Seite 76 - DIE_WOHNUNGSWIRTSCHAFT_10_2011

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KWK Modellstadt Berlin
Mehr umweltfreundliche
Wärme und Strom für Berliner Haushalte
Die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme in Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) gilt als eine Schlüsseltechnologie
zukunftsweisender Energieversorgung und hat in der Hauptstadt Tradition. Schon 1927 wurde die erste KWK-Anlage
errichtet. Heute werden 93 Prozent der Berliner Fernwärme nach dem KWK-Prinzip erzeugt, der Stromverbrauch wird daraus
zu 42 Prozent gedeckt. Obwohl Berlin damit bereits einen Spitzenplatz im europäischen Vergleich einnimmt, ist ein Ausbau
sinnvoll. Von der Initiative „KWK Modellstadt Berlin – Energie effizient nutzen“ profitiert auch die Wohnungswirtschaft.
Zwar liegt Berlin bereits weit über dem
für 2020 vorgegebenen Ziel, KWK an der
deutschen Stromerzeugung von heute
15 auf 25 Prozent zu steigern, doch zwei
große Energieerzeuger der Stadt wollen
gemeinsam mit der Berliner Energie-
agentur und der Senatsverwaltung für
Gesundheit, Umwelt und Verbraucher-
schutz diese Vorreiterrolle mit Modell-
projekten ausbauen. Grundlage für die
„Initiative KWK Modellstadt“ bildet eine
2009 mit dem Land Berlin getroffene Kli-
maschutzvereinbarung – „für die wir im
deutschlandweiten Wettbewerb ‚Land der
Ideen‘ ausgezeichnet wurden,“ wie die im
Spätsommer noch amtierende Senatorin
Katrin Lompscher von den LINKEN sagt.
Berlin hat mit 1.600 Kilometer das größte
Fernwärmenetz Europas mit 600.000
Kunden und ein weitverzweigtes Gasnetz
mit 100.000 Abnehmern. Neue Technolo-
gien in kleinen Dimensionen werden für die
ganze Stadt derzeit „dezentral, vernetzt und
intelligent“ ausgebaut. Die GASAG legte im
Sommer dieses Jahres ihr „Klimakraftwerk“
auf. Vattenfall hat bereits vor Jahresfrist
den Startschuss zum virtuellen Kraftwerk
gegeben, zu dem bis Ende 2011 über Mini-
BHKW 100.000 Haushalte zusammenge-
schaltet sein werden.
Vernetztes Klimakraftwerk
aus Mikroeinheiten
„Erdgas weiterdenken“, nennt Andreas
Prohl, GASAG Vorstand, die strategische
Ausrichtung seines Unternehmens für Kli-
maschutz und Energieeffizienz – die neue
Hauptverwaltung am Berliner Hackeschen
Markt soll mit zukunftsweisender Klima-
technologie als Vorbild stehen.
„Mit dem GASAG Klimakraftwerk verfolgen
wir die Idee eines großen Kraftwerkes, das
sich aus vielen dezentralen KWK-Anlagen,
den kleinen Klimakraftwerken, zusammen-
setzt, die Erdgas und Strom kombinieren“,
erläutert Ingrid Dannbeck, Abteilungslei-
terin Konzernmarketing. Dafür wird die Inf-
rastruktur weiter ausgebaut. Zwei Millionen
Tonnen CO
2
-Emission sollen – so hat es die
GASAG auf Basis ihrer ersten Klimaverein-
barung 1998 mit dem Senat verkündet –
bis 2020 eingespart werden, eine Million ist
bereits geschafft. Als erfolgversprechende
Schritte nennt Dannbeck die Installation
von BHKW in Unternehmen der Woh-
nungswirtschaft, die dezentrale Produktion
von „Hausmacherstrom“, das Einbeziehen
von Geothermie und Wärmepumpentech-
nologie und das Testen von marktreifen
Technologien in Modellprojekten. Auf zwei
Megawatt elektrischer Leistung beziffert
die Expertin ein mögliches „Zubaupoten-
zial“ bis 2020. „All das muss mit Effizienz-
steigerung im Gebäudebestand gekoppelt
sein. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die
Heizungssanierung.“
Hausmacherstrom aus dem Keller
Erste Erfahrungen mit „Hausmacherstrom“
sammelt die Berliner Wohnungsbaugesell-
schaft STADT und LAND in ihrem 1995
gebauten „Köpenicker Viertel“. Für 1.349
Mietparteien wurden 17 BHKW-Stationen
eingerichtet. Diese erzeugen elektri-
sche Energie und gleichzeitig Wärme für
Heizung und Warmwasserbereitung – mit
auf den jeweiligen Bedarf der Wohnblöcke
abgestimmten Leistungen von 28.200 bis
120.000 KWh pro Jahr.
„Die mit der GASAG 2009 getroffene Ver-
einbarung zur Installation von BHKW ist
ein Experiment für uns“, bestätigt Uwe
Fuhrmann, Leiter des Servicebüros Berlin-
Treptow. „Doch es läuft technisch bestens.
Durch Contracting haben wir als Wohnungs-
unternehmen keinen Wartungsaufwand für
die Anlagen. Von den Mietern wird ange-
sichts steigender Energiepreise die Tatsache,
KWK in Kürze
Kraft-Wärme-Kopplung nutzt vorhan-
dene Energieträger bis zu 90 Prozent
aus und reduziert dadurch schädliche
Klimagase. Verluste werden auf ein
Minimum reduziert. Das hocheffizi-
ente Prinzip verwendet die bei der
Stromproduktion entstehende Wärme
zur Warmwasseraufbereitung, so für
Heizungsanlagen in Wohngebäuden
oder zur Wärmeversorgung in öffent-
lichen Einrichtungen. KWK kann auch
zur Kälteerzeugung und damit zur
Klimatisierung eingesetzt werden.
Gegenüber herkömmlicher Erzeugung
von Wärme und Strom spart KWK bis
zu 40 Prozent an Primärenergie ein.
Flexible KWK reicht von der Klein-
anlage fürs Einfamilienhaus über
Blockheizkraftwerke (BHKW) für Wohn-
anlagen bis zum Großsystem für die
Versorgung ganzer Stadtteile.
Warmmietenneutrale Modernisierung für die
Mieter im Berliner Schwendyweg: Photovol-
taik auf dem Dach und BHKW sind zu einem
Kleinkraftwerk kombiniert und liefern güns-
tigen Kiezstrom.
Quelle: Berliner Energieagentur GmbH
Die Wohnungswirtschaft
10/2011
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Gebäude und Technik
Energie