Seite 50 - Immobilienwirtschaft_2011_02

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50 Markt + Management
02 | 2011
Oft bleiben angestrebte Rationalisie-
rungs- und Synergieeffekte von Akqui-
sitionen aus. Denn Größe allein ist kein
Grund für bessere Performance. Dann
verkünden neue Geschäftsführerbesen
schmerzvolle Veränderungen. Es kom-
men Personaleinsparungen, Führungs-
wechsel und Zielvereinbarungen. Die
Verunsicherung der Belegschaft bekom-
men auch die Kunden zu spüren – aller-
dings erst mit Verzögerung.
Zauberwort Produktisierung
Die Daimler-Chrysler-Misere oder der
Hochtief-ACS-Fight werden öffent-
lich diskutiert. Übernahmen innerhalb
der Facility-Servicesbranche verlau-
fen dagegen zumeist recht still. Jedoch
eigentlich Facility-Serviceauftraggeber
wie -Dienstleistungsunternehmen glei-
chermaßen die Adjektive groß undmäch-
tig mit qualitativ und leistungsstark?
Deutschland glänzt mit strukturierten
Prozessen und daraus resultierenden
Qualitäten. Es ist produktgetrieben. Erst
in Produkten sieht man scheinbar die Be-
stätigung seiner Arbeit. Und genau diese
Fähigkeit, Einzelprozesse zu Dienstlei-
stungsprodukten zu verschmelzen, sucht
man auch bei den Marktplayern. Doch
das Wissen um die Produktisierung von
Dienstleistungen dringt erst langsam in
die verantwortlichen Bereiche sowohl
der Auftraggeber als auch der Dienstlei-
ster. Notwendig sind zudem funktionie-
rende Instrumente zur Implementierung,
Visualisierung und Leistungs-Auditie-
rung. Denn auch der vermeintlich beste
Dienstleister kann häufig nach gewon-
nener Ausschreibung nicht überzeugen.
Das liegt an unzureichend standardi-
sierten und selten workflow-gesteuerten
Prozessen. Wenn sie nur nicht jede un-
sinnige
Ausschreibungsvereinbarung
Change Managements. Mal gelang dies
sinnvoll und effizient gesteuert auch zum
Wohle des Kunden. Mal mutete es eher
chaotisch an und hatte fatale Folgen für
alle Beteiligten.
Die Verkäufe des Anlagenbauers
und Facility-Servicesanbieters Stangl
AG an MCE und später an YIT haben
das Unternehmen gleichsam verändert
und belastet. Erst im Nachhinein wurde
deutlich, wie wichtig diese Schritte wa-
ren. Denn heute wird YIT gestärkt als
Branchengröße wahrgenommen – nicht
zuletzt durch die Caverion-Übernahme
2010. Weiterhin wurde trotz Personal-
und Know-How-Übernahme – wie 2004
mit dem Kauf der Lufthansa Gebäude-
management geschehen – Hochtief Faci-
lity Management GmbH den gestiegenen
Zu groß zum Scheitern?
FM-Marktkonzentration.
Oft bleiben erhoffte Synergieeffekte bei
Akquisitionen aus. Denn manche Fusion ist selbst unter Freunden labil.
Dabei bietet sie neue Chancen zur „Produktisierung“ von Dienstleistungen.
Hansjörg Kuhn, dcmcgroup, München
Auf einen Blick
› Oft bleiben angestrebte Rationalisierungs-
effekte bei Akquisitionen aus.
› Groß und mächtig heißt nicht automatisch
qualitativ und leistungsstark.
› Fehlgeleitete FM-Konzeptionen und Ser-
vicestrukturen müssen aufgebrochen und
systematisiert werden.
› Notwendig ist eine stärkere Produktisie-
rung von Dienstleistungen.
„Bei den Zukäufen haben wir an den vorhan-
denen Führungsstrukturen festgehalten –
gleichsam bewusst und erfolgreich!“
Dr. Horst de Haan, Vorsitzender der Geschäftsfüh-
rung Sodexo Beteiligungs B.V. & Co. KG, Heidelberg
können Preis-Leistungs-Schwankungen
bei dem Personenprodukt Dienstleis-
tung weitaus gravierender und andau-
ernder sein als bei demHochtechnologie-
produkt Auto. Ganz gleich ob ISS, Wisag,
YIT, Hochtief, Bilfinger und Berger, Stra-
bag, Sodexo – stets folgten wirtschaft-
lichen Entscheidungen die Prozesse des
Kundenanforderungen im Bereich der
technischen und infrastrukturellen Ser-
vices für Flughafenbereiche in Frankfurt
und München nicht gerecht. Dort wagte
man nun bei der Technik mit den Dienst-
leistern Wisag in Frankfurt und HSG in
München zum Jahreswechsel 2010/2011
einen Neuanfang. Warum verbinden