Seite 59 - DIE_WOHNUNGSWIRTSCHAFT_2012_03

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treten können. Dieser Effekt ist bereits von
den Empfänger-Anschlusskabeln bekannt
In jeder Wohnung gibt es auch ein aus
nicht verdrillten Zweidrahtleitungen
aufgebautes Netz, nämlich das Stromnetz.
Mit Hilfe ausgefeilter Verfahren können
diese Netze inzwischen auch für die
Übertragung von Daten genutzt werden.
Dieses Konzept wird als Powerline Com-
munications (PLC) bezeichnet, wobei die
Verbindung zwischen dem Stromnetz und
den Geräten und Einrichtungen über so
genannte PLC-Adapter erfolgt. Sie haben
eine den Steckernetzteilen vergleichbare
Bauform und weisen einen entspre-
chenden Datenanschluss für die Geräte
und Einrichtungen auf. Das große Manko
von Stromnetzen besteht allerdings darin,
dass sie nicht für Kommunikationszwecke
konzipiert sind, sondern für die Nutzung
der elektrischen Energie. Dadurch ist eine
durchgängige Qualität bei der Daten-
übertragung nicht gesichert. Außerdem
weisen Netzkabel hohe Werte für die Stör-
strahlung auf, da hier weder Abschirmung
noch Verdrillung existiert.
Bei optischen Leitungen kommt für die
Übertragung Licht zum Einsatz. Dieses
wird in die als Faser bezeichnete optische
Leitung eingekoppelt und verbreitet sich
dort durch Reflexion an der Grenzschicht
zwischen dem inneren Kern und dem
umgebenden Mantel. Bei dem Material
für die optischen Fasern kann es sich um
Glas oder um Kunststoff handeln, es gibt
deshalb
Glasfasern
(GF) und
polymer-opti-
sche Fasern
(POF). Sie unterscheiden sich
durch die von der Leitungslänge abhängige
Dämpfung des optischen Signals. Hier hat
POF erheblich schlechtere Werte, ist dafür
aber gegenüber GF robuster und einfacher
in der Handhabung bei der Montage von
Steckverbindungen. Letzteres erfordert bei
Glasfasern hohe Präzision, weil sonst die
volle Leistungsfähigkeit dieses Mediums
nicht erreicht wird.
Das funkgestützte Heimnetz
Bei jedem Leitungsnetz sind Anschlüsse von
Geräten oder Einrichtungen systembedingt
stationär. Diese Ortsgebundenheit lässt sich
durch Einsatz von Funkverbindungen über-
winden. Es handelt sich dann um draht-
lose lokale Datennetze (wireless local area
network, WLAN), bei denen jeweils eine
Sendeeinrichtung die Wohnung funkmäßig
versorgt. Diese werden üblicherweise als
WLAN-Router bezeichnet. Es ist allerdings
zu berücksichtigen, dass durch Wände
und Decken die Ausbreitung der elektro-
magnetischen Wellen gedämpft wird und
deshalb gegebenenfalls nicht alle Räume
der Wohnung ausreichend versorgt werden.
Diesem Problem kann durch den Einsatz
so genannter WLAN-Repeater begegnet
werden. Dabei handelt es sich um Geräte,
die das Signal vom WLAN-Router emp-
fangen und es dann in die unversorgten
Bereiche der Wohnung abstrahlen. Jedoch
kann ein WLAN nur dann bestimmungs-
gemäß arbeiten, wenn die Geräte und Ein-
richtungen auch für WLAN ausgelegt sind.
Bei WLAN können auch Frequenzprobleme
auftreten, weil die für solche Funknetze ver-
fügbaren Frequenzen begrenzt sind und es
damit nur eine begrenzte Zahl von Kanälen
gibt. Werden nämlich in einem Wohnhaus
mehrere WLANs betrieben, dann kann es
bei gleichzeitiger Nutzung zu Störungen
kommen. Ein Wechsel auf einen anderen
WLAN-Kanal kann dies lösen.
Entscheidungshilfen
Bei den aufgezeigten Möglichkeiten für
die Realisierung des Heimnetzes stellt sich
die Frage nach der aus wirtschaftlicher
und betrieblicher Sicht besten Lösung.
Für die Beantwortung ist zwischen Neu-
baumaßnahmen und Bestandsbauten zu
unterscheiden. Neubauten bieten mehr
Freiheitsgrade, da alle Installationen neu
geplant werden müssen. Bei Bestands-
wohnungen ist dagegen stets Infrastruktur
vorhanden, deren Änderung nur im Einver-
ständnis mit dem Mieter möglich ist.
Bezogen auf den Internetzugang ist stets die
Glasfasertechnologie zu bevorzugen, weil
diese die größten Datenraten ermöglicht
und eine zukunftsorientierte Technologie
darstellt. Es sollte dabei in allen Fällen das
Konzept FTTH (fibre to the home) bevorzugt
werden, was die Führung der Glasfaser bis
zur Wohnung bedeutet. Dort befindet sich
der Wohnungsübergabepunkt (WÜP), der
die optischen Signale in elektrische Signale
für die weitere Verarbeitung im Heimnetz
umsetzt. Dies sollte für alle Wohnungen
angestrebt werden.
Beim Auf- beziehungsweise Ausbau eines
Heimnetzes sind folgende Gesichtspunkte
von Bedeutung:
<
Es müssen nicht alle Möglichkeiten des
vernetzten Wohnens von Anfang an
berücksichtigt werden.
<
Beim vernetzten Wohnen handelt es
sich um ein modulares Konzept, es ist
daher eine schrittweise Erweiterung
möglich. Es können ein oder mehrere
Insellösungen existieren, die sich zur
umfassenden Heimvernetzung erweitern
beziehungsweise verknüpfen lassen. Ein
Beispiel ist die „Insellösung“ Unterhal-
tungselektronik.
<
Bei der Heimvernetzung lassen sich
unterschiedliche Technologien gemischt
einsetzen. Dies erfordert allerdings
entsprechende Übergänge und Anpas-
sungen.
Lösungsansätze
Grundsätzlich bedarf es einer intensiven
Beratung der Mieter über die Möglichkeiten
des vernetzten Wohnens, um die damit ver-
bundenen Kosten für Technik und Nutzung
transparent zu machen und die notwendige
Akzeptanz zu bewirken.
Heute sollte bei Neubauten ein LAN mit
mindestens einer Anschlussdose in jedem
Raum der Wohnung zur Verfügung stehen.
Dies lässt sich auch mit Glasfaserleitungen
aufbauen, wobei dann die Umsetzung auf
elektrische Größen nicht im WÜP erfolgt,
sondern in der Anschlussdose. Wenn mittel-
fristig Geräte mit optischem Anschluss zur
Verfügung stehen, dann kann diese gegen
eine rein optische Version ausgetauscht
werden. Als Ergänzung zum leitungsge-
bundenen LAN erscheint das Angebot für
die Bereitstellung einer WLAN-Versorgung
hilfreich, weil damit Mieter auf bestimmte
Anwendungen gegebenenfalls einfacher
zugreifen können. Die Nutzung von PLC
sollte wegen der nicht garantierbaren Über-
tragungsqualität und der systembedingten
Störstrahlung nur in Ausnahmefällen zum
Einsatz kommen.
Bei Bestandswohnungen ist die Nach-
rüstung eines LAN wegen der damit ver-
bundenen Installationsmaßnahmen meist
problematisch. Es sollte deshalb der Einzel-
fall geprüft werden, um anhand des Bedarfs
des Mieters über die optimale Kombination
der Technologien entscheiden zu können.
Im Rahmen einer Modernisierung kann ein
mit Neubauten vergleichbarer Stand erreicht
werden. Heute ist für jede Anforderung des
vernetzten Wohnens eine angepasste und
leistungsfähige Technik zu finden.
Ulrich Freyer, Köln
Die Wohnungswirtschaft
3/2012
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