Nahwärmekonzept
Sechs Nahwärmezentralen beheizen
mit solarer Unterstützung ganzes Quartier
Eine aufgelockerte Bebauung, viel Grün um die Häuser und niedrige Mietnebenkosten aufgrund einer Umstellung der
Wärme- und Warmwasserbereitung auf regenerative Energieträger sorgen in Dortmund-Brackel für Vollvermietung. Die
aus rund zwei Dutzend Mehrfamilienhäusern bestehende Siedlung an der Balsterstraße wird über ein Nahwärmekonzept
versorgt, das sich im Wesentlichen auf Biomasse-Kessel mittlerer Leistungsgröße, Gas-Brennwertheizungen für die Spitzen-
lasten und großflächige thermische Solaranlagen auf allen Hausdächern stützt.
Die Perspektiven für die Wohnungs-
wirtschaft sind, je nach Standort und
Bestandsqualität, unterschiedlich. Massiver
Bevölkerungsschwund mit entsprechendem
Wohnungsleerstand auf der einen und eine
wachsende Nachfrage in Wachstumsregi-
onen auf der anderen Seite kennzeichnen
den Markt. In Dortmund weist die Prognose
einen Rückgang der Einwohnerzahlen bis
2020 in Höhe von etwa 2,3 Prozent auf.
Der „Julius Ewald Schmitt Grundstücksge-
sellschaft bR“ ist es gelungen, die Mehr-
familienhäuser rund um die Balsterstraße
fast durchgängig voll zu vermieten. „Durch
kontinuierliche Modernisierungen, bei-
spielsweise die frühzeitige Ausstattung
der Wohnungen mit schalldämmenden
Fenstern und Gas-Kombithermen, ist die
Wohnsituation den wachsenden Mieteran-
sprüchen folgend immer wieder angepasst
und ständig verbessert worden. Das spiegelt
sich auch in der Vermietungsquote, die für
die Region weit überdurchschnittlich ist“,
erläutert Geschäftsführer Christian Schmitt.
Anlagentechnik vor Dämmung
Mit einer Investitionssumme von 1,6 Milli-
onen Euro wurde die Wärme- und Warm-
wasserversorgung der Mehrfamilienhäuser
von der wohnungsweisen Versorgung auf
ein Nahwärmekonzept für jeweils einen
Wohnblock umgestellt. Ursprünglich war
eine zentrale Lösung für alle Wohnblocks
favorisiert worden. Die scheiterte aber an
den vergleichsweise hohen Kosten bei-
spielsweise für ein neu zu errichtendes Kes-
selhaus oder die aufwendige Anbindung
der einzelnen Häuser.
Zur Alternative standen auch die Nutzung
von Erdwärme und die Errichtung von Block-
heizkraftwerken. „Ein Wärmedämmver-
bundsystem hätte bei annähernd gleichen
Investitionskosten den Energiebedarf zwar
um etwa 30 Prozent verringert. Die Kombi-
nation Pellet-Heizkessel, Solarthermie und
Gas-Brennwertheizgerät für Spitzenlasten
aber hat die Nebenkosten unter Einbezie-
hung der Förderung mehr als halbiert; statt
1,05 Euro pro Quadratmeter und Monat
zahlen die Mieter heute nur noch knapp 50
Cent“, fasst Schmitt zusammen.
Zurückzuführen ist dieser Einspareffekt auch
auf die bedarfsgerechte Auslegung der ein-
zelnen Anlagenkonfigurationen, orientiert
am Heizlastbedarf der angeschlossenen
Wohn- und Nutzeinheiten. In sechs Blöcken
sind Pelletkessel mit jeweils 90 kW Leistung
installiert, hinzu kommt die gleiche Zahl an
Gas-Brennwertkesseln von Vaillant, die zwi-
schen 80 und 200 kW maximale Spitzen-
leistung bereitstellen.
Die „Grundlast“ derWärmeversorgung tragen
aber zumindest in den Übergangs- und Som-
mermonaten die thermischen Solaranlagen.
Insgesamt 232 Flachkollektoren mit einer
Gesamtfläche von über 550 Quadratmetern
wurden dazu auf den Flachdächern der Mehr-
familienhäuser installiert. Nach Süden aus-
gerichtet stehen sie für eine Ertragsleistung
von mindestens 525 kWh/m
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*a. Gepuffert
wird die Wärme aus den Solaranlagen in
Multi-Funktionsspeichern mit 1.000 Litern
Inhalt. So ist der Grundbedarf, zum Beispiel
für Trinkwarmwasser, generell abgedeckt.
Erst bei Unterschreiten des definierten Tem-
peraturniveaus schaltet dann der Pellet-
kessel zu; energiesparend zum Schluss bei
extrem niedrigen Temperaturen, also beson-
ders hohem Wärmebedarf, schließlich auch
der Gas-Brennwertkessel.
Vorfertigung
reduziert Installationsaufwand
Die Vorfertigung von Installationsbau-
gruppen machte sich dabei bezahlt: Trotz
des Umfangs der Arbeiten war der Aus-
tausch der dezentralen Heizungen und der
Neuanschluss der Wärme- und Warmwas-
serverteilung an die zentrale Versorgung
pro Versorgungsstrang innerhalb eines
Tages abgeschlossen.
Dass die Wärme- und Warmwasserversor-
gung bisher dezentral war, erwies sich dabei
als zusätzlicher Vorteil. Denn die nicht mehr
benötigten Kamine konnten beispielsweise
für die Anbindeleitungen der Solaranlagen
sowie als Steigestränge für die Vor- und
Rücklaufleitungen der Heizung beziehungs-
weise für die Zirkulation genutzt werden.
Für den Umschluss in die Wohnungen
stand dann die Nische zur Verfügung, in
der bislang die wandhängenden Heizgeräte
installiert waren. Weitere Informationen
unter www.schmitt-domizil.de
Martin Schellhorn, Haltern am See
www.die-agentur.sh
Zu jeder Nahwärmezentrale gibt es einen
leicht anzufahrenden Erdbunker für Pellets.
Quelle: Vaillant
Die Wohnungswirtschaft
10/2011
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Gebäude und Technik
Energie