Seite 43 - DIE_WOHNUNGSWIRTSCHAFT_11_2011

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PersonalKomm
Herausforderungen und Lösungswege
für die Wohnungswirtschaft
In diesem Jahr veranstaltete die BBA, Akademie der Immobilienwirtschaft, erstmals in Berlin eine Tagung zur Personalent-
wicklung – die PersonalKomm. Sie thematisierte aktuelle und zukünftige Herausforderungen für Wohnungsunternehmen
– schließlich wirft die demografische Entwicklung nicht nur das Problem des Fachkräftemangels für die Wohnungswirtschaft
auf, sondern auch die Frage: „Wie sieht ein Lernen ab 45 aus?“
Wer in der Mitte seiner Karriere sei, brauche
Dozenten aus der Praxis und keine Examens-
arbeit, so Dr. Hans-Michael Brey, Geschäfts-
führender Vorstand der BBA. Maren Kern,
Vorstandsmitglied im Verband Berlin-Bran-
denburgischer Wohnungsunternehmen e. V.
(BBU) erinnerte an Zeiten, in denen die
Personalabteilungen noch Waschkörbe von
Bewerbungen bekamen. Dies gehörte der
Vergangenheit an. Mittlerweile zeichneten
sich in allen Bereichen – ob Fachkräfte, Füh-
rungskräfte oder Auszubildende – Rekrutie-
rungsprobleme ab. „Wer jetzt nicht handelt,
der wird in naher Zukunft ein heftiges
Problem bekommen“, warnte sie und riet,
mit attraktiven Konditionen, Flexibilität in
der Arbeitsplatzgestaltung, Benefits, Unter-
nehmenskultur und Werteorientierung um
Nachwuchskräfte zu werben.
Megathema Aus- und Weiterbildung
Kern hatte Zahlen mitgebracht, die aufhor-
chen ließen: Bereits jetzt bliebe jeder fünfte
Ausbildungsplatz in Berlin unbesetzt. Die
höchste Quote haben dabei die „übrigen
Dienstleistungen“, zu der die Wohnungs-
wirtschaft zählt. Besonders viele unbesetzte
Ausbildungsplätze verzeichnen kleine und
mittlere Unternehmen. Eindringlich riet Kern:
„Jeder sollte ausbilden – gegebenenfalls
auch im Verbund!“ Darüber hinaus sei dem
Vorurteil entgegenzuwirken, dass die meisten
Menschen bei einer Berufstätigkeit in der
Immobilienwirtschaft an Makler denken.
„Es ist unsere Aufgabe, das zu ändern, und
als Wohnungsunternehmen haben Sie die
Chance, das allen nachwachsenden Genera-
tionen zu vermitteln“, forderte Kern die Teil-
nehmerinnen und Teilnehmer auf. Sie verwies
zudem auf ein Pixi-Buch zum Internationalen
Jahr der Genossenschaften: Imagewerbung
schon bei Kindern und Jugendlichen sichere
zukünftige Azubis und Mitarbeiter.
Um das Image als Arbeitgeber ging es im
anschließenden Vortrag von Wolf Reiner
Kriegler, Geschäftsführer der Deutsche
Employer Branding Akademie GmbH aus
Berlin. Kriegler hat einige Stellenanzeigen
renommierter Unternehmen mitgebracht.
Demnach ist Weiterentwicklung das Mega-
thema der Arbeitgeber in diesem Jahr.
Entfaltungsmöglichkeiten, berufliche Pers-
pektiven, Weiterkommen, Talent entwickeln
– das versprechen die ambitionierten Arbeit-
geber in ganz Europa ihren potenziellen
neuen Mitarbeitern. Eine Umfrage von
PEAKOM bestätigt den Eindruck. Demnach
wünschen sich Mitarbeiter an erster Stelle
Weiterbildungsmöglichkeiten. Das Thema
rangiert noch vor familienfreundlichen
Arbeitsbedingungen.
Arbeitgebersuche in Zeiten
von Social Media
Doch wo suchen die hoffnungsvollen
Nachwuchskräfte nach ihren zukünftigen
Arbeitgebern? Früher riet Prof. Dr. Wolf-
gang Jäger von der Hochschule RheinMain
aus Wiesbaden seinen Studenten: „Google
dein zukünftiges Unternehmen.“ Heute rät
er: „Google den Namen deines zukünftigen
Chefs mit den gängigen Schimpfwörtern.“
Im World Wide Web bestimmt die eigene
Darstellung (so wichtig sie auch bleibt) nicht
mehr den Diskurs über ein Unternehmen.
An Relevanz gewinnt, wie Mitarbeiter und
Kunden über ein Unternehmen kommu-
nizieren. Selbstbewusste Bewerber erkun-
digen sich auf XING und anderen sozialen
Netzwerken bei ihren zukünftigen Kollegen
nach dem Arbeitsumfeld oder recherchieren
den Lebenslauf ihres Chefs und fragen, was
diesen eigentlich dafür qualifiziert? Gute
Resonanz verzeichnen Karriere-Fanpages
auf Facebook, die den Bewerbungspro-
zess revolutionieren könnten. Nach dem
Motto: Erst wird gequatscht, dann wird
sich beworben, geht es dort eher locker zu.
Die Bewerber wollen keine allgemeinen
Auskünfte, sondern authentische Ant-
worten. Jäger ist überzeugt: „Social Media
ist nicht nur ein Thema für Großkonzerne.“
Das fängt schon bei der Ausbildung an.
So hätten Unternehmen bei der Azubi­
rekrutierung schlechte Karten, wenn sie
nicht auf YouTube vertreten sind. „Das sind
die Kanäle, über die sich Jugendliche heute
informieren“, weiß Jäger.
Die Anforderungen an die Mitarbeiter von
Wohnungsunternehmen sind gewachsen:
Sozialkompetenz, Unternehmergeist, und
Teamfähigkeit werden zunehmend gefor-
dert. Neue Arbeitsstrukturen und kom-
plexe fachliche Zusammenhänge fordern
die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen.
Hierzu braucht es effektive Weiterbildung,
die individuell ansetzt und die verschie-
denen Lerntypen berücksichtigt, erklärte
Michael Deeg, Teamleiter Business Manage-
ment & Strategy der BBA.
Was die Studierenden in der Immobilien-
wirtschaft von ihren zukünftigen Arbeitge-
bern erwarten, erläuterte Sonja Smalian,
Redakteurin im Ressort Job & Karriere der
IZ Immobilien Zeitung. Sie stellte aktuelle
Ergebnisse der Joboffensive 2011 für die
Immobilienwirtschaft vor und bestätigte:
Studenten und Absolventen legten in erster
Linie Wert auf Aufstiegsmöglichkeiten
und Weiterbildungsangebote. Eine anspre-
chende Unternehmenskultur ist vielen eben-
falls wichtig, die Vergütungshöhe folgt erst
auf Platz vier. „Fahrpläne für die Zukunft
bieten und als Unternehmen sichtbar sein“,
gab Smalian den Personalverantwortlichen
der Wohnungsunternehmen für eine erfolg-
reiche Arbeit mit auf den Weg.
Eine Veranstaltung mit spannenden Diskus-
sionen unter reger Beteiligung des Publi-
kums. Deutlich wurde: Es besteht und bleibt
Gesprächsbedarf. Die erste PersonalKomm
wird nicht die Letzte sein.
Christine Plaß, Berlin
für die BBA
Die Wohnungswirtschaft
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Personalentwicklung