www.immobilienwirtschaft.de 11 | 2011
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setzungen und Demonstrationen. Betrof-
fen sind meist Quartiere, in denen die
Gentrifzierung längst stattgefunden hat.
Neu jedoch ist der Zusammenschluss
von Pionieren und Gentrifzierern, der
beispielsweise die Stadt Hamburg bewo-
gen hat, das Gängeviertel zurückzukau-
fen und ihre Stadtentwicklungspolitik
neu auszurichten.
Soziale Mischung muss stimmen
„Wir begrüßen es im Grundsatz, wenn
Stadtquartiere aufgewertet werden. Für
uns als Stadt ist dies angesichts leerer
Kassen eine der wenigen Erfolg ver-
sprechenden Maßnahmen, bezahlbaren
Wohnraum zu schafen. Allerdings müs-
sen wir aufpassen, dass die Quartiere ihre
soziale Durchmischung nicht verlieren“,
fasst der Stadtplaner die kommunale
Sicht zusammen. „Immobilien stellen
investiertes Kapital dar, das sich im Zeit-
verlauf entwertet. Gentrifzierung tritt
dann auf, wenn die Diferenz zwischen
Gebäudewert und Grundstückswert so
groß geworden ist, dass Investoren die-
se Immobilien billig kaufen und nach
der Sanierung das Endprodukt zu einem
Preis verkaufen können, der ihnen einen
zufriedenstellenden Gewinn bringt“, er-
läutert der Ökonom.
„Für Projektentwickler und Inves-
toren kann es durchaus lukrativ sein, sich
in Quartieren mit hohem Sanierungspo-
tenzial zu engagieren. Dabei ist auch uns
bewusst, dass monostrukturelle Quar-
tiere auf Dauer nicht nachgefragt wer-
den. Die Wahrung einer ausgewogenen
sozialen Mischung stellt jedoch eine
Herausforderung dar, die sich nur im
Rahmen von Partnerschafen bewältigen
lässt. Investoren engagieren sich ja nicht
im Rahmen der Gemeinnützigkeit, son-
dern müssen Gewinne erwirtschafen“,
argumentiert der Projektentwickler. „Die
Internationalisierung der Ballungszen-
tren hat zu einer steigenden Nachfrage
einer fnanzstarken Bevölkerungsschicht
geführt. Infolge der gesetzlichen Ver-
schärfungen der Eigenkapitalrichtlinien
und den Folgen der Finanzkrise müssen
wir verstärkt auf Sicherheit setzen“, so
das Fazit des Bankers.
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Wolkes
Bruder
Cloud Computing.
Stehen wir in der
Informationstechnologie wirklich kurz
vor einem fundamentalen Wechsel?
ASP hieß es früher. Application-Service-Providing fand nur allmählich
und als Nischenprodukt in die Branche. Nun allerdings bekommt das IT-
Geschäf einen echten Drive. Als hochdynamisch wird aktuell das Busi-
ness mit der Cloud gepriesen. Doch mitnichten schwebt jetzt in der Cloud
der Schlüssel für alles, was vorher in Schwierigkeiten eingeschlossen war.
Flowen nun etwa alle standardisierten Prozesse fugs vorüber? Lösen sich
alle Schnittstellenprobleme in selbiger Wolke auf? Und hört damit die Su-
che nach dem korkspendenen Apfelbierbaum auf, um alles aus einer Hand
bieten zu können? Mitunter kommt einem dies alles gar zu wolkig vor.
Public Cloud und Private Cloud
Es soll damit keinem Technikskeptizismus das Wort geredet werden. Denn
es wird wieder so sein, dass das Phänomen Cloud – intelligent eingesetzt
– einem kleinen Teil der Branche peu á peu weiterhilf. Dieser kann dann
zu Hochzeiten Lastspitzen abfangen oder standardisierte IT-Umgebungen
sofort nutzen – ohne dafür eine eigene Plattform betreiben zu müssen. Ob
Public Cloud, ob Private Cloud – bei Tageslicht betrachtet scheint das Gan-
ze doch ganz schön viel mit dem Erdenbruder der Wolke zu tun zu haben
– dem Nebel. Und der wird sich bald lichten. Dann wird man sehen, dass
noch nicht mal eine neue Sau durchs Dorf getrieben wurde. Denn auf ihrer
einen Flanke stand es noch: ASP
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»Wer‘s glaubt, wird selig. Wer nicht
– kommt der trotzdem in die Cloud?
Ein Verdacht liegt jedenfalls nahe:
Der ganze Cloud-Hype könnte auch
bloß alter Wein in neuen
Schläuchen sein.«
Jörg Seifert, Freiburg
Foto: Kirsty Pargeter/shutterstock.com
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