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6.2014
Immerhin habe der IVD bereits erreicht,
dass die zeitliche Befristung bei Moderni-
sierungsmieterhöhungen vertagt worden
sei, betont Osthus.
Vielen Maklern ist das offenbar nicht
genug. Sie fordern, der IVD solle seine Po-
sitionen stärker in der Öffentlichkeit ver-
treten. Dazu bekommt der Verband in der
Tat wenig Gelegenheit. Während andere
Interessensvertreter als Talkshow-Hopper
von Sender zu Sender hetzen, schaffte es
IVD-Vizepräsident JürgenMichael Schick
erst, aber immerhin, zum zweiten Mal in
eine Talkshow. Bei Günther Jauch (Thema
„Luxusgut Wohnen“) machte Schick zwar
einen guten Eindruck. Die eigentlichen
Probleme der Makler kamen aber auch
dort nur am Rande zur Sprache.
MEHR KAMPF FÜR DIE SACHE
Ein weiterer
Vorwurf lautet: Es werde zu selten ver-
sucht, schon im Vorfeld von politischen
Entscheidungen Einfluss zu nehmen.
„Der IVD ist in Teilen behördenhörig“,
kritisiert Harald Blumenauer. Zu häufig
würde der Verband einfach die politische
Meinung übernehmen, so sein Eindruck.
Der streitbare Frankfurter Makler, der im-
mer wieder durch unkonventionelle Ideen
in der Branche aneckt, wünscht sich einen
stärkerenKampf für die Sache undweniger
Appelle. So seien Dinge wie das Geldwä-
schegesetz, die Widerrufsbelehrung im
Fernabsatzgesetz von Verbandsseite nicht
hart und früh genug angegangen worden,
bemängelt er. Auch die Verbraucher wür-
den nicht genug über die Auswirkungen
aufgeklärt. Blumenauers Meinung nach
sollte der IVD zudem weniger die Mak-
ler verteidigen, sondern in der Öffent-
lichkeitsarbeit mehr auf die Verbraucher
zugehen. So ließe sich mehr Verständnis
für die Arbeit der Makler erreichen als
nur durch eine „Dagegen-Haltung“. Als
Schritt in diese Richtung mag aber im-
merhin der Talkshow-Auftritt von IVD-
Vizepräsident Michael Schick bei Günther
Jauch bezeichnet werden, in dem er, nach
Meinung vieler, durchaus Sympathien für
seine Branche wecken konnte.
In der Vergangenheit hat der IVD
durchaus daran gearbeitet, seine Schlag-
kraft zu erhöhen. 2004 hatte sich trotz
interner Widerstände der Verband aus
dem Zusammenschluss des Rings Deut-
scher Makler (RDM) und des Verbands
Deutscher Makler (VDM) gebildet. Heute
vertritt der IVD rund 6.000 Mitgliedsun-
ternehmen. Drei Verbandsvertreter davon
sind beim Deutschen Bundestag als Lob-
byisten registriert.
VERTRETER EINER MINDERHEIT
Für einige
Insider gibt es trotzdem ein Problem: Der
Verband vertrete die Interessen einerMin-
derheit und werde deswegen kaum ernst
genommen. „Es war ein Fehler des IVD,
sich einseitig als Interessensvertretung der
Immobilienmakler zu positionieren“, mo-
niert ein IVD-Mitglied. Die Berufsgruppe
genieße in vielen Teilen der Bevölkerung
kein besonders hohes Ansehen. Und die
Tatsache, dass der IVD auch Verband
für Verwalter und Sachverständige sein
wolle, werde kaum zur Kenntnis genom-
men. Das mache es für Politiker schwerer,
seinen Forderungen nachzugeben. „Nie-
mand will über sich in der Zeitung lesen,
er habe sich zum Schutze der Makler ein-
gesetzt“, so das IVD-Mitglied.
Aber: Nicht nur der IVD, auch andere
Verbände der Immobilienwirtschafthaben
es schwer, sichmit ihren Positionen in der
Politik durchzusetzen. Mieterfreundliche
Gesetze verkaufen sich einfach besser.
SUMMARY
»
Die Maklerschaft
zeigt Unmut über die Lobbyarbeit ihres Verbands IVD.
»
Kritisiert werden
mangelnde Präsenz und
Einflussnahme in Berlin und Brüssel.
»
Ursache
dafür war wohl eine zu starke Bindung an die nun in der Bedeutungslosigkeit verschwundene FDP.
»
Die Ausweitung
des Verbands auf Immobilienverwalter und Sachverständige ist noch nicht wirklich gelungen.
Foto: Mario Savoia/shutterstock.com
«
Alexander Heintze, München
Um in Berlin erfolg-
reich Lobbyarbeit
leisten zu können,
ist eine Präsenz
erforderlich, die der
IVD offensichtlich
derzeit nicht zeigen
kann.