Seite 62 - Immobilienwirtschaft_11_2011

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Graffiti
»
»Vorsicht beim
Baukreditabschluss
mittels Kapitallebens-
versicherung oder Fonds-
police! Keiner weiß,
was da am Ende
rauskommt.«
dann schnell alt aus – sogar wenn ihre
Konditionen unter dem Strich günstiger
sind. Bliebe es allein dabei, könnten so-
gar Finanzierungslaien das Problem
noch durch gezieltes Nachfragen lösen.
Doch die Zahl der Stellschrauben hat
sich im Laufe der Jahrzehnte rasend ver-
mehrt und Zinsvergleiche ad absurdum
geführt. Bestenfalls Restschuldvergleiche
können weiterhelfen.
Aber auch die stoßen an fnanzmathe-
matische Grenzen, was folgende unvoll-
ständige Aufzählung von Stellschrauben
belegt: Zinsbindungszeit und -variabi-
lität, Tilgungsmodus, Disagio, Objekt-
wert, Einkommens-, Vermögens- und
Beleihungshöhe, persönlicher Steuersatz,
Vermietung, Wohn-Riester und sonstige
Subventionen. Doch zu den Schrauben
gehören auch Muttern in Gestalt echter
Finanzierungspartner. Es bleibt viel Ar-
beit für den „Zinspapst“.
I
|
Zu
Schrauben
gehören
Muttern
11 | 2011 www.immobilienwirtschaft.de
Wechsel
Manfred Gburek, Frankfurt am Main
Max Herbst, wegen seiner Zinsvergleiche
in der Baufnanzierungsbranche „Zins-
papst“ genannt, wird zu Jahresbeginn
wieder viele Preise für die besten Finan-
zierungsangebote vergeben. Ehrensache,
dass nicht nur die Erst-, sondern auch
die Zweit- und Drittplatzierten Preise
erhalten. Da tummeln sich dann die Ge-
winner zu Dutzenden.
Diese Preisverleihung spiegelt einen
Wandel wider: Den von der guten alten
Pfandbriefank mit nachvollziehbaren
Konditionen zu einer für Kunden un-
durchschaubaren Mischung aus Univer-
sal- und Spezialbanken, Bausparkassen
und Lebensversicherern, Brokern und
sonstigen Vermittlern mit immer verwir-
renderen Oferten. Unter den Anbietern
gibt es Banken und Sparkassen mit Stan-
dardkonditionen und fest vorgegebenen
Tilgungssätzen. Wahlweise fnden sich
jedoch auch Spezialisten für hohe und
niedrige Beleihung von Objekten, für
Baukredite ohne laufende Tilgung und
für dubiose Fremdwährungskredite.
Von Laien und Bittstellern
Potenzielle Bauherren und Käufer von
Wohnobjekten treten im Kreditvergabe-
prozess leider allzu of als Bittsteller auf.
Sie verzichten nicht selten auf einen An-
gebotsvergleich, weil sie sich für fnanz-
mathematische Laien halten oder weil
ihr Gegenüber ein mit allen Wassern ge-
waschener Verkaufsprof ist. Doch schei-
tern die Vergleiche nicht häufg schon
am Efektivzins? Denn legt ein Anbie-
ter nach zehn Jahren Zinsbindung rein
rechnerisch einen sehr niedrigen Zins-
satz zugrunde, kann sein Efektivzins
im Extremfall unter dem Nominalzins
liegen. Konkurrenten, die mit einem spä-
ter höheren Zinssatz kalkulieren, sehen
Baufnanzierung.
Die guten alten Zeiten mit
fest vereinbarten Konditionen sind vorbei.
Wer kein As in Finanzmathematik ist und
trotzdem so günstig wie möglich finanzieren
will, muss sich an die Arbeit mit vielen
Stellschrauben begeben.
Foto: james weston/shtuterstock.com