11 I 2011 www.immobilienwirtschaft.de
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Special
und gibt sie als Wärme an den Innenraum ab. Ein ähnliches
Funktionsprinzip besitzen die zur Südseite gewandten Fassaden
der Wohnanlage Senioren-Wohnen Weegerhof in Solingen. Sie
bestehen (von innen nach außen) aus einem Leichtbetonziegel-
Mauerwerk, einer Lufschicht und einer Polycarbonatplatte und
sind durch diesen Aufau in der Lage, Sonnenwärme einzusam-
meln, die für die Beheizung des Gebäudes genutzt werden kann.
Das Gebäude wurde im KfW-40-Standard errichtet, beherbergt
im ersten Bauabschnitt 45 altengerechte Komfortwohnungen,
drei betreute Senioren-Wohngemeinschafen, einen Bewohner-
tref und eine Tiefgarage. Der zweite Abschnitt ist im Bau und
wird voraussichtlich im Sommer 2012 übergeben. Geplant wur-
de die Anlage von Pfeifer Kuhn Architekten, Freiburg/Breisgau.
Das Büro hat sich auf kybernetische Gebäude spezialisiert und
bereits 2002 ein Produktionsgebäude mit einem wegweisenden
Energieefzienzkonzept realisiert.
Das energieefzienteste Haus ist ein Gebäude, das nach Fertig-
stellung gar keine externe Energie braucht, sondern sich selbst
versorgt oder sogar Energie abgeben kann. Das trif für Pas-
sivhäuser, energieautarke Häuser, Nullenergiehäuser und Plu-
senergiehäuser zu, die – bislang zumindest – überwiegend im
Einfamilienhausbereich realisiert werden.
Innovativ ist hier das neue Domizil der Stifung Waisenhaus
in Frankfurt am Main, dessen Entwurf von B&V Braun Volleth
Architekten, Frankfurt am Main, stammt. Es wurde im Juni
2011 bezogen und ist das bundesweit zurzeit größte Bürogebäu-
de im Passivhausstandard. Das Betreuungs- und Verwaltungs-
gebäude besteht aus sieben Ober- und zwei Untergeschossen
und wurde als Stahlbetonbau mit tragenden Außenwänden
und traditioneller Lochfassade errichtet. Wesentlicher Bestand-
teil des Passivhauskonzepts ist die selbsttragende Naturstein-
fassade im Verbund mit einer Hochleistungswärmedämmung
(Polyurethan-Hartschaumstof mit difusionsdichten Deck-
schichten). Die Fenster wurden als Kastenfenster mit Drei-
fachisolierung ausgeführt. Für Kühlung und Beheizung ist der
Neubau mit einer Pelletanlage mit Absorptionskältemaschine
ausgestattet. Die Verteilung erfolgt über Betonkernaktivierung
in den Regelgeschossen, die Lüfung über eine mechanische
Be- und Entlüfung. In einigen Bereichen im Erdgeschoss kam
eine sogenannte Hybriddecke – eine abgehängte Kühldecke mit
Kanälen für die Lufführung – zum Einsatz.
„Wenn du immer das tust, was du immer schon getan hast,
dann wirst du immer wieder das bekommen, was du schon
immer bekommen hast. Wenn du etwas anderes willst, musst
du etwas anderes tun. Und wenn das, was du tust, dich nicht
weiterbringt, dann tu etwas völlig anderes, statt mehr gleichen
Falschen.“ Dieses Zitat, das von dem österreichischen Philo-
sophen Paul Watzlawick (1921 bis 2007) stammt, scheint die
Maxime des Architekten Wolfgang Frey, Freiburg/Breisgau, zu
Anlage von Pfeifer Kuhn Architekten, Freiburg im Breisgau. Das Büro hat sich auf kybernetische Gebäude spezialisiert und bereits
2002 ein Produktionsgebäude mit einem wegweisenden Energieeffizienzkonzept realisiert.
Sonnenenergie wird durch eine dunkle Schicht aufgenommen und
genutzt.
Transparente Wärmedämmung
– Funktionsprinzip
Solare Einstrahlung
Wärmeabgabe und Verlust
durch Reflexion
Wärmegewinn
Mauerwerk
opake Wärmedämmung mit
Deckschicht