Seite 69 - Immobilienwirtschaft_2011_02

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wohner tagesaktuelle Einblicke in ihren
individuellen Verbrauch erhalten.
Diskrepanzen erkennen
Wenn sich abzeichnet, dass die Ener-
giekosten in einer Wohnanlage deutlich
höher sind als in einer anderen, lohnt
sich ein genauerer Blick. Wichtig ist,
dass für jede Liegenschaft ein Fahrplan
für energetische Maßnahmen erstellt
wird, in dem das wirtschaftlich Mach-
bare mit dem technisch Sinnvollen op-
timal verknüpft wird. Es muss nicht alles
auf einmal gemacht werden, solange die
Maßnahmen aufeinander abgestimmt
sind. Am besten geeignet ist dafür ein
qualifizierter Energieberater, der beim
Bundesamt für Wirtschaft und Aus-
Gebäudes klar ist, muss sich der Ver-
walter mit dem Energieberater berat-
schlagen, wie die Eigentümerstruktur in
der Wohnanlage beschaffen ist. Nur so
können die energetischen Maßnahmen
ermittelt werden, die von den Eigentü-
mern auch akzeptiert werden. In einer
großen Eigentümergemeinschaft in der
Nähe von Stuttgart hatte der Verwalter
jahrelang mit der Ablehnung einzelner
Bewohner zu kämpfen. Es war beschlos-
sen worden, ein Blockheizkraftwerk zu
installieren, das gleichzeitig Wärme und
Strom erzeugt. Die Maßnahme amorti-
siert sich in der Regel recht schnell, weil
der produzierte Strom zum Festpreis in
das Netz des Energieversorgers einge-
speist werden kann. Einige ängstliche
Eigentümer spielten nicht mit. Die Fol-
ge war, dass der produzierte Strom fast
zwei Jahre lang nicht eingespeist werden
konnte. Die Gemeinschaft verlor Zehn-
tausende Euro.
Hülle oder Heizung?
Soll zuerst die Heizung oder die Ge-
bäudehülle modernisiert werden, wenn
beides gleichzeitig finanziell nicht geht?
Die Dämmstoffindustrie empfiehlt er-
wartungsgemäß: „Zuerst die Fassade
dämmen“. „Die Fenster austauschen“,
sagt die Fensterindustrie. „Alles falsch,
bitte die Heizanlage erneuern“ raten die
Heiztechnikhersteller. „Ja was denn nun“
denkt sich da der frustrierte Verwalter.
Auch hier gilt: Ein Patentrezept gibt es
nicht, auch wenn in den letzten Jahren
das Pendel in Richtung Anlagentechnik
ausschlägt (siehe Interview Seite 70).
Die Gewoba aus Bremen zum Bei-
spiel betreibt seit Jahren ein professio-
nelles Energiemanagement inklusive
Verbrauchsmanagement für die Mieter.
Bereits seit 1980 investieren die Han-
seaten jährlich hohe zweistellige Millio-
nenbeträge in ihren Wohnungsbestand.
2009 investierte das Unternehmen 18,8
Millionen Euro in diesem Bereich, 2010
werden es weitere 20,6 Millionen Euro
sein. Aber auch wirtschaftlich lohnt sich
der Aufwand. Zum Beispiel konnte der
Leerstand von rund 220 Einheiten auf
rund 95 Einheiten verringert werden,
und das bei fast 42.000 eigenen Wohn-
und Gewerbeeinheiten. Über dezentrale
Versorgungsstrategien will die Gewoba
den Energiebedarf ihrer Mieter regenera-
tiv und klimaschonend decken und sich
so unabhängig von Energielieferanten
machen. In zwei Pilotprojekten werden
derzeit Alternativen zur rein fossilen Er-
zeugung von Wärme und Strom erprobt.
Energiemanagement ist übrigens
nicht nur in den Wohnanlagen sinn-
voll. Der Sonderfonds Energieeffizienz
in KMU unterstützt gezielt kleinere und
mittlere Unternehmen (KMU) in Sachen
Energieeffizienz. Bis zu 80 Prozent der
Beratungskosten werden mit KfW-Zu-
schüssen finanziert.
Smart Metering
Beim Smart Metering werden Haushalte
mit intelligenten elektronischen Zählern
ausgestattet. Diese Zähler messen und
kommunizieren regelmäßig die Ver-
brauchswerte für Strom, Gas, Wasser und
Heizkostenverteiler an den Messstellen-
betreiber. Von der zeitnahen Verbrauchs-
information beim Nutzer verspricht
sich der Gesetzgeber Einsparungen
von bis zu 20 Prozent. In Deutschland
wird der Einbau derartiger Zähler im
Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) für
Neubauten und grundsanierte Gebäude
seit Januar 2010 vorgeschrieben. Der flä-
chenmäßige Einsatz im Bestand ist noch
nicht terminiert.
Smart Meter könnten die
gemessenen Werte für
Home-Displays oder PC
liefern, was das Ablesen und
Auswerten im Wohnbereich
möglich macht (Visualisie-
rung: Pro Smart Metering).
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