spätere Aktivitäten vorzubereiten: „Zum
Konzept gehören Wohncafés, die wie nach-
barschaftliche Wohnzimmer funktionieren
und auch Senioren von nebenan zur Verfü-
gung stehen, Plätze für gemeinsame Mahl-
zeiten und gesellige Treffen“, so Ursula
Schroers.
Kooperiert wird bei allen Projekten mit
ambulanten Pflegediensten, die rund umdie
Uhr im Einsatz sind. Damit können Senioren
auch bei schwerster Pflegebedürftigkeit in
der eigenen Wohnung bleiben. Ebenfalls im
Angebot sind hauswirtschaftliche Dienst-
leistungen aller Art und die Vermittlung
von Veranstaltungen. Dafür kooperiert die
GBH mit verschiedenen Trägern der Wohl-
fahrtspflege. „Angebote zur Unterstützung
und zum nachbarschaftlichen Miteinander
sind kein Zwang, stehen aber allen jederzeit
offen“, sagt die Geschäftsstellenleiterin.
Grundgebühren fallen bei Wohnen plus
nicht an, Pflegeleistungen, Haushaltshilfen,
Fahrdienste und Weiteres werden einzeln in
Rechnung gestellt.
WG Bützow
Als erstes Neubauvorhaben nach der Wende
stellte die WohnungsGenossenschaft eG
Bützow (WG Bützow) in Mecklenburg-
Vorpommern 2011 auf dem Gelände einer
ehemaligen Kaufhalle einen Neubau mit
zwölf altengerechten Wohnungen fertig.
Die Zwei- und Dreizimmerwohnungen mit
51 und 67 Quadratmetern Wohnfläche sind
barrierefrei und stufenlos zugeschnitten,
ebenerdig von außen oder mit dem Fahr-
stuhl zu erreichen. Balkons und Terrassen
sind sowohl von der Küche als auch vom
Wohnzimmer erreichbar. Im mittleren der
drei Gebäudeteile sind ein Friseur- und
Kosmetiksalon, eine Physiotherapie sowie
eine medizinische Fußpflege eingezogen.
Die Räume auf der Dachterrasse bewohnt
der Betreuungsverein Miteinander e. V., der
ältere und behin-
derte Menschen,
die ihre Haushalts-
führung nicht mehr
meistern können,
unterstützt. Etwa
15 Mieter der WG
Bützow nutzen
derzeit die Hilfsan-
gebote des Betreu-
ungsvereins.
Neuwoges
Die Neubranden-
burger Wohnungs-
gesellschaft mbH (Neuwoges) hat nach
einer Kundenbedarfsanalyse im April 2008
ein neues Seniorenkonzept entwickelt und
ist nach eigenen Angaben der führende
Anbieter für seniorengerechtes Wohnen in
der Region Neubrandenburg. Der derzei-
tige Marktanteil von 15 Prozent am Seni-
orenwohnen soll bis 2015 auf 35 Prozent
erhöht werden, das entspricht dem Bau
oder Umbau von 300 Wohnungen jähr-
lich. „Überall wo es technisch und baulich
möglich ist, rüsten wir Wohnungen um und
auf“, sagt Susanne Jeske, Leiterin Soziale
Dienste bei der Neuwoges.
Mit vielen differenzierten Angeboten und
Dienstleistungen setzt die Gesellschaft
bewusst auf das Thema Lebensqualität im
Alter und spricht speziell auch Mieter mit
gesundheitlichen Beeinträchtigungen an.
„Das können Altershilfen in der jetzigen
Wohnung sein, der Umzug in eine senio-
rengerecht ausgestattete Wohnung, eine
Wohngemeinschaft mit Gleichgesinnten
oder die Rundumbetreuung im Senioren-
wohnhaus“, erklärt Susanne Jeske. Soziale
Kontakte werden durch soziokulturelle
Rahmenprogramme gefördert, die Mie-
terzeitung hat spezielle Seniorenseiten.
Dem Bedürfnis nach Sicherheit kommt das
unternehmenseigene Hausnotrufsystem
entgegen. „Mit dem Thema Senioren-WG
stehen wir in den Startlöchern, finden aber
trotz aktiver Aufklärungsarbeit noch wenig
Akzeptanz dafür“, bedauert Jeske.
In den fünf bestehenden Seniorenwohn-
anlagen der Neuwoges erleichtern allerlei
praktische Einrichtungen wie gegenüber-
liegende Ärztehäuser und Einkaufscenter
den Alltag. „Für viele Bewohner ist das
Gemeinschaftsleben aber viel wichtiger“,
sagt Jeske. Die Begegnungsstätte, die alle
Bewohner erreichen können, ohne aus dem
Haus zu müssen, sei für viele Mieter mit
körperlichen Beschränkungen die einzige
Möglichkeit, noch gesellig zusammenzu-
kommen. Und so wird in den Räumen in
der zweiten Etage gemeinsam Fasching,
Frauentag oder Weihnachten gefeiert,
finden Vorlesungen, kleine Theatervor-
stellungen und Malkurse statt. „Die Basis
dafür sind langjährige und zuverlässige
Partnerschaften mit Wohlfahrtsverbänden
und freien Trägern“, erklärt sie. Zu den
Vorhaben für das kommende Jahr gehören
zwei Demenz-WGs, die zusammen mit der
Caritas in einer der bestehenden Wohn-
anlagen eingerichtet werden sollen: „Wir
werden zunehmend mit dem Thema kon-
frontiert und sehen hier einen besonderen
Versorgungsauftrag“, sagt Jeske.
Veringeck
Ein in Deutschland einzigartiges Modellpro-
jekt für interkulturelles Seniorenwohnen, das
Veringeck, ist soeben innerhalb der Interna-
tionalen Bauausstellung IBA in Hamburg-
Wilhelmsburg fertig gestellt geworden. Das
viergeschossige KfW-Effizienzhaus 70 mit
2.657 Quadratmetern Fläche bietet 18 bar-
rierefreie Seniorenwohnungen von 40 bis
60 Quadratmetern für Senioren aus unter-
schiedlichen Kulturkreisen. Die Nettokalt-
miete liegt zwischen 250 und 400 Euro.
Eingerichtet werden soll auch eine Wohn-
gemeinschaft für Demenzkranke türkischer
Herkunft und eine Tagespflegeeinrichtung
für zwölf Senioren.
„Das Veringeck leistet einen modellhaften
Beitrag zum IBA-Leitthema Internatio-
nale Stadtgesellschaft“, erklärte IBA-Chef
Uli Hellweg beim Tag der offenen Tür im
November. Highlighs sind eine Tagesstätte,
ein Hamam – ein türkisches Dampfbad –
sowie ein Café. Diese Einrichtungen sind
wie die zahlreichen offenen Bereiche vor
den Wohnungen auch für die Nachbar-
schaft geöffnet und sollen Raum für Begeg-
nungen und gemeinschaftliche Aktivitäten
bieten. Ältere Menschen können je nach
Bedarf ambulante Unterstützung und
Pflege in Anspruch nehmen, sagt Hellweg.
Dabei will der Betreiber des Veringeck, der
Pflegedienst „Multi-Kulti“, für kultursen-
sible Pflegeangebote sorgen. Realisiert wird
das dreieinhalb Millionen Euro teure Projekt
von der GbR Veringeck zusammen mit der
Behörde für Gesundheit und Verbraucher-
schutz und der IBA Hamburg. 300.000 Euro
kamen als Zuschuss von der IBA, 225.000
Euro gab die Stadt Hamburg.
Sabine Richter, Hamburg
Wohncafé der GBH Hannover
Quelle: GBH Hannover
Die Wohnungswirtschaft
3/2012
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