38 Finanzen, Markt + Management
06 | 2012
Neuer Chef, neuer Firmenname, neu-
er Geschäftsbericht, neues Firmenlogo,
neue Ertragskennzahl. Da behaupte noch
jemand, ein ehemaliger Politiker an der
Konzernspitze sei in erster Linie zum Re-
präsentieren da. Roland Koch jedenfalls,
früher Ministerpräsident von Hessen,
modelt die schon unter Vorgänger Her-
bert Bodner vom Bau- zum Dienstleis-
tungskonzern mutierte Bilfinger Berger
SE seit Beginn seiner Regentschaft im
vorigen Jahr kräftig um.
Der Zusatz Berger im Firmennamen
ist verschwunden, der Geschäftsbericht
hat die Ausmaße eines mittelgroßen Ka-
lenders angenommen, und auch an De-
tails wird gefeilt: Statt EBIT, wie in den
vergangenen Jahren, soll vom Geschäfts-
jahr 2012 an EBITA als eine von mehre-
ren Kennzahlen die Ertragsstärkemessen.
Im ersten Fall geht es um den Gewinn
vor Zinsen und Steuern, im zweiten Fall
zusätzlich auch vor Abschreibungen auf
Firmenwerte. Zweck der Übung: Was der
Konzern operativ, also ohne außeror-
dentliche Einflüsse, wirklich erwirtschaf-
tet, soll besser zum Ausdruck kommen.
Die EBITA-Ziele sind ehrgeizig. So
soll der absolute Betrag von 397 Millio-
nen Euro im vergangenen Jahr auf 700
Chef-Koch
mit ehrgeizigen Plänen
Bilfinger.
Der einstige Baukonzern ist zum international ausgerichteten Dienstleister
geworden. Gelingt es dem 2011 angetretenen Vorstandschef Roland Koch, seine
Renditeziele zu erreichen, ist Bilfinger noch für so manche Überraschung gut.
übrig, wenn das Baugeschäft mal wieder
florierte und entsprechend hohe Prei-
se durchgesetzt werden konnten. Diese
Zeiten sind längst vorbei. Der einstige
Branchenerste Holzmann ging pleite,
Hochtief, Bilfinger und weitere einstige
Baugrößen verlegten sich zunehmend
auf Dienstleistungen. Das Geschäft ist
branchenübergreifend und international
geworden. Heute konkurriert Bilfinger
mit Siemens, Dussmann, Wisag, Alstom,
Jones Lang LaSalle und vielen anderen
Unternehmen jenseits des Bausektors.
Baugeschäft nicht aufgeben
Was allerdings nicht heißen soll, dass der
Konzern das Baugeschäft aufzugeben ge-
denkt. Er will es rentabler machen, wie
das ehrgeizige Ziel von über vier Pro-
zent Rendite im Jahr 2016 und damit
praktisch eine Verdoppelung gegenüber
Millionen Euro schon im Jahr 2016 stei-
gen, entsprechend dem Anstieg der EBI-
TA-Marge (Rendite im Verhältnis zum
Umsatz) von 4,7 auf 6 Prozent.
Hinter den trockenen Zahlen steckt
der Plan, die Rendite der größten Kon-
zernsparte (Dienstleistungen für Indus-
trieanlagen) von 5,1 Prozent 2011 auf 6
bis 6,5 Prozent 2016 zu hieven, die der
zweitgrößten (Immobiliendienste) von
4,2 auf 4,5 bis 5 Prozent und die der
drittgrößten (Bau) von 2,1 auf über 4
Prozent. Sparte Nummer vier (Dienst-
leistungen für Kraftwerke) arbeitet mit
einer Marge von 8,3 Prozent 2011 und
bis 2016 geplanten 9 bis 9,5 Prozent zwar
am rentabelsten, bringt es aber erst auf
ein Volumen von etwa der Hälfte der Im-
mobilien- und einem guten Drittel der
Industrieanlagendienste.
Früher, als die Vorgängerfirmen von
Bilfinger so sperrige Namen trugen wie
Julius Berger-Bauboag oder Grün &
Bilfinger, repräsentierten sie Bauunter-
nehmen, die mit ehrgeizigen Projekten
wie dem Olympiastadion in München
oder dem Elbtunnel in Hamburg zwar
für prestigeträchtige Bauten mitverant-
wortlich zeichneten, aber unter dem
Strich blieb nur dann genug Rendite
Auf einen Blick
Unter dem neuen Vorstandschef Roland
›
Koch soll die Rendite des Bilfinger-Kon-
zerns kräftig wachsen.
Bilfinger wird sich zukünftig auf Dienstleis-
›
tungen konzentrieren, das Baugeschäft soll
aber trotzdem nicht aufgegeben werden.
Am spannendsten an der Neuformierung
›
ist die Beteiligung von Cevian Capital aus
Schweden mit gut 15 Prozent. Dazu nimmt
Koch nur ungern öffentlich Stellung.
Manfred Gburek, Frankfurt am Main
„Der Zusatz Berger im Firmennamen ist verschwunden, der
Geschäftsbericht hat die Ausmaße eines mittelgroßen Kalenders
angenommen, und auch an den Details wird gefeilt.“