An der Börse ist der Herbst die aufre-
gendste Jahreszeit. An Schwarzen Freita-
gen kam es an den Aktienmärkten schon
öfer zu Kurseinbrüchen, die einen fol-
genschweren
Stimmungsumschwung
auslösten. Ist es Zufall, dass sie sich
bevorzugt im Herbst ereignen? Wohl
kaum, wenn man Psychologen glaubt:
Der Mensch sei wankelmütiger, sagen
sie, da der Winter vor der Tür steht und
die Tage kürzer werden.
Dass sich Dinge schnell ändern kön-
nen, lässt sich am Wechselkurs ablesen.
Lange war der Franken einer der Top-
Stars auf der internationalen Währungs-
bühne, bis die Schweizer Nationalbank
in einer Hauruck-Aktion den Franken
durch Fixierung eines Mindestum-
tauschkurses an den schlappen Euro ket-
tete. Manche Spekulanten wie auch der
Händler der Schweizer Großbank UBS
Kweku Adoboli kam die Hauruckaktion
der Notenbank teuer zu stehen. Verlust
der UBS: über 1,5 Milliarden Euro.
Wechselopfer
Ein anderes Wechselopfer ist die FDP. In
zwei Jahren stürzten die Liberalen in der
Wählergunst von stolzen 15 auf weniger
als 5 Prozent ab. Aus dem Berliner Abge-
ordnetenhaus sind sie rausgefogen. Da-
für zog eine neue Partei ein: die Piraten.
Sie könnten den Grünen den noch gern
betonten Status der Rebellen im Par-
teiensystem streitig machen.
Grüne Spitzenpolitiker wie Jürgen
Trittin oder Renate Künast haben längst
Gefallen gefunden an Macht und Privile-
gien. Einige, darunter Ex-Außenminister
Joschka Fischer, verdingen sich nach ih-
www.immobilienwirtschaft.de 11 | 2011
Norbert Jumpertz, Staig
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Moral
isten
zu
Opportun
isten?
Wechselspiele.
Neues auszuprobieren hat seinen Reiz. Doch wer sich leichtfertig auf
neue Pfade begibt, kann in der Sackgasse landen. Das passiert Autobauern, Politikern
und Immobilienfachleuten. Eine beispielhafte Bewusstseinsanalyse.
Stimmungsumschwünge. Sie ereignen sich
bevorzugt im Herbst. Kein Zufall, sagen Psychologen:
Der Mensch sei wankelmütiger.
Anlegern steht der deutsche Immobili-
enmarkt zurzeit hoch im Kurs. Objekte
in Top-Lagen werden rar, die Renditen
sind rückläufg. Das ist kein ideales Um-
feld für opportunistische Immobilienin-
vestoren, die höhere Risiken akzeptieren,
solange die Renditeaussichten viel ver-
sprechend genug sind. Doch ob da ein
Strategiewechsel ratsam wäre?
Of scheitern Neuorientierungen.
Der Autokonzern Daimler musste teure
Strategiewechsel verdauen. Inzwischen
haben sich die Stuttgarter von ihren
hochgesteckten Zielen verabschiedet und
fahren gut damit. Das sollte opportuni-
stischen Immobilienanlegern eine War-
nung sein. Zu Recht heißt es schließlich:
„Schuster, bleib bei deinen Leisten.“
I
|
rer politischen Karriere als hoch bezahl-
te Lobbyisten für große Konzerne oder
deren Verbände. Vom Moralisten zum
Opportunisten zu mutieren – für Fischer
und andere ehemalige grüne Anti-Kapi-
talisten ofensichtlich kein Problem.
Auch vom umgekehrten Weg lassen
sich manche nicht abschrecken. Hedge-
fonds haben den Ruf, kaltschnäuzig In-
vestmentchancen zu nutzen. Das hat ei-
nige ihrer Manager steinreich gemacht.
Einer der größten Stars der Szene ist
George Soros. Mit seiner Spekulationsat-
tacke gegen das britische Pfund vor etwa
20 Jahren soll er mehr als eine Milliarde
US-Dollar verdient haben. Inzwischen
schlüpf engagiert er sich für ein Stif-
tungsnetzwerk in sozialen Projekten. Bei
Wechsel