Seite 45 - Immobilienwirtschaft_2011_02

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02 | 2011
viere sollen Tradition und Moderne zu-
sammenwachsen. In das Public Private
Partnership (PPP)-Projekt wurden etwa
150 Millionen Euro öffentlicher Mittel
investiert, beinahe das Dreifache erfolgte
bislang an privaten Investitionen. „Bei
Interesse reservieren wir Projektentwick-
lern, Investoren oder Unternehmern ein
halbes Jahr lang kostenlos ein Grund-
stück und bieten ihnen damit Planungs-
sicherheit“, erklärt Andreas Heyer, Ge-
schäftsführer der WFB Bremen.
In der Bremer Überseestadt mit sei-
nen vielen wassernahen Flächen besteht
die Vorgabe, dass einige Grundstücke öf-
fentlich ausgeschrieben werden müssen.
Hierfür gibt es vier Kriterien: Grund-
stücke, die am Wasser liegen oder eine
besondere Lagegunst haben, alle Grund-
stücke, die für Wohnungsbau vorgesehen
sind, sowie alle bereits bebauten Flächen
und schließlich jedes Gelände, für das es
mehr als einen Bewerber gibt.
Fehlentwicklungen vermeiden
Nicht immer klappt der städtebauliche
Wandel ohne Reibungsverluste, viele
Grundstücksquellen werden nur sub-
optimal verwertet – nach Aussage von
Stadtplanern passten Aufwand (öffent-
liche Investitionen in Infrastruktur) und
Ertrag nicht zusammen. Die Flächen le-
diglich zum bestmöglichen Preis zu ver-
äußern, wäre zu kurz gesprungen. Dass
Fehlentwicklungen im Wechselspiel zwi-
schen Investoren, Stadtentwicklern und
Politikern verheerende Folgen haben
können, macht Alexander Otto im Inter-
view deutlich: „In Osteuropa sind in den
Boom-Jahren teilweise drei Shopping-
Center nebeneinander entstanden, ob-
wohl es nur Mieter für eines gab. Viele
Projektentwickler und Banken leiden
darunter heute noch genauso wie die be-
troffenen Städte.“
Rigoros gingen Rotterdams Stadt-
planer ab 1988 bei der Neuordnung des
Stadtquartiers Kop van Zuid vor: Nur
wenige der historischen Hafenbauten auf
der Halbinsel Feijenoord gegenüber dem
Stadtzentrum überstanden die tief grei-
fende Umstrukturierung in ein Wohn-
und Büroquartier. Bis 2012 sollen dort
rund 5.000 Sozial- und Eigentumswoh-
nungen, eine entsprechende soziale In-
frastruktur und etwa 400.000 Quadrat-
meter Nutzflächen für Büros, Läden,
Restaurants, Kultur und Freizeit ent-
stehen. Der Zugewinn an öffentlichem
Raum wiege Verluste an authentischem
Ambiente auf, sagen die Macher.
In den Best-Practice-Beispielen des
ULI geht es um vernachlässigte Stand-
orte großer Städte, um Freimachung,
Entwicklung, Vermarktung und Ver-
kauf von Grundstücksflächen – und zu-
gleich um unterschiedliche Intentionen.
Während Hamburg mit der HafenCity
schwerpunktmäßig auf Mischnutzung
setzt, steht in Amsterdam der Wohnung-
saspekt mehr im Blick. Städte wie Lon-
Barcelona. Viel Platz für Büros und Gewerbe im neuen Viertel 22@.
don mit dem Projekt „Olympic Park“
sind auf die Ausweitung des Büro- und
Freizeitsektors konzentriert, Barcelona
mit seinem Stadtteil 22@ ebenfalls auf
Büros und Gewerbeansiedlungen.
Für Hamburg ist die HafenCity nicht
nur ein großes Immobilienprojekt, es
soll vielmehr Stadtqualität entstehen. Ei-
nen 157 Hektar großen Stadtteil gilt es zu
entwickeln, wobei voraussichtlich mehr
als zwei Millionen Quadratmeter Brutto-
geschossfläche zu realisieren und ebenso
vielfältige wie attraktive Freiräume zu
gestalten sind. Voraussichtlich über 800
Millionen Euro sollen über Grundstücks-
verkäufe generiert und investiert werden,
um private Investitionen anzuschieben.
Die Rede ist laut Vorsitzendem der Ha-
fenCity-Geschäftsführung, JürgenBruns-
Berentelg, von etwa 5,5 Milliarden Euro.
Pachtsystem in Holland
In Holland wird das Prinzip des Ground-
Lease-Systems praktiziert, ein über
hundert Jahre altes Grundstückspacht-
system. Das Land, das an den Leasing-
Nehmer vermietet wird, ist und bleibt
Eigentum der Gemeinde. Die Rechte gel-
ten für unbestimmte Zeit, die Verpach-
tung läuft in der Regel zwischen 50 bis
75 Jahre. „Ob der Boden gepachtet oder
an den Entwickler verkauft wird, sollte
keinen Unterschied machen, aber in
einem Pachtbesitz kann der Eigentümer
des Bodens (in diesem Fall die Stadt)