den Strom aus dem Keller zu etwas günsti-
geren Konditionen zu beziehen, positiv auf-
genommen. Zudem ist es ein gutes Gefühl,
dass durch das Kleinkraftwerk im Keller
etwas für die Umwelt getan wird.“ Die
erste Betriebskostenabrechnung 2010 wird
konkrete wirtschaftliche Effekte aufzeigen.
„Wir sind mit Unternehmen der Wohnungs-
wirtschaft wie dem Beamtenwohnungsbau
Köpenick über weitere Einrichtungen im
Gespräch“, berichtet Ingrid Dannbeck. „Als
Zusatznutzen wird beispielsweise Elektro-
mobilität über Car-Sharing und Pedelecs
geboten. Diese Elektrofahrräder sind auch
für die Hausmeister interessant.“
Kiezstrom vom Dach
Bereits 40 BHKW unterhält die Berliner
Energieagentur (BEA) im Contracting. Der
1992 auf Initiative des Berliner Abgeordne-
tenhauses gegründete Energiedienstleister
führt umweltfreundliche, innovative und
wirtschaftliche Technologien in die Praxis
ein. In Großstädten mit einem geringeren
Anteil an erneuerbaren Energien – so hat
das dichtbesiedelte Berlin lediglich ein
Windrad – müssen andere Wege erschlossen
werden. Für Volker Gusted von der BEA
liegt großes Potenzial darin, „Photovoltaik
auf die Dächer zu bringen und mit KWK zu
koppeln“. Auch hier beginnt die Wohnungs-
wirtschaft mitzuziehen.
So hat die Charlottenburger Baugenossen-
schaft e. G. in ihrem Wohnkomplex Schwen-
dyweg aus den 1950er Jahren umfangreiche
energetische Modernisierungsmaßnahmen
für 132 Wohnungen mit einem BHKW
ergänzt. Zusätzlich errichtete die BEA 2010
auf den Dächern der sechs Gebäude eine
Photovoltaikanlage mit 351 Modulen,
die 60 MWh Strom pro Jahr liefert. Das
so kombinierte „Kleinkraftwerk Schwen-
dyweg“ produziert 270 MWh Strom, den
die Bewohner als Kiezstrom zum günstigen
Tarif beziehen können. In den Gebäuden ist
der Primärenergiebedarf von 227 auf 49
KWh gesunken, die CO
2
-Emission um fast
60 Prozent. „Warmmietenneutral“ will die
Baugenossenschaft die gesamte Moderni-
sierung für ihre Mieter gestalten.
Auch im historisch wertvollen Gebäudekom-
plex „Bremer Höhe“ im Prenzlauer Berg mit
455 Wohnungen und 12 Gewerbeeinheiten,
den die von Mietern gegründete Wohnungs-
baugesellschaft in Eigenregie saniert hat,
brachte die BEA unter Denkmalschutzbe-
dingungen eine 341 Quadratmeter große
Photovoltaikanlage mit einer Leistung von
47 KWp aufs Dach. Drei moderne Dach-
heizzentralen mit Kesselanlage und BHKW-
Modulen erzeugen Strom und Wärme,
höchste Anforderungen an die Schalldäm-
mung wurden erfüllt. „Alles Objekte, die
Schule machen und von deren Erfahrungen
andere profitieren sollen“, findet Gusted.
Großkraftwerke im Klimakonzept
Um dem Klimaschutz in Berlin „sinnvoll
voranzuhelfen“, wie Stephan Helbig von
Vattenfall Europe Wärme sagt, baut der
Energiekonzern als eines von vier aktuellen
KWK-Modellprojekten das 1974 errichtete
und heute veraltete Heizkraftwerk Lich-
terfelde um. Das passiert schrittweise, um
die Versorgung aufrechtzuerhalten. Derzeit
sind nicht mehr benötigte Kraftwerks-
blöcke bereits abgerissen. Ab 2016 werden
100.000 Haushalte aus einem dann
modernen Gas- und Dampfturbinenkraft-
werk hocheffizient erzeugte Fernwärme und
Strom erhalten. „Das neue Kraftwerk nutzt
über eine Reihung thermodynamischer Pro-
zesse die Brennstoffenergie optimal aus, es
wird eine Leistung von 230 MW Wärme-
energie und annähernd 300 MW elektrische
Energie bringen“, erläutert Kraftwerksleiter
Lutz Lehmann.
Über 1,8 Milliarden Euro gibt Vattenfall
für die Umsetzung des Berliner Klimakon-
zeptes aus, investiert, wie Rainer Knauber,
Generalbevollmächtigter für die Vattenfall
Europe AG, erklärt, 240 Millionen Euro
jährlich in die Netzinfrastruktur, vor allem
in den Ausbau und Erhalt des Strom- und
Verteilungsnetzes in Berlin. Für genauso
wichtig aber hält Knauber die „kleineren
Maßnahmen“ seines Unternehmens wie
die Installation von 10.000 Stromzählern
zum „intelligenten Stromverbrauch in den
Haushalten“ in der Großsiedlung Märki-
sches Viertel. Mit diesem Modellvorhaben
verbunden war ein Stromsparwettbewerb.
„Auch in den Köpfen der Verbraucher muss
was passieren.“
Bettina Erdmann, Berlin
Noch zu wenig genutztes Potenzial: Auch
unter Bedingungen des Denkmalschutzes
lassen sich Photovoltaikanlagen aufs Dach
bringen. Drei moderne Dachheizzentralen
erzeugen in der „Bremer Höhe“ in Berlin-Prenz-
lauer Berg Wärme und Strom.
Quelle: Berliner Energieagentur GmbH
Die Wohnungswirtschaft
10/2011
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