ante existiert keine Pflicht zur Angabe
eines Gesamteffektivzinssatzes. Kunden
kennen dann nur den Effektivzins des
Vorausdarlehens und des Bauspardarle-
hens, nicht aber den der Gesamtfinan-
zierung.
Was kritisieren Sie sonst noch an den
Anbietern?
Nauhauser:
Dass sie die für sie lukra-
tivsten Produkte verkaufen und sich
nicht an den Bedürfnissen ihrer Kunden
orientieren.
Gibt es Hinweise darauf, dass be-
stimmte Institute sich mit der Fristen-
transformation, also aus kurz mach
lang, Wettbewerbsvorteile zu verschaf-
fen suchen?
Nauhauser:
Uns liegen solche Hinweise
nicht vor, und es ist auch nicht unsere
Aufgabe, die Geschäftspolitik der Anbie-
ter zu bewerten. Die Aufsicht über Kre-
ditinstitute hat die BaFin.
Effektivzinsen lassen sich nicht mehr so
vergleichen wie früher. Welche Tricks
wenden Banken, Sparkassen und Ver-
mittler an, damit ihre Angebote beson-
ders günstig aussehen?
Nauhauser:
Bauspar-Kombinations-
finanzierungen werden beliebter, sind
aber mit Vorsicht zu genießen, weil die
Gesamtkosten verschleiert werden. Bei
Tilgung mit Lebensversicherungen oder
Investmentfonds bestehen große Risiken,
also ist auch hier Vorsicht angebracht.
Welche weitere Darstellung lässt den
Effektivzins künstlich niedrig erschei-
nen?
Nauhauser:
Ferner unterstellen manche
Kreditinstitute, dass das Darlehen nach
Ablauf der Zinsbindungsfrist zu einem
niedrigen variablen Zinssatz fortgeführt
wird, was den Gesamteffektivzins künst-
lich senkt. Hier sollte man also nur den
Effektivzins für den Zeitraum der Zins-
bindung vergleichen.
Einer der Schwerpunkte Ihrer Tätig-
keit ist der Kampf gegen Kredithaie.
Mit welchen Methoden arbeiten diese
im Alltag?
Welche Rolle spielen da die Bauspar-
kassen?
Nauhauser:
Sie verkaufen Bausparver-
träge oft auch in Kooperation mit einer
finanzierenden Bank. Gern angeboten
wird dann ein tilgungsfreies Vorausdar-
lehen der Bank, das nach einigen Jahren
durch einen zuteilungsreifen Bauspar-
vertrag abgelöst werden soll.
Wo liegen bei solchen Angeboten die
Fallstricke?
Nauhauser:
Diese Finanzierungsform ist
bei den Verkäufern sehr beliebt, weil sie
neben dem Darlehen auch noch einen
Bausparvertrag gegen Provision vermit-
teln können und weil das einen Vergleich
mit anderen Angeboten erschwert oder
unmöglich macht. Denn für diese Vari-
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02 | 2011
Nauhauser:
Diese Kreditvermittler oder
Finanzsanierer, wie sie sich selbst be-
zeichnen, sprechen insbesondere solche
Verbraucher an, die aufgrund von nega-
tiven Schufa-Merkmalen keine Darlehen
bekommen. Sie versprechen ihnen die
Lösung ihrer finanziellen Probleme, bür-
den ihnen am Ende aber nur noch mehr
Verpflichtungen auf.
Vor welchen Angeboten muss man
sich besonders in Acht nehmen?
Nauhauser:
Es werden Verbrauchern
unnütze Verträge verkauft, oder sie er-
halten angeblich die ersehnten Kredit-
vertragsangebote per Nachnahme zu-
gestellt. Einige zocken die Verbraucher
auch regelrecht ab, indem sie Leistungen
vorgaukeln, die sie nie zu erbringen
beabsichtigen, nur um am Ende eine
Aufwandsentschädigung für die vergeb-
lichen Mühen zu verlangen.
Wenn Sie dem Gesetzgeber eine
Wunschliste vorlegen würden, was
stünde da ganz oben?
Nauhauser:
Die Dienstleistung Finanz-
beratung muss angemessen geregelt wer-
den. Der gesetzliche Rahmen muss so
gefasst sein, dass Verbraucher den An-
bietern von Finanzberatung zu Recht ihr
Vertrauen schenken können und nicht
befürchten müssen, über den Tisch ge-
zogen zu werden.
Was beinhaltet die Dienstleistung Fi-
nanzberatung?
Nauhauser:
Mit Finanzberatung ist nicht
nur die Geldanlageberatung gemeint,
die derzeit im Fokus des Gesetzgebers
steht. Der Begriff steht sowohl für die Al-
tersvorsorge-, die Baufinanzierungs- als
auch die Kreditberatung im Allgemei-
nen. Hier müssen für alle einheitliche
Regeln gelten. Es kann doch nicht sein,
dass ein Anlageberater, der ein Wertpa-
pier über 2.000 Euro empfiehlt, stärker
reguliert ist als ein Immobilienverkäu-
fer oder ein Finanzierungsberater, der
einem Kunden rät, sich bis über beide
Ohren zu verschulden, um eine Immobi-
lie zu kaufen. Der Flickenteppich unter-
schiedlicher Verbraucherschutzniveaus
muss beseitigt werden.
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