Seite 58 - DIE_WOHNUNGSWIRTSCHAFT_2012_03

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Anforderungen und Lösungswege
Technische Aspekte beim vernetzten Wohnen
Durch die intelligente Vernetzung der im Haushalt vorhandenen elektrischen und elektronischen Geräte und Einrichtungen ist
für den Mieter ein erheblicher Gewinn an Komfort erreichbar. Dieser Lösungsansatz steigert den Wohnwert, erfordert allerdings
sorgfältige Realisierung. Dabei dürfen die im Beitrag aufgezeigten technischen Aspekte nicht unberücksichtigt bleiben.
In jedem Haushalt gibt es eine Vielzahl
elektrischer und elektronischer Geräte und
Einrichtungen. Diese nutzen Elektrizität
entweder für informationstechnische oder
für energietechnische Zwecke. Sie befinden
sich an verschiedenen Stellen in der
Wohnung und sind eigenständig, was die
übliche Bezeichnung „stand alone“ verdeut-
licht. Für jeden Bedienvorgang, wie zum Bei-
spiel das Ein- und Ausschalten einer Lampe
oder die Kontrolle von Betriebszuständen,
muss sich der Nutzer zum jeweiligen Gerät
beziehungsweise zur jeweiligen Einrichtung
begeben. Dies ist zeitaufwändig und wenig
komfortabel.
Die Aufgabenstellung
Das Konzept des vernetzten Wohnens
basiert nun auf einer Vernetzung aller rele-
vanten Geräte und Einrichtungen in der
Wohnung. Sie werden dabei so miteinander
verbunden, dass ihre Steuerung und Über-
wachung von einer zentralen Stelle erfolgen
kann. Dafür bieten sich Zentraleinheiten
mit berührungsempfindlichen
Bildschirmen (Touchscreen)
an. Bei einem solchen Ansatz
dürfen allerdings die damit ver-
bundenen technischen Aspekte
nicht unberücksichtigt bleiben:
<
Die Geräte und Einrich-
tungen müssen für eine Ver-
netzung geeignet sein.
<
Das Heimnetz muss tech-
nisch realisiert werden.
Im Prinzip stellt jede Heimver-
netzung ein Bussystem dar, an
das alle betroffenen technischen
Einheiten angeschlossen sind
und die deshalb miteinander
kommunizieren können. Dies
erfolgt mit Hilfe von Datenpa-
keten, weshalb jede technische Einheit, die
eingebunden werden soll, dafür geeignete
Schnittstellen aufweisen muss. Jedes Daten-
paket weist ein Adressteil auf und ermöglicht
damit zielgerichtete Verknüpfungen. Die Zen-
traleinheit lässt sich prinzipiell an jeder belie-
bigen Stelle des Bussystems anschließen. Sie
kann einerseits gezielt Maßnahmen veran-
lassen, ermöglicht jedoch andererseits die
Information über die Betriebszustände aller
angeschlossenen Geräte und Einrichtungen.
Die Forderungen an das vernetzte Wohnen
beschränken sich allerdings nicht auf die
reine Fernsteuerung und Fernüberwachung
technischer Einheiten. Es wird vielmehr die
wirkungsvolle Verknüpfung aller anfallender
Daten und die selbsttätige Reaktion auf
Maßnahmen des Nutzers und bei kritischen
Situationen angestrebt. Die unten stehende
Abbildung verdeutlicht den Umfang der
möglichen Vernetzung.
Die für alle Aktivitäten erforderliche „Intel-
ligenz“ bedeutet den Einsatz entspre-
chender Software, die wie beim Smartphone
als Anwendung oder Applikation (App)
bezeichnet wird. Diese Anwendungen stehen
entweder unmittelbar im Heimnetz zur Ver-
fügung oder es handelt sich um externe
Anwendungen aus dem Internet, was zuneh-
mend von Bedeutung ist. Für das vernetzte
Wohnen ist deshalb ein entsprechend leis-
tungsfähiger Internetanschluss unabdingbar.
Das Heimnetz stellt somit ein Intranet dar,
ein privates beziehungsweise nicht-öffentli-
ches Netz mit dem Internet vergleichbaren
Leistungsmerkmalen. Für die Abwicklung
des Datenverkehrs wird auch hier das obliga-
torische Internet-Protokoll (IP) verwendet.
Das leitungsgebundene Heimnetz
Ein Heimnetz kann leitungsgebunden oder
funkgestützt aufgebaut werden. Bei den
Leitungen sind grundsätzlich folgende
Arten zu unterscheiden:
<
elektrische Leitungen
• verdrillte Zweidrahtleitungen,
• koaxiale Leitungen,
• nicht verdrillte Zweidrahtleitungen,
<
optische Leitungen
• Glasfaserleitungen,
• Polymerfaserleitungen.
Diese Leitungen sind zwar alle für den
Aufbau des Datennetzes in der Wohnung
geeignet, weisen jedoch spezifische Vor-
und Nachteile auf.
Die klassische Form der
verdrillten Zwei-
drahtleitung
ist das Telefonkabel. Abhängig
vom Durchmesser der beiden Adern können
damit auch höhere Datenraten übertragen
werden. Dabei nimmt allerdings die Gefahr
störender Abstrahlungen zu. Abhilfe bieten
Datenkabel, die einen dem Telefonkabel
vergleichbaren Aufbau haben,
jedoch zusätzlich eine Abschir-
mung aufweisen. Dadurch
lassen sich auch große Daten-
raten problemlos übertragen.
Mit Datenkabeln werden die
klassischen lokalen Datennetze
(local area network, LAN) auf-
gebaut, wobei der Anschluss
an Geräte über standardisierte
Steckverbindungen erfolgt.
Koaxiale Leitungen
sind im
Prinzip auch Zweidrahtlei-
tungen, jedoch wird hier der
Innenleiter in einem defi-
nierten Abstand vollständig
vom Außenleiter umgeben.
Dadurch ergibt sich eine aus-
geprägte Abschirmwirkung, weshalb Koaxi-
alkabel bestens für hochfrequente Signale
und damit auch für große Datenraten
geeignet sind. Beim Anschluss von Steck-
verbindungen an Koaxialkabeln muss sehr
sorgfältig gearbeitet werden, weil sonst
Leckstellen und dadurch Störstrahlung auf-
Konzept des vernetzten Wohnens
Quelle: BITKOM
Die Wohnungswirtschaft
3/2012
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Gebäude und Technik
Haustechnik