63
6.2014
häufig mehr erreicht wird als zunächst
angenommen, während sehr hochpreisi-
ge und umfassende Revitalisierungen im
Betrieb die Erwartungen oftmals nicht
erfüllen. Ein Grund: Das Nutzerverhal-
ten und die Komfortansprüche ändern
sich nach Abschluss der Sanierungs-
maßnahmen.
›
Soweit sichMaßnahmen„nicht rechnen“,
sollen Fördermittel die Wirtschaftlich-
keitslücke schließen. Auffällig ist, dass
die bereitgestellten Fördermittel (etwa
der KfW) nicht ausgeschöpft werden.
POTENZIALE BLEIBEN UNGENUTZT
Das oben
angeführte Zusammenwirken einzelner
Maßnahmen gilt in besonderem Maße
für Nichtwohngebäude. Für den ener-
getisch sinnvollen Einsatz beispielswei-
se einer Geothermieanlage zum Heizen
und Kühlen sind gleichzeitig Flächenhei-
zungen mit niedriger Vorlauftemperatur
oder Flächenkühlungen mit einer nicht
stark heruntergekühlten Kaltwassertem-
peratur erforderlich, um das energetische
Potenzial voll auszuschöpfen. Solche über-
greifenden Konzepte werden in der Pra-
xis – teilweise aus Unwissenheit – nicht
verfolgt. Häufig sind nicht alle betroffenen
Komponenten des alten Systems gleichzei-
tig abgängig, sodass von vorneherein das
Potenzial einer umfassenden Effizienzstei-
gerung nicht gesehen wird. Eine energe-
tische Effizienzsteigerung der Haustech-
nik ist nicht nur mit dem Austausch von
Komponenten oder durch eine komplette
Sanierung möglich. In der Praxis lässt
sich insbesondere die Regelung der vor-
handenen haustechnischen Anlagen op-
timieren. Dies ist umso effektiver, wenn
gleichzeitig die Neuverhandlung der Ener-
giebeschaffung kombiniert werden kann.
Hier sind beispielsweise die vorgehaltenen
Anschlusswerte für Strom oder Gas und
vor allem für Fernwärme von erheblichem
Einfluss auf die Energiekosten.
BESSERE ZUSAMMENARBEIT
Idealerweise
arbeiten Experten für die Verhandlung der
Verträge, diemeist einen juristischenHin-
tergrund haben, mit den Ingenieuren der
technischen Gebäudeausrüstung zusam-
men. Dass eine solche Zusammenarbeit
gar nicht stattfindet, ist noch die gängige
Praxis. Wenn es jedoch zu einer produk-
tiven Zusammenarbeit kommt, lassen sich
erhebliche Einsparpotenziale realisieren.
Leider gibt es bisher nur wenige Dienst-
leister, die eine solche integrale Beratung
anbieten.
Trotz jahrelanger Informationskam-
pagnen und Änderungen der rechtlichen
Rahmenbedingungen konnten die be-
schriebenen Hemmnisse bisher nicht in
einem Maße reduziert werden, welches
die Sanierungsquote deutlich ansteigen
lässt. Es bedarf offenkundig weiterer und
stärkerer Impulse, um die energie- und
klimapolitischen Ziele zu erreichen. Die
bisherigen Erfahrungen scheinen leider
zu belegen, dass Einzelmaßnahmen nicht
zielführend sind. Nötig sind abgestimmte
Gesamtkonzepte – gesetzliche Vorgaben,
Information und individuelle Beratung
eines leicht überschaubaren und praxis-
tauglichen Förderregimes – um etwa die
erkannte Investor-Mieter-Konstellation
aufzulösen.
SUMMARY
»
Die Erfahrungen
scheinen zu belegen, dass Einzelmaßnahmen bei Sanierungen nicht zielführend sind.
»
Das Zusammen-
wirken verschiedener Maßnahmen
gilt in besonderem Maße für Nichtwohngebäude.
»
Es bedarf daher abgestimmter Gesamtkonzepte
–
gesetzlicher Vorgaben, Information und individueller Beratung, eines leicht überschaubaren und praxistauglichen Förderregimes und weiterer
Schritte – um etwa die Investor-Mieter-Konstellation aufzulösen.
«
Werner Dorß, Rechtsanwalt, Frankfurt am Main;
Dr. Till Pasquay, HTES, Berlin
Beispiel 3 (rechts): Im derzeit
in Sanierung befindlichen Hoch-
haus der Deutschen Renten-
versicherung am Hohenzollern-
damm in Berlin.
Beispiel 2 (links): In selbst-
genutzter Wohnimmobilie aus
den 1920er Jahren.
Wo Sanierung gelingen kann
(oben): In denkmalgeschütz-
tem Wohnraum aus der
Gründerzeit.