48 Finanzen, Markt + Management
11 | 2011 www.immobilienwirtschaft.de
„Es bewegt sich wieder was in Russland“,
sagt Stefen Sendler. Wie der Geschäfs-
führer von Drees & Sommer Russland,
berichtet, mehren sich die Anzeichen,
dass die Finanzkrise, die in den ver-
gangenen zwei Jahren insbesondere den
Immobilien- und Baumarkt in Russland
schwer getrofen hatte, ein Ende gefun-
den hat: „Wir beobachten eine Zunahme
von Investitionen.“ Diese Beobachtung
bestätigt das Research-Team der Erste
Group, Wien. „Mitte August 2011 hatten
die Investitionen in den CEE-Immobi-
lienmarkt 6,9 Milliarden Euro erreicht;
sie lagen damit um 20 Prozent über dem
Wert für das Gesamtjahr 2010 und waren
das Ergebnis von etwa 120 Transaktio-
nen“, berichtet Erste Bank-CEE-Analyst
Günther Artner. Die Investitionstätigkeit
habe sich mit mehr als 70 Prozent vor
allem auf die Märkte Polen und Russland
konzentriert.
Diese Entwicklung erstaunt nicht,
denn das stabile Polen gilt als „Wirt-
schafswunderland“, und Russland mit
seinen 143 Millionen Einwohnern und
13 Millionenstädten wächst seit Jahren
rasant. Aktuellen Prognosen zufolge
dürfe das russische Bruttoinlandspro-
dukt jährlich um 4,5 Prozent zulegen.
Auf dem Investitionsforum „Russia Cal-
ling!“ zeigte sich Wladimir Putin über-
zeugt, dass der Aufschwung anhalten
werde. Selbst bei einer zweiten Krisen-
welle werde das russische BIP von 2012
bis 2014 zwischen 2,5 und 3,7 Prozent
wachsen, zeigt man sich im russischen
Wirtschafsministerium überzeugt. Das
Haushaltsdefzit sei gering, ferner verfü-
ge das Land über immense Reserven und
proftiere von hohen Ölpreisen.
Russland Calling
Investments.
Die russischen Immobilienmärkte geraten abermals in den
Fokus westeuropäischer Investoren. Diesmal lockt das relativ stabile
Wirtschaftswachstum und die Kaufkraft einer wachsenden Mittelschicht.
Prozent zu rechnen, erklärte Herbert
Hainer, Vorstandschef des Sportartikel-
herstellers, jüngst in Moskau. Kam Adi-
das in der Region Russland/GUS 2010
auf 786 Millionen Euro Umsatz, will man
2012 die Marke von einer Milliarde Euro
knacken. Dort setzt Adidas verstärkt auf
eigene Läden. Ende 2011 dürfe es in der
Region 800 Stores geben. Bis 2015 sol-
len mindestens 400 hinzukommen. Das
Management geht davon aus, dass wegen
der Europameisterschaf 2012 in Polen
und der Ukraine Fußballprodukte in den
Groß-Events beflügeln
InsbesondereaufdenEinzelhandelsmärk-
ten sehen Marktbeobachter Chancen.
Mit dem steigenden Einkommen wird
die Mittelschicht größer. Im Durch-
schnitt geben Russlands Einwohner drei
Viertel ihres Einkommens für Konsum-
güter aus – europaweit sind es nur 40
Prozent. So verspricht sich beispielswei-
se Adidas in Russland enorme Absatz-
chancen. Bis 2015 sei jedes Jahr mit Um-
satzsteigerungen von mindestens zehn
Birgitt Wüst, Freiburg
Roter Platz heißt auf altrussisch auch schöner Platz. Ein ebensolcher verspricht
Russland auch aus Investorensicht wieder zu werden.
Foto: cloki/shutterstock.com