Seite 49 - DIE_WOHNUNGSWIRTSCHAFT_2012_03

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Mitarbeiterworkshops
und Vieraugengespräche
Vor diesem Hintergrund ließ die „Trave“
erneut einen Mitarbeiterworkshop, eine
Führungskräfterunde sowie erstmals auch
Mitarbeiter-Einzelgespräche durchführen.
Im Rahmen des eintägigen Mitarbeiter-
workshops erfuhren die Mitarbeiter der
Vermietung das Testergebnis im Detail. In
vertrauensvoller Atmosphäre ohne Vorge-
setzte erfolgte eine intensive Aufarbeitung
des Vermietungsprozesses sowohl aus Sicht
der Interessenten als auch der einzelnen
Mitarbeiter. Gemeinsam wurden Hand-
lungserfordernisse und Lösungsansätze for-
muliert, die in der später durchgeführten
Führungskräfterunde auf die nächste Ebene
gehoben wurden. In einstündigen Vierau-
gengesprächen erfuhren die Mitarbeiter
darüber hinaus ihre eigenen Testergebnisse
und wurden in Bezug auf ihre individu-
ellen Potenziale hin durch F+B gecoacht.
Die Teilnahme an diesen Einzelgesprächen
wurde den Mitarbeitern von der Geschäfts-
führung freigestellt. Wie in vielen anderen
Wohnungsunternehmen zeigten auch die
Mitarbeiter der „Trave“ ein großes Interesse
an ihren persönlichen Testergebnissen. Sie
nutzten die Gespräche aber auch aktiv, um
in vertrauensvoller Atmosphäre auf Defizite
im Prozess hinzuweisen, die dann anonymi-
siert in die Führungsebene weitergegeben
werden sollten. So konnte die Evaluierung
der Vermietung um eine wichtige Perspek-
tive erweitert werden.
Fazit
Vermietungstests als Variante des so
genannten Mystery Shoppings stellen eine
gute Möglichkeit dar, sowohl die Organisa-
tion und die Prozesse als auch das einge-
setzte Personal in der Neuvermietung eines
Wohnungsunternehmens zu testen und zu
evaluieren. Sie stellen wie kaum ein anderes
Beratungsinstrument die Perspektive des
Kunden, die über den wirtschaftlichen Erfolg
der Vermietung entscheidet, in den Mittel-
punkt. Unabhängig von eigenen, interpretier-
baren Erfolgskennziffern des Unternehmens
machen die neutralen Testanmietungen
Stärken wie auch Defizite sichtbar und
setzen diese in differenzierte Benotungen
um, die mit den Branchenbenchmarks vergli-
chen werden können. Gerade in regionalen
Wohnungsmärkten mit Angebotsüberhang
kann ein Vermietungstest mit anschlie-
ßender Optimierung der Vermietung durch
das Unternehmen einen entscheidenden
Wettbewerbsvorteil liefern.
Kerstin Rieke, F+B Forschung und Beratung
für Wohnen, Immobilien und Umwelt GmbH
Quelle: F+B
Interview mit Dr. Matthias Rasch, Geschäftsführer der Grundstücks-Gesellschaft „Trave“ mbH, Lübeck
Vermietungstests decken Defizite schonungslos, aber sachlich auf
Vertriebstests werden zunehmed genutzt, um Optimierungspotenziale im Vermietungsablauf und Kundenkontakt zu
identifizieren. Die DW fragt nach der Bedeutung der Ergebnisse für die Prozessoptimierung und die Schritte, die nach
Vorliegen der Ergebnisse notwendig sind.
Herr Dr. Rasch, die „Trave“ hat inzwi-
schen zum zweiten Mal einen umfas-
senden Vermietungstest durchführen
lassen. Wo sehen Sie die Vorteile dieser
Analysemethode?
Dr. Rasch:
So wie der Test konzipiert
ist, leistet er eine sehr authentische und
umfassende Prüfung des gesamten Anmie-
tungsprozesses. Die eingesetzten Tester
agieren wie reale Kunden und liefern mit
ihrer Analyse und Bewertung einen unver-
fälschten Einblick in
Angebotsverhalten
und Strukturen. Sie
decken Stärken und
Schwächen auf, die
man im Alltag viel-
leicht nicht mehr
wahrnimmt , di e
aber letztlich über
den wirtschaftlichen
Erfolg entscheiden.
Welche wesentlichen Erkenntnisse
konnten Sie aus den Testergebnissen
gewinnen? Gibt es konkrete Handlungs-
ansätze, die auf Basis der Testergebnisse
von Ihnen angedacht sind?
Dr. Rasch:
Nach dem ersten Test haben
wir vorrangig Strukturen verbessert, zum
Beispiel eine Teamleitung zur Steuerung
aller Vermietungsaktivitäten installiert und
die Wohnungsbesichtigungen nur noch von
Vermietungsmitarbeitern begleiten lassen.
Dr. Matthias Rasch
Quelle: privat
Die Wohnungswirtschaft
3/2012
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