Hattinger Wohnungsgenossenschaft hwg eG
Zentrumsnah und doch im Grünen –
die Südstadt erhält ein neues Gesicht
1950er-Jahre-Quartiere sind oftmals Fluch und Segen zugleich: Schöne städtebauliche Strukturen, eine gute Infrastruk-
turanbindung sowie gewachsene Nachbarschaften zählen zu den einzigartigen Vorzügen; schlechte energetische Standards,
Hochparterre-Zugänge und nicht mehr zeitgemäße Wohnungszuschnitte zählen zu den Problemfaktoren dieser Bestände.
Das größte Modernisierungsvorhaben ihrer Unternehmensgeschichte führt die Hattinger Wohnungsgenossenschaft hwg eG
(hwg) in einem solchen Wohnquartier derzeit durch – der Hattinger Südstadt. Die Maßnahmen sollen nicht nur den Bestand
erneuern, sondern auch neue Mitglieder anziehen.
Das citynahe Süd-
stadtquartier wird
dabei grundlegend
erneuert und wei-
terentwickelt, ohne
dabei den Charme,
die aufgelockerte
Bauweise und park
ähnliche Struktur
der 1950er Jahre
aufzugeben. Das
Sanierungsprojekt
in der Südstadt
umfasst verschie-
dene Ausbaustufen,
die von der Moder-
nisierung im bewohnten Zustand über den
kompletten Freizug mit anschließender
Kernsanierung bis hin zu umfangreichem
Rück- und Ersatzneubau reichen. Im Fokus
steht dabei die Erneuerung des Bestands.
Sanierung von 1.000 Wohnungen
Die Umgestaltung erfolgt seit 2007 in elf
Bauabschnitten bis 2017, wobei verschie-
dene Energiekonzepte und Ausstattungs-
standards zum Einsatz kommen. Insgesamt
1.000Wohnungen erhalten bei einem Inves-
titionsvolumen von rund 90 Millionen Euro
ein neues Gesicht. Das Ergebnis: schöne
wohnraumvergrößernde Gauben, großzü-
gige Balkone und anmutige Fassaden mit
einer optimierten Gebäudehülle und Wär-
medämmung. In sechs Bauabschnitten
laufen die Arbeiten auf Hochtouren; rund
300 Wohnungen sind inzwischen fertig
gestellt und bezogen worden.
Auch Neubauten und eine behutsame
Nachverdichtung gehören zu der von der
hwg initiierten Quartiersentwicklung. Zeit-
gemäße Ansprüche wie Barrierefreiheit in
modernen Wohngrundrissen sind in Alt-
bauten bekanntermaßen schwer umsetzbar.
„Gerade Abriss und Neubau führen zu einer
Verjüngung des Wohnbestands und zur Stei-
gerung der Attraktivität des Wohnviertels.
Denn bei einem Neubau sind zeitgemäße
Nutzungskonzepte wie das Mehrgenerati-
onenwohnen oder Wohngemeinschaften
für Demenzerkrankte gut realisierbar.
Ersatzbau bietet zusätzlich den Vorteil, dass
Grundstücke besser ausgenutzt werden
können“, erläutert David Wilde, Vorstand
bei der hwg. Alle Neubauten und moder-
nisierten Häuser entsprechen modernen
energetischen Standards und verfügen über
ausgebaute Dachgeschosse und Balkone.
Das ambitionierte Bauvorhaben stellt
große Herausforderungen an alle Betei-
ligten. So muss zum Baustart der Leerzug
der betroffenen Wohnungen gewährleistet
sein und Ersatzwohnraum bereitgestellt
werden. Dazu hat die hwg eigens das Team
„Quartiersentwicklung“ gebildet, das sich
um die betroffenen Mieter – insbesondere
viele Senioren, die seit Jahrzehnten in der
Südstadt beheimatet sind – kümmert.
Die genossenschaftliche Grundidee und
die damit verbundene soziale Verantwor-
tung stehen hierbei im Fokus. Neben der
Koordinierung von Umzügen stehen die
Mitarbeiter an der Seite ihrer Mieter und
begleiten sie durch diesen Prozess. Dabei
berücksichtigt die Quartiersentwicklung
individuelle Lebenssituationen, Ansprüche
und soziale Hintergründe bei der tempo-
rären Umsiedlung und Mietanpassung.
Aus technischer Sicht ist es aufgrund der alten
Baukonstruktion und Statik eine Herausfor-
derung, den Schallschutz zu gewährleisten.
Auch müssen die Vorgaben für Winddichtig-
Die Hattinger Südstadt im August 2011, Ansicht von Norden nach Süden.
Quelle: hwg
hwg
Gegründet:
1899
Wohneinheiten:
vor der Sanierung
1.000 WE, nach der Sanierung
1.100 WE
Mitglieder:
rund 5.750
Leerstandsquote:
vor der Modernisierung ≤ 30 %,
nach der Modernisierung 0 %.
Bilanzsumme 31.12.2010:
154.041.765,62 Euro
Mitarbeiter:
Insgesamt 56 (inklusive der hwg
services), darunter 8 Auszubildende
Internet:
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Thema des Monats
Sanierung 50er- bis 70er-Jahre-Bauten
Die Wohnungswirtschaft
3/2012