Seite 66 - Immobilienwirtschaft_2011_02

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02 I 2011
Special
66
fan Kohler in der Debatte manchmal mit
unlauteren Mitteln arbeiten. Der ehema-
lige Chef des Öko-Instituts in Freiburg
vertritt öffentlich die Meinung, dass sich
Energieeffizienz in jedem Fall rechnet.
Am besten packe man die gesamte Ge-
bäudehülle schön dick ein und instal-
liere gleich noch eine mit erneuerbare
Energien betriebene Heizungsanlage.
Die hieb- und stichfesten Belege für
eine schnelle Amortisation gibt es dann
regelmäßig am gerne angeführten Be-
rechnungsbeispiel einer selbst genutzten
Wohnimmobilie – sprich: Die erzielte
Energieeinsparung wird komplett in die
Erfolgsbilanz mit eingerechnet. Und an-
schließend wird die deutsche Wohnungs-
wirtschaft dafür gescholten, dass sie viel
zu wenig der Bestandsbauten energetisch
modernisiert. KeinWort jedoch wird ver-
loren über das bislang ungelöste Eigen-
tümer-Nutzer-Dilemma. Auch der grobe
Hemmschuh Mietrecht wird bei dieser
Betrachtung gerne außen vor gelassen.
Rechnung ohne Gast gemacht:
Die Wohnungswirtschaft fehlt
Klar wird schnell: Die Dena als Mar-
ketingagentur der Bundesregierung in
„Die Kosten einer klimaneutralen energe-
tischen Sanierung bedeuten eine Mieter-
höhung von sechs Euro je Quadratmeter.“
Jens-Ulrich Kießling, BSI-Vorsitzender
Entwicklung der energetischen Anforderungen
Quelle: Fraunhofer
EnEV 2012.
So könnte nach heutigem Stand die EnEV 2012 ausfallen.
Die roten Werte bedeuten eine Veränderung, die schwarzen Werte bleiben gleich.
Sachen Energieeffizienz und die Woh-
nungswirtschaft im Lande bewegen sich
doch in unterschiedlichen Hemisphären.
Dies zeigte zuletzt Mitte Oktober der
Dena-Energieeffizienzkongress in Ber-
lin. Mehr als 800 Teilnehmer kamen zu
der Veranstaltung in die Bundeshaupt-
stadt. Diese war in die Bereiche Gebäu-
de, erneuerbare Energien, Verkehr und
Internationales aufgeteilt. Eigentlich
eine ansprechende Grobgliederung.
Wen allerding lockte es aus der Woh-
nungswirtschaft auf diese Zusammen-
kunft? Ganze vier Teilnehmer kamen aus
dieser energetisch nicht ganz unwich-
tigen Branche. „Diejenigen, die das Gan-
ze umsetzen sollen, fehlen hier völlig“,
brachte es ein verwunderter Aussteller
auf den Punkt. Hinzu kommen wohl
begründete Zweifel an der propagier-
ten Annahme, dass alle Altbauten ener-
getisch per se schlecht und Neubauten
immer gut sind. Betretenes Schweigen
herrschte, als etwa das Eenergieunter-
nehmen Brunata-Metrona Anfang 2010
seine universellen Energiekennzahlen
vorgelegt hat. In der detaillierten und
klimabereinigten Auswertung zeigte
Dach
U
ref
= 0,17 - 0,19 W(m
2
K)
Außenwand
U
ref
= 0,24 - 0,28 W(m
2
K)
Wärmebrücken
Δ
U
WB
= 0,02- 0,04 W(m
2
K)
Außenwand
U
ref
= 0,35 W(m
2
K)
Bodenplatte/Kellerdecke
U
ref
= 0,35 W(m
2
K)
Heizung und Warmwasser
Ref. Brennwerttechnik 55/45˚ Grad
alternativ: Luft/Wasser-Wärmepumpe
Solarkollektor-Unterstützung
Warmwasserbedarf
alternativ: Luft/Wärmepumpe
Zu-/Abluftanlage mit
Wärmerückgewinnung
Fenster
U
ref
= 0,9 - 1,0 W(m
2
K)
g
ref
= 0,55
Foto: BSI foto morgana