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6.2014
„INTERNET DER DINGE“
Ein derart klares Bekenntnis zur Koope-
ration mit Nest und damit Google ist bei deutschen Unterneh-
men die große Ausnahme. Grundsätzlich allerdings drängen auch
andere Konzerne mit Macht in den Bereich des Smart Home.
„Wir beleben geradezu die Technik, wir bringen sie mit unseren
Sensoren zum Fühlen, über das Internet der Dinge und Dienste
zum Sprechen“, schwärmte Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender
der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, auf der Bilanz-
Pressekonferenz Ende April: „Autos, Hausgeräte, Maschinen – all
dies wird noch sensitiver, intelligenter und kommunikativer.“
Doch damit stellen sich neue Fragen – insbesondere in Bezug
auf den Schutz der Privatsphäre und die Sicherheit persönlicher
Daten. „Eine Bitkom-Befragung hat gezeigt, dass 54 Prozent der
Verbraucher durch Smart-Home-Lösungen eine Ausspähung
der eigenen Lebensweise befürchten“, berichtet Tobias Arns vom
Branchenverband Bitkom. Von „ernsthaften und nicht gänzlich
unberechtigten Bedenken in Bezug auf den Datenschutz“ spricht
auch Christian Rahbari vom Rauchmelderspezialisten Pyrexx.
„Die Automatisierung der Haustechnik“, betont Rahbari, „darf
nicht dazu führen, dass der Nutzer solcher Technologien zum
gläsernen Menschen wird.“
Umdas zu verhindern, setzten Smart-Home-Anbieter zusam-
menmit Fachbetrieben auf „hohe Sicherheits- und Datenschutz-
Standards“, erklärt Dr.Thomas Finke von der BoschThermotech-
nik GmbH. Und Friedemann Kuppler von der Kalo-Gruppe gibt
zu bedenken: „Temperaturmessungen in Wohnräumen und das
Erstellen von Profilen, wie von Google mit seinem Rauchmelder
geplant, sind eine sehr sensible Angelegenheit. Den Wohnungs-
nutzern ist es nicht egal, dass ihre Nutzungsgewohnheiten, was
Wasserverbrauch und Heizung angeht, sowie Urlaubsabwesen-
heiten anderweitig verwertet werden können.“
„WIR HABEN ANGST VOR GOOGLE“
Genau diese Auswertung sen-
sibler Daten aber, so die Befürchtung von Fachleuten, könnte
die eigentliche Motivation für Google gewesen sein, Nest Labs
zu übernehmen.
In den letzten Wochen haben sich jedenfalls die Stimmen
gemehrt, die in der Akquisition von Nest Labs ein Indiz für den
unermesslichenDatenhunger des Internetgiganten sehen. Beson-
ders kritisch äußern sich ausgerechnet Fachleute, denen niemand
Internet- und Technikfeindlichkeit vorwerfen kann. „Angenom-
men, Google wird zum erfolgreichen Hardware-Hersteller, der
nicht nur Smartphones, Notebooks und Tablets baut, sondern
auch Alltagsgeräte aller Art: Gibt es irgendjemanden, den die
damit verbundenen verknüpfbarenDatenmassen nicht einwenig
unruhig machen?“, fragt Jan-Keno Janssen, Autor bei den Com-
putermagazinen „c´t“ und „heise online“.
„SeitdemGoogle Nest gekauft hat, weißGoogle noch genauer,
was die Bürger in den eigenen vierWänden tun“, schreibt in einem
Gastbeitrag für die „FAZ“ Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzen-
der des Axel Springer Verlags. Und er bekennt: „Wir haben Angst
vor Google.“ Auch Robert M. Maier, Gründer des Internetunter-
nehmens Visual Meta GmbH, kritisiert die „unglaublicheMacht-
fülle“ von Google.
Die Verantwortlichen von Google und Nest Labs tun wenig,
umdiese Bedenken zu zerstreuen. Schon 2010 sagte Google-CEO
Eric Schmidt: „Wir wissen, wo du bist. Wir wissen, wo du warst.
Wir können mehr oder weniger wissen, was du gerade denkst.“
Ganz ähnlich äußerte sich Nest-Gründer Tony Fadell zu Beginn
dieses Jahres in einem Interview mit „Spiegel Online“: „Wir wis-
sen, wann Sie zu Hause sind, wann Sie weg sind. Diese Daten
können uns helfen, vorherzusagen, wann Sie da sein werden,
wann wir die Temperatur herauf- oder herabsetzen können.“
»
Quelle: 2014 Fittkau & Maaß Consulting
Smart-Home-Technologien:
Wofür Nutzer sich besonders interessieren
Heizung regeln
50,7%
Fenster/Jalousien öffnen/schließen
44,1%
Beleuchtung ein-/ausschalten
36,1%
HAUSTECHNIK FERNSTEUERN
Kühlschrankinhalte automatisch nachbestellen
18,7%
Fernseher via Internet nutzen/programmieren
18,6%
Druckerpatronen automatisch nachbestellen
15,4%
GERÄTE STEUERN
Pflanzen via Internet-Fernsteuerung gießen
14,5%
Babyfon via Internet nutzen
13,3%
Haustiere via Internetsteuerung füttern
7,2%
PFLANZEN/TIERE/KINDER BETREUEN
KEIN INTERESSE
22,3%