GEWOBAG Wohnungsbau-AG, Berlin
Das Zuhause der Zukunft
Neue Wohnformen für Jung und Alt standen im Mittelpunkt der Veranstaltung „Wohnen (bleiben) im Kiez“ Mitte November
2011 im Berliner Rathaus Schöneberg. Unter den Kooperationspartnern des Aktionstags befand sich auch das Berliner
Wohnungsunternehmen GEWOBAG. Das städtische Unternehmen stellte sein Engagement im Bereich altersgerechtes
Wohnen vor.
Im Jahr 2050 werden nach Angaben des
Statistischen Bundesamts mehr als zehn
Millionen Menschen in Deutschland 80
Jahre oder älter sein. Eine der Zukunfts-
fragen lautet, welche Wohnformen die
Bedürfnisse einer zunehmend alternden
Bevölkerung auffangen können. Dr. Sibyll
Klotz, Bezirksstadträtin für Gesundheit, Sozi-
ales und Stadtentwicklung in Tempelhof-
Schöneberg, brachte in der Eröffnungsrede
der Veranstaltung „Wohnen (bleiben) im
Kiez“ einen der wichtigsten Aspekte auf
den Punkt: „Wohl jeder Mensch hat den
Wunsch, den Umzug in eine Pflegeeinrich-
tung möglichst lange hinauszuzögern oder
sogar ganz zu vermeiden. Jeder möchte in
seinem Kiez bleiben, wo er die Nachbarn,
Straßen und Geschäfte kennt.“
Innovationen zum Nutzen aller
Die GEWOBAG möchte ihren Mietern
diesen Wunsch erfüllen und sucht nach ein-
fachen Lösungen für altersgerechte Anpas-
sungen, die den Verbleib in den eigenen
vier Wänden von jungen Jahren bis ins hohe
Alter ermöglichen. Lutz Freitag, Aufsichts-
ratsvorsitzender der GEWOBAG, betonte
bei der Podiumsdiskussion im Rathaus
Schöneberg den gesamtgesellschaftlichen
Nutzen dieser Bemühungen. „Attraktive
Wohnungen fürs Alter sind eine Win-win-
Situation: Die Bewohner können in ihrem
vertrauten Umfeld bleiben, für die Gesell-
schaft entstehen weniger Pflegeheimkosten
und den Wohnungsunternehmen bleiben
treue Mieter erhalten.“
Erste Schritte hat die GEWOBAG bereits
unternommen. Seit Mai 2010 entwickelt sie
gemeinsammit PartnernwiedemBezirksamt
Tempelhof-Schöneberg und dem Nachbar-
schaftsheim Schöneberg im Rahmen des
Bundesmodellvorhabens „Altersgerecht
umbauen“ zukunftsfähige Konzepte für
altersgerechtes Wohnen. Sehr viel Wert legt
das Unternehmen dabei auf eine nachhal-
tige Modernisierung. Die Gebäude sollen
über mehrere Jahrzehnte attraktiv für Mieter
sein. Deswegen werden Anpassungen
gesucht, die junge und alte Mieter optisch
ansprechen und mehr Bequemlichkeit für
alle Generationen schaffen. „Altersgerecht
ist eben nicht gleichbedeutend mit altenge-
recht“, betonte Katrin Mahdjour vom tech-
nischen Objektmanagement der GEWOBAG
beim Aktionstag.
Das Unternehmen Empirica und das Büro
Feddersenarchitekten begleiten das Projekt
wissenschaftlich. Das Bundesministerium
für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
(BMVBS) und das Bundesinstitut für Bau-,
Stadt- und Raumforschung (BBSR) fördern
dabei bundesweit 20 Modellvorhaben. Ziel
ist es, kostengünstige Wege zu finden und
Barrieren im Bestand abzubauen. Gebäude
und Wohnungen sollen baulich so ange-
passt werden, dass sie für das Wohnen im
Alter besser geeignet sind. Ferner werden
Förderbausteine, die für eine KfW-Förde-
rung Grundlage sind, auf Erweiterungsmög-
lichkeiten untersucht.
Im Kleinen fürs Große forschen
Möglichkeiten des altersgerechten Umbaus
erforscht dieGEWOBAGauch an vier ihrer 40
Seniorenwohnhäuser über einen Zeitraum
Lebenslanges Wohnen
Hannelore Müller ist 100 Jahre alt und wohnt seit ihrem fünften Lebensjahr in einem
Haus der GEWOBAG in Pankow. Eine solche Mietertreue ist natürlich eine Seltenheit.
Wer wird schon hundert Jahre alt? Aber eine Mietertreue über einige Jahrzehnte
kommt schon häufig vor bei den Bewohnern in den mehr als 50.000 Wohneinheiten
der GEWOBAG, einem der größten städtischen Wohnungsunternehmen in Berlin. Auch
Margot Hilscher im Bezirk Tempelhof-Schöneberg ist Ende Dezember 2011 100 Jahre
alt geworden und wohnt seit 50 Jahren in der Meraner Straße. Diese beiden Miete-
rinnen haben das, was sich viele wünschen: Dort alt werden, wo man seit Jahrzehnten
lebt. Davon hört man in der Öffentlichkeit natürlich wenig. Kaum eine Woche vergeht,
in der die Medien nicht auf den demografischen Wandel hinweisen und düstere Bilder
von der Zukunft, der Altersarmut und der Isolation im Alter zeichnen. Tatsächlich gibt
es Handlungsbedarf, allemal für ein kommunales Unternehmen wie die GEWOBAG,
damit sich möglichst viele Menschen lange in ihren Wohnungen wohlfühlen können.
Und der Handlungsbedarf bezieht sich nicht nur auf den „altersgerechten“ Umbau
von Beständen, sondern auch in dem Ausloten von neuen Wohnformen für Jung und
Alt. (Namen geändert)
Die Veranstaltung im Rathaus Schöneberg richtete sich an Mieter und Mietinteressierte. Eine
Mitarbeiterin berät am GEWOBAG-Stand.
Quelle: GEWOBAG
Die Wohnungswirtschaft
3/2012
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Wohnungsmarkt
Altersgerechtes Wohnen