10. Allgäuer Baufachkongress
Baustoffindustrie sucht den Dialog
mit der Wohnungswirtschaft
Hauptthemen des vom Baustoffproduzenten Baumit organisierten 10. Allgäuer Baufachkongresses in Oberstdorf waren
die Energiewende und die energetische Gebäudesanierung. Unter den 1.350 Teilnehmern waren mehr Vertreter der
Wohnungswirtschaft als jemals zuvor.
„Wir in der Baubranche müssen aktiv intel-
ligente Netzwerke knüpfen“, sagte Baumit-
Geschäftsführer Ludwig A. Soukup am
Rande des Allgäuer Baufachkongresses, der
seit 1994 im Zweijahresrhythmus durchge-
führt wird. Dass sich in Oberstdorf unter-
schiedliche Kreise berühren, zeigte auch die
Besuchermischung, die sich von der Zusam-
mensetzung auf wohnungswirtschaftlichen
Fachtagungen deutlich abhob: Handwerker
in Jeans und Hemd, Geschäftsführer im
Anzug, Architekten im berufstypischen
Schwarz – und dazwischen nicht wenige
Vertreter der Wohnungswirtschaft.
Der Wohnungswirtschaft komme bei der
Netzwerkbildung „eine sehr hohe Bedeu-
tung“ zu, betonte Heiko Werf, Geschäfts-
bereichsleiter Vertrieb des auf Dämm-,
Farb- und Putzsysteme spezialisierten
Unternehmens Baumit. Immerhin rund 50
der insgesamt 1.350 Teilnehmer stammten
dieses Jahr aus der Wohnungswirtschaft,
und mit Hans-Otto Kraus von der GWG
München (siehe Interview) und Thomas
Hummelsbeck von der Rheinwohnungsbau
Düsseldorf waren auch zwei namhafte Refe-
renten aus der Wohnungswirtschaft nach
Oberstdorf gefahren.
Stimmen aus der Branche
„Wir müssen zeigen, welche Herausfor-
derungen auf die Wohnungswirtschaft
zukommen“, antwortete Hummelsbeck auf
die Frage der DW, was ihn zur Teilnahme
am Kongress bewegt habe. Dabei gehe es
um die zukunftsfähige Modernisierung des
Bestandes, aber auch um Ersatzneubau,
wie ihn die Rheinwohnungsbau Düsseldorf
mit der Solarsiedlung Düsseldorf-Garath
realisiert.
Einen wichtigen Stellenwert nimmt die
Kooperation mit Baustoffproduzenten auch
für Jürgen Beck ein, den Geschäftsführer
der Wohnungsbau GmbH Worms. Diese hat
eine Clusterinitiative zur CO
2
-Einsparung
im Geschosswohnungsbau gegründet.
Das Netzwerk aus Wohnungswirtschaft,
Kommune, Architekten, Handwerksbe-
trieben und Baustoffherstellern bereitet
derzeit die Sanierung eines markanten
Wohngebäudes in Worms vor und will so
laut Beck „den Akteuren ein praktisches
Beispiel an die Hand geben“.
Bereits mehrfach auf dem Allgäuer Kon-
gress war Klaus Jungmann, Prokurist bei
der Immobiliengruppe Saarbrücken, einem
Unternehmen der Landeshauptstadt
Saarbrücken. Als Architekt zeigte er sich
besonders interessiert an Anregungen für
künftige Sanierungsprojekte. Heike Bläse,
Bauleiterin bei der Wittenberger Woh-
nungsbaugesellschaft, fand den Workshop
zu Farbgestaltungsmöglichkeiten von Fas-
saden besonders spannend. „Denn“, so
Bläse, „wir haben in Wittenberg viele Plat-
tenbauten, die man farblich gut akzentu-
ieren kann.“
Schwerpunkt Energiewende
Neben zahlreichen Fachvorträgen zu Sanie-
rungsaspekten thematisierte das Kongress
programm den Einsatz von Social Media,
die Innenraumhygiene von Wohnungen
sowie insbesondere die Energiewende. In
einem nachdenklichen Grundsatzreferat
forderte Prof. Dr. Dr. Franz Josef Raderma-
cher, Vorstand des Forschungsinstituts für
anwendungsorientierte Wissensverarbei-
tung, zu einem differenzierten Umgang
mit der Energie- und Klimaschutzthematik
auf. Noch nie sei so viel Geld für Nachhal-
tigkeitsberichte ausgegeben worden, und
trotzdem seien die CO
2
-Emissionen noch nie
so hoch gewesen, gab er zu bedenken. „Wir
fahren im Moment voll gegen die Wand,
aber alle zertifiziert.“
In Sachen Klimaschutz könne man in
Deutschland „weltweit betrachtet nur sehr
wenig tun“, sagte Prof. Radermacher weiter.
Das sei „kein Argument, hier nichts zu tun“,
aber ein Grund, sich um einen möglichst
effizienten Einsatz der Mittel zu bemühen.
Unter Verweis auf seine für den GdW Bun-
desverband deutscher Wohnungs- und
Immobilienunternehmen erstellte Studie
zur sozialen Dimension des Klimaschutzes
mahnte der renommierte Nachhaltigkeits-
forscher, die sozialen Folgen der Energie-
wende nicht aus dem Blick zu verlieren.
Zur Frage, ob die Zukunft der Energieer-
zeugung zentral oder dezentral ist, stellten
zwei Experten zwei völlig unterschiedliche
Zu einem differenzierten Umgang mit der
Energie- und Klimaschutzthematik rief der
Nachhaltigkeitsexperte Prof. Dr. Dr. Franz
Josef Radermacher auf.
Quelle: Baumit GmbH
Thomas Hummelsbeck, Geschäftsführer der
Rheinwohnungsbau GmbH, stellte das Projekt
der Solarsiedlung Düsseldorf-Garath vor.
Quelle: Baumit GmbH
Die Wohnungswirtschaft
3/2012
58
Gebäude und Technik
Baufachkongress