es jedoch nicht. Das Paket an
Maßnahmen muss zum jeweiligen Un-
ternehmen passen. Schließlich ist nicht
jedem mit einem Betriebskindergarten
gedient. „Wir befragen jährlich unsere
Mitarbeiter anonym nach ihrer Arbeits-
zufriedenheit und ihren Bedürfnissen. Die
wirklichen Motivatoren sind für sie span-
nende Aufgaben, angenehmes Arbeitskli-
ma und Entwicklungsmöglichkeiten im
Unternehmen. Diese Themen bearbeiten
wir seit Jahren und auch messbar erfolg-
reich: Die Fluktuation sinkt und uns sind
viele interne Beförderungen möglich“, er-
zählt Patrizia-Personalleiter Peter Jaksch:
„Außerdem haben wir flexible Arbeits-
zeitmodelle und Vertrauensarbeitszeit im
Unternehmen, bieten mobile Massagen,
aktive Pausen, verbilligte Fitnessclub-
Mitgliedschaften und Grippeschutzimp-
fungen, bezahlen Kindergartenzuschüsse
undGruppenunfallversicherungen, haben
immer kostenlos Äpfel, Kaffee und Tee
parat, organisieren Mitarbeitertage und
Netzwerkveranstaltungen.“
Allgemein sei anzumerken, dass die
Vereinbarkeit von Familie und Beruf für
die Mitarbeiter eine immer größere Rol-
le spielt, berichtet Mario Bacher, Partner
bei der Ernst & Young Real Estate GmbH:
„Auch jungenMännernwird dieser Punkt
immer wichtiger.“ CBRE-Personalleiterin
Jacobé Gölzmerkt an: „Der Jobmuss Spaß
machen und von flexiblen und entlasten-
den Rahmenbedingungen begleitet wer-
den, wie Flexibilität in Arbeitszeit undOrt
(Homeoffice), Möglichkeit für Auszeiten
(Elternzeit, Sabbaticals), Angebote für fa-
milienunterstützende Dienstleistungen,
externe Beratung in Problemsituationen,
betriebliches Gesundheitsmanagement.“
Wer sich als Chef für seine Mitarbei-
ter um individuelle Lösungen bemüht,
ihnen eine persönliche Entwicklung und
Weiterbildung ermöglicht und bereit ist,
an seinem Führungsverhalten zu arbeiten
und eine offene Kommunikationskultur
einzuführen, wird langfristig seine Fluk-
tuationsquote senken können, sagt Per-
sonalberater Thomas Flohr. Und sollte
der Mitarbeiter trotz aller Bemühungen
kündigen, empfiehlt es sich, ihn unbedingt
nach denGründen zu fragen – und daraus
Konsequenzen zu ziehen.
SUMMARY
»
Eine Fluktuation
der Mitarbeiter von über 15 Prozent ist der Feind der Immobilienunternehmen.
»
Finanzielle Anreize
spielen bei der Mitarbeiterbindung eher eine untergeordnete Rolle.
»
Ködern lassen
sich die Angestellten mit einem guten Führungsstil,
individuellen Lösungen, guten Entwicklungsmöglichkeiten und mit Angeboten jenseits der eigentlichen Arbeit.
«
Irene Winter, Berlin
Angebote jenseits einer
Gehaltserhöhung bringen
Mitarbeiter dazu, dem Unter-
nehmen treu zu bleiben.