keiten in den aufwändig ausgebauten Dach-
geschossen eingehalten werden.
Nullemissions-
und Klimaeffizienzhäuser
Die alten Gebäude aus den 1950er Jahren
sind nicht gedämmt und haben keine ener-
giesparenden Heizanlagen. Das Ingenieur-
büro Wortmann & Scheerer übernahm das
Entwickeln der passgenauen Energiekon-
zepte und die Planung des Wärmeschutzes
der Häuser. „Energieeffizienzsteigerungen
erfahren die Gebäude durch eine Wär-
medämmung an der Fassade, am Dach
und durch eine Dämmung der Kellerge-
schossdecke. Ferner werden ergänzend zu
den energieeffizienten Heizungssystemen
auch Lüftungsanlagen eingesetzt“, fasst
Jan Rothe, technischer Leiter bei der hwg,
zusammen. Neben modernen Gasbrenn-
wertthermen kommen Geothermie-, Pho-
tovoltaik- und Solaranlagen sowie weitere
Energiekonzepte in unterschiedlichen Kom-
binationen zum Einsatz.
Bisheriges Vorzeigeprojekt für Energieeffi-
zienz im Südstadtquartier sind zwei Mehrfa-
milienhäuser mit je 18 Wohneinheiten und
knapp 1.100 Quadratmeter Wohnfläche,
von denen eines der Bestandsgebäude erst-
malig in Hattingen nicht nur in den Pas-
sivhausstandard versetzt, sondern zu einem
Nullemissionshaus umgestaltet wurde. Das
andere 1950er-Jahre-Gebäude hat den
Standard „Energiesparhaus 70“ erhalten.
Die großen Fenster im Passivhaus lassen
viel Licht in die Wohnungen und sind zur
Südseite mit großen Balkonen ausgestattet.
Regelmäßiges Lüften wird hierbei über-
flüssig: Mit Hilfe einer guten Dämmung
fängt das Gebäude
die von Menschen
und Geräten abge-
gebene Wärme auf.
Zusätzlich werden die
Wohnräume durch
ein Wärmerückge-
winnungssystem mit
einer Lüftungsanlage
angenehm temperiert
und mit Frischluf t
versorgt. Somit ist
auch in der Nacht für
ausreichend frische
Luft gesorgt. Unan-
genehme Küchenge-
rüche können sich
nicht in der Wohnung
verbreiten.
Der ohnehin niedrige
Primärenergiebedarf
wird durch eine 8-kWp-
Photovoltaikanlage
abgedeckt. Soweit
es überhaupt noch
nötig ist, steht den 57
Quadratmeter großen
Wohnungen eine
Holzpel let-Heizung
zur Verfügung. Passiv-
häuser verbrauchen
bis zu 90 Prozent weniger Primärenergie
als ein herkömmlicher Neubau – ein guter
Beitrag zum Umweltschutz für ein in der
Nachkriegszeit erstelltes Gebäude. „Sowohl
das Nullemissionshaus als auch das Energie-
sparhaus 70 sind mit ihren schönen Holz-
fassaden ein Hingucker der Südstadt und
tragen den Anspruch ökologischen Bauens
auch nach außen. Außerdem honorieren die
neuen Mieter den hohen energetischen Stan-
dard durch ihre Bereitschaft, eine deutlich
über dem Marktdurchschnitt liegende Net-
tokaltmiete zu bezahlen, was erst durch die
extrem reduzierten Energieverbrauchskosten
möglich wird“, so Erika Müller-Finkenstein,
Vorstandsvorsitzende der hwg.
Ein weiteres Projekt ist die als eine von
100 Siedlungen vom Land NRW ausge-
zeichnete Klimaschutzsiedlung im fünften
Bauabschnitt. Die Energieagentur NRW
hob lobend hervor, dass die eigentlich nur
für Neubauten vorgegebenen Energiestan-
dards hier sogar bei der Modernisierung
der 50er-Jahre-Altbauten erreicht werden.
Außerdem wurde die sehr gelungene Archi-
tektursprache lobend erwähnt. Das Energie-
konzept dieser Siedlung orientiert sich am
Passivhausstandard, der mit einem Heizwär-
mebedarf von etwa 20 Kilowattstunden pro
Quadratmeter im Jahr nahezu erreicht wird.
Mit Hilfe einer sehr guten Wärmedämmung
und Lüftungstechnik wird bei den Gebäu-
deriegeln der CO
2
-Ausstoß 60 Prozent unter
den Vorgaben für Neubauten der Energie-
sparverordnung liegen. Die noch benötigte
Wärme für Heizung und Warmwasser liefert
moderne Gas-Brennwert-Technik.
Unterschiedliche Zielgruppen
Die hwg möchte innerhalb der Südstadt
sanierung nicht nur als innovative Woh-
nungsgenossenschaf t wahrgenommen
werden, sondern auch als ein Initiator von
Leuchtturmprojektenmit Zukunftscharakter.
In den bereits vollendeten Bauabschnitten
wurden größtentei ls Zweiraumwoh-
nungen umgebaut, die mit großen Bädern,
Küchen und Balkonen überwiegend Paare,
Singles und Senioren ansprechen und den
zunehmenden Wohnwünschen entspre-
chen. Grundsätzlich wird anspruchsvoller,
moderner und zukunftsfähiger Wohnraum
geschaffen. Die Wohnungen werden mit
hohen Ausstattungsstandards erstellt,
Südstadt Hattingen
Gesamtvolumen Wohnfläche:
58.000 m
2
Gesamtinvestition:
90 Mio. Euro
(Modernisierung: 60 Mio.
Neubau: 30 Mio. Euro)
Durchschnittl. Miete:
vor der Modernisierung
(ohne Heizkosten): 3,24 bis 6,02 Euro
Durchschnittl. Miete:
nach der Moder-
nisierung (ohne Heizkosten):
4,06 – 8,00 Euro
Anzahl Bauabschnitte:
11
Start:
Mitte 2007
Ende:
Voraussichtlich 2017
Modernisierter 50er-Jahre-Bau in der Hattinger Südstadt.
Quelle: hwg
Bestandteil des Quartierskonzepts ist auch ein Mehrgenerationen-
projekt, das als Neubau realisiert wurde.
Quelle: hwg
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Die Wohnungswirtschaft
3/2012