Seite 24 - DIE_WOHNUNGSWIRTSCHAFT_2012_03

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Fachtagung „Neue Werte auf alten Flächen“
Erfolgreiches Flächenrecycling
braucht Vorbereitung
Wachsende Städte wie Hamburg stehen seit Jahren vor der Herausforderung, wirtschaftliches Wachstum mit einer nachhal-
tigen Flächenentwicklung in Einklang zu bringen. Auch verschmutzte Industriebrachen haben mitunter großes Potenzial.
Wohnungsunternehmen, Grundeigentümer, Investoren und Nutzer schaffen in zahlreichen Projekten „Neue Werte auf alten
Flächen“ und sammeln Erfahrungen mit dem Flächenrecycling. Diesen – auch über Hamburg hinaus wirkenden – Erkennt-
nissen widmete sich eine Fachtagung über Flächenrecycling zwischen städtischem Wandel und ökonomischem Nutzen an
der Elbe.
Der Hotelier Kai Hollmann war sich im
Klaren darüber, was auf ihn zukommen
würde. In Hamburg-Bahrenfeld kaufte
er 1993 das Gelände des ehemaligen
städtischen Gaswerks. Die Befreiung des
Geländes von seinen Altlasten nahm
enorm viel Zeit und Geld in Anspruch. „Der
Aufwand hat sich auf jeden Fall gelohnt“,
sagt Hollmann heute zurückblickend. Doch
was dort alles zutage kam, hätte er sich
nicht träumen lassen. Das Ergebnis, der
Otto-von-Bahrenpark mit einer Mischnut-
zung aus Büros, Geschäften, Hotels, einem
Fitnesscenter, Restaurants und Eigentums-
wohnungen, kann sich sehen lassen. Das
Beispiel der Sanierung des ehemaligen
Gaswerks in Hamburg-Bahrenfeld wählte
die Hamburger Behörde für Stadtent-
wicklung und Umwelt (BSU) deshalb für
ihre Fachtagung „Neue Werte auf alten
Flächen“. Sie fand im dort entstandenen
Hotel „Gastwerk“ statt.
Anforderungen
bei der Brachflächenentwicklung
Einen Tag lang informierten Behörden und
Experten über alle Details rund um das
Thema Flächenrecycling. Das Thema hat
in Hamburg eine besondere Aktualität:
Bauland ist nur noch begrenzt verfügbar.
Zwar gibt es in der Hansestadt noch einige
Brachflächen, aber die meisten sind weder
für Gewerbe- noch für Wohnungsbau
geeignet. Der Grund: Jahrzehnte indus-
trieller Entwicklung ohne ausreichende
Umweltschutzmaßnahmen und die Kriegs-
ereignisse haben Spuren im Hamburger
Boden hinterlassen. Deshalb steht vor
jeder Bauplanung eine gründliche Unter-
suchung des Bodens auf Schadstoffe und
Blindgänger. Letztere werden insbeson-
dere im Hafengebiet immer wieder aufge-
spürt. Dafür ist der Kampfmittelräumdienst
zuständig. „Tatsächlich ist die vorgeschrie-
bene Kampfmitteluntersuchung eines der
Haupthindernisse beim Flächenrecycling
in den Großstädten, weil sie ein Unsicher-
heitsfaktor im Planungs- und Bauablauf
ist“, konstatierte Joachim Sanden vom
Umweltschutzamt der BSU. „Wir stehen
in Hamburg unter erheblichem Entwick-
lungsdruck“, betont er. „Deshalb spielt die
Aktivierung von Konversionsflächen eine
wichtige Rolle.“ Die Strategie dabei ist, das
so genannte „Brownfield“ als Stadtentwick-
lungsfläche zur Verfügung zu stellen, um
den Druck auf das „Greenfield“ im Sinne
des Flächenerhalts zu minimieren.
Doch so einfach ist das nicht. „In der Praxis
sind Investoren und Bauherren leider oft
nicht hinreichend über das Altlastenri-
siko informiert“, gibt der Umweltexperte
zu bedenken. Es gebe außerdem keinen
Grund, Industriebrachen zu meiden, nur um
Sicherheits- und Altlastenkosten zu sparen.
Familienfreundliches Wohnen, wo früher geforscht wurde – Wohnsiedlung Lämmersieth in Barmbek-Nord.
Quelle: HANSA_KBNK Architekten
Die Wohnungswirtschaft
3/2012
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Städtebau
Flächeninanspruchnahme