Seite 6 - DIE_WOHNUNGSWIRTSCHAFT_2012_03

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Kolumne Finanzmarktbericht
Neues von der KfW
Während die KfW in der Ver-
gangenheit dafür bekannt war,
die Förderungen mehr oder
weniger nach dem Gießkan-
nenprinzip zu verteilen, scheint
sich dies nun sukzessive zu än-
dern. Dies betrifft auch und vor
allem die Fördermöglichkeiten
für immobilienwirtschaftliche
Investitionen. Das langjährige
Programm „Wohnraum mo-
dernisieren“ wurde ersatzlos
gestrichen. Das ist aus unserer
Sicht nicht wirklich ein großer
Verlust. Schließlich entwickelte
sich dieses Programm – zumin-
dest in den letzten Jahren –
immer mehr zum Ladenhüter.
Die von der KfW angebotenen
Konditionen waren besonders
aufgrund des vierprozentigen
Damnums gerade für bonitäts-
starke Wohnungsunternehmen
nicht mehr interessant, konn-
ten sie sich doch Kapitalmarkt-
darlehen zu vergleichbaren
oder sogar besseren Konditio-
nen beschaffen. Das vorraus-
sichtlich ab 01.04.2012 neu
hinzukommende Programm
„KfW-Standard Effizienzhaus
Denkmal“ wird nicht wirklich
ein adäquater Ersatz sein. Die
Kreditkonditionen und vor
allem der Tilgungszuschuss
sind zwar interessant, aller-
dings führen die Fördervoraus-
setzungen – und hier speziell
die Auflage, dass es sich um
Denkmäler oder eine erhal-
tenswerte Bausubstanz han-
deln muss – zu einer starken
Einschränkung des Kreises der
potenziell Berechtigten.
Auch für das Programm „Al-
tersgerecht Wohnen“ gibt es
schlechte Nachrichten zu ver-
melden: Zwar läuft das Pro-
gramm weiter, aber aufgrund
der angespannten Haushalts-
lage des Bundes und der dar-
aus resultierenden Mittelstrei-
chung müssen die Zinssätze
deutlich angehoben werden.
Allerdings sind diese mit 1,91
bis 2,47 Prozent noch immer
vergleichsweise attraktiv. Wei-
terhin fördert die KfW den Bau
oder die Erweiterung von Pho-
tovoltaikanlagen. Aber durch
die planmäßige Kürzung der
Einspeisevergütung um zirka
15 Prozent wird die wirtschaft-
liche Vorteilhaftigkeit einge-
schränkt.
Glücklicherweise werden die
KfW-Programme 151 und 152
„Energieeffizient Sanieren“ zu
den alten Konditionen weiter-
geführt. Die Zinssätze wurden
erst im Herbst letzten Jahres
auf nun einheitlich 1,0 Prozent
abgesenkt – und das selbst bei
10-jährigen Zinsfestschreibun-
gen und 30-jährigen Laufzei-
ten. Damit sind diese, selbst
bei den momentan sehr nied-
rigen Kapitalmarktzinsen, kon-
kurrenzlos günstig. Da heißt es
frei nach dem Motto „Wer zu-
erst kommt, mahlt zuerst“: Zu-
greifen, solange es noch Mittel
zu diesen Niedrigzinsen gibt!
Eine Inanspruchnahme von
KfW-Mitteln für Neubauvorha-
ben („Energieeffizient Bauen“)
lohnt sich unseres Erachtens
nur, wenn das Bauvorhaben
von vornherein als Niedrig-
energiehaus entsprechend den
Vorgaben der EnEV 2009 als
Passivhaus oder entsprechend
des KfW-Effizienzhauses 40,
55 oder 70 geplant ist. Ande-
rerseits wiegen die Zinsvorteile
bei der KfW die Mehrkosten
im Bau in der Regel nicht auf.
Voraussichtlich zu Beginn des
nächsten Jahres werden mit
Einführung der EnEV 2012 die
Anforderungen an die Energie-
einsparung weiter steigen.
Zinskonditionen und Finanz-
nachrichten finden Sie unter
Sven Rudolph, BBT GmbH
Kay Schorsch, BBT GmbH
Am Jahresende
2010 bezogen
in Deutschland rund 852.000
Haushalte Wohngeld. Wie das
Statistische Bundesamt (Desta-
tis) weiter mitteilt, waren das
2,1 Prozent aller privaten Haus-
halte. Der Anteil war damit
gegenüber 2009 unverändert.
Wohngeld ist ein von Bund und
Ländern je zur Hälfte getragener
Zuschuss zu den Wohnkosten.
Dieser wird einkommensschwä-
cheren Haushalten gewährt. In
den neuen Ländern (ohne Ber-
lin) wird Wohngeld fast doppelt
so häufig in Anspruch genom-
men wie im früheren Bundesge-
biet (einschließlich Berlin). Am
Jahresende 2010 bezogen 3,4
Prozent aller ostdeutschen und
1,9 Prozent aller westdeutschen
Privathaushalte Wohngeld.
Deutschlandweit waren von
den Wohngeldhaushalten 56
Prozent Einpersonenhaushalte,
23 Prozent Haushalte mit vier
oder mehr Personen, 13 Prozent
Zweipersonenhaushalte und
acht Prozent Dreipersonenhaus-
halte.
Destatis
2,1 Prozent der Haushalte
­bezogen 2010 Wohngeld
Wie aus einer Antwort
der
Bundesregierung auf eine An-
frage der Fraktion Bündnis 90/
Die Grünen hervorgeht, stehen
für die KfW-Gebäudesanie-
rungsprogramme in 2012 statt
der angekündigten 1,5 Milliar-
den Euro nur noch 900 Millio­
nen Euro zur Verfügung. „Die
Energiewende implodiert, noch
bevor sie begonnen hat, wenn
es nicht gelingt, die verbindlich
zugesagten Mittel zu sichern“,
mahnte Axel Gedaschko, Vorsit-
zender der Bundesvereinigung
Spitzenverbände der Immobi-
lienwirtschaft (BSI) und Präsi-
dent des GdW Bundesverban-
des.
Aus Sicht der BSI wären eigent-
lich rund fünf Milliarden Euro
notwendig gewesen, um die
Energieziele zu erreichen. Der
Bundestag hatte dennoch nur
1,5 Milliarden Euro beschlossen.
Dass selbst diese Mittel auf-
grund niedrigerer Einnahmen
des Energie- und Klimafonds
nicht vollständig zur Verfügung
stehen sollen, könnte irreparab-
le Schäden verursachen, so Ge-
daschko. „Denn die Wohnungs-
und Immobilienunternehmen
können Entscheidungen für
energetische Sanierungen nur
treffen, wenn sie Planungssi-
cherheit und eine verlässliche
Mittelausstattung der Förder-
programme haben.“
Seit fast drei Jahren herrscht
Verunsicherung bei den Markt-
teilnehmern durch das ständige
Hin und Her bei der Finanzie-
rung der Gebäudesanierung.
Das haben auch die zurückge-
henden Anfragen bei der KfW
nach Fördermitteln in 2011
gezeigt. „Wenn die Bundesre-
gierung hier nicht nachjustiert,
droht die Energiewende zu
scheitern“, so Gedaschko.
Der BSI-Vorsitzende forderte die
Bundesregierung dringend auf,
die fehlenden Mittel an anderer
Stelle aus dem Bundeshaushalt
zu nehmen oder innerhalb des
Energie- und Klimafonds umzu-
schichten.
BSI zur Energiewende
Nur noch 900 Millionen Euro
für die Gebäudesanierung
Die Wohnungswirtschaft
3/2012
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