Herr Nauhauser, mit welchen Proble-
men wenden sich Verbraucher und
speziell Eigenheimerwerber zurzeit am
meisten an Sie?
Nauhauser:
Sie erhalten von Banken
oder freien Finanzberatern verschiedene
Finanzierungsangebote und können die-
se nicht miteinander vergleichen.
Warum nicht?
Nauhauser:
Ein solcher Vergleich ist
schwierig, denn die Anbieter legen in
ein und demselben Verbraucherfall je-
weils unterschiedliche monatliche Raten,
Zinsbindungszeiträume oder Darlehens-
summen zugrunde. Das ist erstaunlich,
denn Ausgangslage und Zielsetzung der
Verbraucher sind ja in jeder Beratungssi-
tuation gleich, ob sie nun zur Sparkasse,
zur Volksbank oder zu einem freien Dar-
lehensvermittler gehen.
Gibt es bestimmte Institute oder Insti-
tutsgruppen, die bei Ihnen schon auf
der Schwarzen Liste stehen?
Nauhauser: Eine solche Schwarze Lis-
te führen wir nicht. Allerdings fallen
manche freien Berater dadurch auf, dass
sie – häufiger als Banken – Kombinati-
onsfinanzierungen verkaufen, teilweise
auch mit Fremdwährungsdarlehen. An-
stelle der direkten Tilgung wird dann
ein Sparvertrag gegen lukrative Provi-
sion verkauft mit dem Argument, dass
dieser später die Tilgung übernimmt.
Welche Risiken solchen Finanzierungen
zugrunde liegen, wird aber regelmäßig
verschwiegen.
Sind die Leute erpicht darauf, Immo-
bilien zu kaufen, um sich vor Mietstei-
gerungen oder ganz allgemein vor der
Inflation zu schützen?
Das Finanz-Interview
von Manfred Gburek
Niels Nauhauser
Baufinanzierung ist unübersichtlich und teuer geworden.
Der Effektivzins unterschiedlicher Angebote lässt sich oft
nicht vergleichen. Was der Gesetzgeber ändern muss.
ist Referent für Finanzdienstleistungen der Ver-
braucherzentrale Baden-Württemberg. Nach
dem Studium der Betriebswirtschaftslehre
in Mannheim und weiterführenden Praktika,
unter anderem bei der Unternehmensberatung
McKinsey und der Deutschen Bank, profilierte er
sich als Dozent und Prüfer für die renommierte
Frankfurt School of Finance & Management.
Niels Nauhauser
Serie
„Weg mit dem Flickenteppich“
32 Finanzen + Steuern
02 | 2011
Nauhauser:
Die Inflationsangst, die von
manchen Medien zusätzlich geschürt
wird, verunsichert die Verbraucher ziem-
lich. Es gibt sogar Anzeigen von Bauträ-
gern, die explizit mit dem Argument
Inflationsschutz und Sachwert für ihre
Objekte werben. Manche Anleger sehen
in dem Eigenheim einen gangbaren Aus-
weg und wollen so ihr Geld in Sicherheit
bringen.
Warum ist Angst auch in diesem Fall
ein schlechter Ratgeber?
Nauhauser:
Diese Sicherheit existiert
nicht. Der Eigenheimerwerb ist weitaus
riskanter als man das gemeinhin an-
nimmt. Das liegt daran, dass die Investi-
tion oft nur mit sehr viel Fremdkapital
möglich ist.