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Graffiti
Quartiere mit neuem
Gesicht
Gentrifzierung.
Gebäude werden saniert. Andere Bevölkerungsschichten ziehen
zu. Dieser Wandlungsprozess polarisiert die gesamte Gesellschaft einer Stadt.
Gut so: Denn soziale Monostrukturen sind zu vermeiden.
Gabriele Bobka, Staufen
Unsere Geschichte spielt im Berliner
Prenzlauer Berg. In der zweiten Hälfe
des 19. Jahrhunderts schießen hier mas-
senhaf Mietkasernen in die Höhe, um
für die zuziehenden Arbeiterströme der
Industriebetriebe Platz zu schafen. Das
Viertel wird zum Inbegrif menschenun-
würdiger Lebensverhältnisse. Der Zweite
Weltkrieg verschont die Gründerzeit-
bauten, die DDR lässt sie verfallen. Nach
der Wende ist der überwiegende Teil der
Wohnungen sanierungsbedürfig, viele
Häuser stehen leer. Punks, Hausbesetzer,
aber auch Studenten und Künstler fühlen
sich von dem Ambiente angezogen und
bilden nach und nach eine alternative
Szene, in der zahlreiche Subkulturen ne-
beneinander leben.
Plötzlich ist alles bunt und sexy
Das Leben hier wird bunt und sexy.
Es kommt zu ersten Sanierungen. Das
Viertel gewinnt zunehmend an Attrak-
tivität, gilt bei Investoren, Maklern und
Spekulanten als zukunfsträchtig. Ganze
Häuserzeilen wechseln den Eigentümer
und nach den Sanierungen, die steigende
Mieten nach sich ziehen, meist auch die
Mieter. Die Neuen rekrutieren sich aus
dem Bildungsbürgertum und der globa-
len Mobilitätselite.
Gentrifzierung, wie dieser Prozess
der städtischen Aufwertung auch ge-
nannt wird, ist Ausdruck der sozialen
und wirtschaflichen Polarisierung der
Stadtgesellschaf. Als Gegenpol abge-
werteter Quartiere lassen diese Are-
ale die unterschiedliche Verteilung des
gesellschaflichen Reichtums deutlich
sichtbar werden und können so die Inte-
gration der Stadtgesellschaf gefährden.
Wie schon Mitte der 1990er-Jahre, regt
sich hiergegen Widerstand, bilden sich
Bürgerinitiativen, gibt es wieder Hausbe-
»Investoren engagie-
ren sich ja nicht im
Rahmen der Gemein-
nützigkeit, sondern
müssen Gewinne
erwirtschaften.«
03 | 2011 www.immobilienwirtschaft.de
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