Seite 29 - DIE_WOHNUNGSWIRTSCHAFT_2012_03

Basic HTML-Version

von zweieinhalb Jahren. Katrin Mahdjour
stellte die drei zentralen Themenbereiche
vor: den baulichen, den sozialen und den
ökonomischen. Die bauliche Bestandsana-
lyse und Konzeptentwicklung dient dazu,
bequeme und barrierearme Lösungen für
Innen- und Außenbereiche zu finden. Die
Ergebnisse sollen später auf die Bestände in
ganz Berlin übertragen werden können.
Ein wichtiger Baustein dabei ist die Betei-
ligung der Bewohner und die Konzipierung
sozialer Maßnahmen. Dafür ermittelt die
GEWOBAG in Befragungen die Bedürf-
nisse und Wünsche der Mieter und ent-
wirft Kommunikationsstrategien. Neben
dem Umbau sollen passende soziale
Angebote für ein möglichst langes selbst-
bestimmtes Wohnen sorgen. Dazu fördert
die GEWOBAG zum einen den nachbar-
schaftlichen Kontakt, etwa durch Veran-
staltungen in den Gemeinschaftsräumen.
Zum anderen baut sie Kooperationen mit
professionellen Sozialdiensten und Ehren-
amtlichen aus und strebt eine vermehrte
Vernetzung der Häuser mit den Kiezen an.
Einige starke Partner hat die GEWOBAG
schon gewonnen. Unter anderem arbeitet
sie mit Mobilitätshilfsdiensten, dem Nach-
barschaftsheim Schöneberg und den Ber-
liner Pflegestützpunkten zusammen.
Altersgerechter Umbau um jeden Preis
kommt dabei für die GEWOBAG nicht in
Frage. Deshalb wird das Verhältnis von
Modernisierungsaufwand und Mieterhö-
hungsspielraum untersucht. Ein beson-
deres Augenmerk richtet das Unternehmen
dabei auf die Bedürfnisse von Mietern
im Niedrig­einkommensbereich. In Berlin
bezogen laut dem „Datenreport 2011“ der
Bundeszentrale für politische Bildung Ende
2008 über 19 Prozent der Bürger staatliche
Transferleistungen wie Arbeitslosengeld II
oder Grundsicherung. Darunter sind auch
GEWOBAG-Mieter. „Wie wir barrierearmes
Wohnen mit sozialen Serviceangeboten für
alle kostengünstig und effizient umsetzen
können, beschäftigt uns als sozial enga-
giertes Wohnungsunternehmen sehr“, sagte
Mahdjour.
Mehr Erkenntnisse
Beim Umbau der vier Seniorenhäuser
setzt die GEWOBAG in jedem Objekt bei-
spielhaft verschiedene Schwerpunkte. Im
Westphalweg 7 stand die exemplarische
Neugestaltung einer Musterwohnung ein-
schließlich Eingangsbereich, Treppenhaus
und Flur im Fokus. Zu den Maßnahmen
gehörten unter anderem die Montage von
Taschenablageflächen unter den Brief-
kästen. Zur besseren Orientierung wurde
im Flur ein zweifarbiger Bodenbelag
verlegt und die Beleuchtung neben den
Wohnungstüren angebracht. Die Woh-
nungen erhielten bodengleiche Duschen
und stufenfreie Zugänge zum Balkon.
Um das Miteinander der Bewohner zu
fördern, wurde eine Erdgeschosswohnung
zum Gemeinschaf tsraum mit altersge-
rechten Möbeln und barrierefreiem WC
umfunktioniert. Auf die Intensivierung
des Zusammenlebens konzentriert sich die
GEWOBAG auch im Seniorenwohnhaus im
Lichtenrader Damm 52-57. Der Gemein-
schaftsraum des Gebäudes wird deshalb
mit einer optimierten Küche ausgestattet.
Außerdem bekommen die Bewohner eine
Bibliothek. Schon im Haus untergebracht
sind ein Pflegedienst und ein Familienzen-
trum. „Das bringt ein bisschen Jugend ins
Haus“, freut sich Katrin Mahdjour. Allge-
mein sei es bedeutsam, Räume zur Verfü-
gung zu stellen, damit die Mieter in den
Quartieren mehr voneinander wissen und
sich so gegenseitig unterstützen können.
Erkenntnisse zur Gestaltung der Außen-
anlagen sollen in der Winterfeldtstraße
70 gewonnen werden. Am dortigen Seni-
orenwohnhaus wird 2012 ein altersge-
rechter Garten mit gut erkennbaren Wegen,
Rampen sowie Stellplätzen für Rollstühle
angelegt. Die Mieter waren an der Planung
beteiligt und wurden dabei von einer Gar-
tentherapeutin sowie dem Seniorenservice
der GEWOBAG unterstützt.
Identifizierung von Sicherheitsmaßnahmen
lautet die Fragestellung im Seniorenwohn-
haus in der Bülowstraße 92-95. Zu den
geplanten Maßnahmen gehören die farb-
liche Neugestaltung des Eingangsbereichs
und die Bereitstellung eines Concierge-
Dienstes (siehe hierzu auch das Thema des
Monats in DW 2/2012).
Nicht immer ist alles möglich
Nicht jedes Haus kann hundertprozentig
altersgerecht umgebaut werden. „Wir
stoßen dabei immer wieder an die Grenzen
des baulich Machbaren“, erklärte Katrin
Mahdjour. Zum Beispiel bei Häusern,
deren Aufzug sich auf einer Zwischen­
etage befinden. Hier sei ein Umbau, durch
den das Treppensteigen vermieden würde,
mit hohen Kosten verbunden. Das könne
den Mietern nicht zugemutet werden. Wo
größere Umbauten keinen Sinn machten,
setze die GEWOBAG auf die Wirksamkeit
der sozialen Angebote: „Gemeinschaft
kann vieles auffangen, was technisch nicht
umsetzbar ist.“ Deshalb sei es wichtig, sich
neuen FormengemeinschaftlichenWohnens
zu öffnen, so Mahdjour. Die GEWOBAG ist
bereits mit einigen Gruppen in Kontakt und
sucht nach Wegen, wie diese gemeinsam
zur Miete wohnen können – zum Beispiel
sind die notwendigen vertraglichen Grund-
lagen und entsprechenden Wohnrechtsmo-
delle zu entwickeln.
Die Entwicklung zukunftsfähiger Wohn-
formen nimmt die GEWOBAG als städtisches
Unternehmen sehr ernst. Katrin Mahdjour:
„In Berlin haben wir noch die Chance, eine
lebendige Mischung in den Quartieren zu
behalten. In anderen Städten findet bereits
die Umsiedlung ärmerer älterer Menschen in
die Außenbezirke statt. Unsere Forschungs-
bemühungen sollen dazu beitragen, Häuser
und Quartiere zu Orten des Wohnenblei-
bens zu machen.“
Dr. Gabriele Mittag
Pressesprecherin
GEWOBAG Wohnungsbau-AG, Berlin
Umgebaute GEWOBAG-
Wohnungen im Westphalweg.
Altersgerechtes Umbauen erfor-
dert viele Detaillösungen, um
alten Menschen den Verbleib
in den eigenen vier Wänden zu
ermöglichen. Links: barrierefreier
Zugang zum Balkon. Rechts: Da
ältere Menschen Licht und Farben
anders wahrnehmen, wurde ein
spezielles Farbkonzept für den Flur
gewählt.
Quelle: GEWOBAG
Die Wohnungswirtschaft
3/2012
27