Seite 65 - DIE_WOHNUNGSWIRTSCHAFT_10_2011

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Unternehmens und den durchgeführten
Simulationsrechnungen ergaben sich fol-
gende Strategie-Eckpunkte:
<
Neubau von rund 1.000 Wohnungen bis
2019,
<
Sanierung und Modernisierung des
Bestandes bis 2025,
<
Fortsetzung der begonnenen stadtent-
wicklungspolitischen Projekte,
<
Gewährung zusätzlicher Mietpreis- und
Belegungsbindungen,
<
Verzicht auf Entlastungsbeiträge an den
kommunalen Haushalt.
Schritt für Schritt zur Lösung
Diese strategischen Eckpunkte bildeten die
Basis für die Aktualisierung der 10-Jahres-
Wirtschaftsplanung, aus der wiederum der
finanzielle Rahmen für die Umsetzung von
Objektinvestitionen und der Entwicklung
von zielgruppenspezifischen Instrumenten
zur Mietenbildung abgeleitet werden
konnte. Bei diesen handelt es sich um den:
<
Familienbonus: Neumieter erhalten
dabei für zwei Jahre einen Mietnach-
lass von monatlich 50 Euro pro Kind bis
zur Vollendung des 18. Lebensjahres.
Dadurch wird vor allem die Mietbelas-
tung von Alleinerziehenden signifikant
reduziert, da bei ihnen die Miete oft 40
Prozent und mehr der Gesamthaushalts-
ausgaben ausmacht.
<
Flächenbonus: Die PRO POTSDAM
unterstützt mit dem Wohnflächen-
bonus Mieter, die eine große Wohnung
aufgeben möchten und eine kleinere
Wohnung suchen. Dahinter steht der
Gedanke, nicht größere Wohnungen
Familien zur Verfügung zu stellen und
gleichzeitig Unterstützung für Mieter
anzubieten, die diesen Platz nicht mehr
benötigen. Diese Mieter erhalten ein
Mietpreisangebot, das zehn Prozent
unterhalb des Mietspiegels liegt. Vor-
aussetzung ist eine 3- beziehungsweise
4-Zimmer-Wohnung (oder größer), die
zugunsten einer kleineren Wohnung
mit einem Zimmer weniger aufgeben
wird. Hat der Mieter eine Wohnung
gefunden, wird ein Angebot erstellt,
das die Grundmiete auf 90 Prozent
der Mietspiegelmiete angleicht. Die
vorhandenen Wohnflächen der PRO
POTSDAM werden somit effizienter
genutzt, mehr Potsdamer können im
vorhandenen Wohnungsangebot unter-
gebracht werden – für die Stadt die
beste Lösung!
<
Mobilitätsbonus: Hier wird Neumietern
von Einzimmerwohnungen im Stadtteil
Drewitz zum Mietvertrag unentgeltlich
ein Jahresticket für den öffentlichen
Personennahverkehr in Potsdam zur
Verfügung gestellt. Die PRO POTSDAM
möchte damit den Umstieg vom Auto
auf öffentliche Verkehrsmittel unter-
stützen. Möglich wurde dieses Angebot
durch die Kooperation zwischen zwei
kommunalen Unternehmen: Dem ViP
Verkehrsbetrieb Potsdam und dem
städtischen Immobilienunternehmen
PRO POTSDAM. Die hat für das Woh-
nungsunternehmen auch den positiven
Nebeneffekt, dass die Wohnungen im
relativ peripher liegenden Drewitz eine
höhere Aufmerksamkeit erhalten.
Als weiterer bedeutender Schritt konnten
die „ausgewogenen Kennzahlen“ (Balanced
Scorecard: Neubauwohnungen, Mietpreis-
differenzierungen, Jahresergebnisse) des
Unternehmens für die nächsten fünf Jahre
errechnet werden, die durch Beschluss des
Aufsichtsrates nunmehr eine verlässliche
Orientierung für das Unternehmen dar-
stellen. Das hatte zur Folge, dass auch mit-
telfristige Zielsetzungen im Unternehmen
implementiert wurden. Diese gewinnen
unter Nachhaltigkeitsaspektent zunehmend
an Bedeutung und finden ihren Widerhall
in der öffentlichen Diskussion zu den Ursa-
chen der Finanz- und Wirtschaftskrise.
Fazit
Mit den Ergebnissen aus den Workshops im
Sommer 2010 und den nachfolgenden Auf-
sichtsrats- und Gesellschafterbeschlüssen
hat die PRO POTSDAM Folgendes erreicht:
<
Auflösung von geschäftsbereichsbezo-
genen Interessenkonflikten innerhalb
der Stadtverwaltung,
<
strategischer Korridor als stabile Grund-
lage für mittelfristige Investitionsent-
scheidungen.
<
höhere Transparenz bezüglich der Leis-
tungen als kommunales Wohnungsun-
ternehmen für den Gesellschafter, die
Landeshauptstadt Potsdam.
Damit einher geht auch eine höhere Akzep-
tanz der Unternehmensausrichtung. Die
Stakeholder – die Fachabteilungen der
Stadtverwaltung, die Fraktionen in der
Stadtverordnetenversammlung, die Mie-
tervereine, Betriebsräte, Aufsichtsratsmit-
glieder und die Bankenvertreter – wurden
durch Anhörungen und Beteiligungen in
das Verfahren eingebunden.
Bereits heute ist durch die Entwicklung
bedarfsgerechter Lösungen wie Mieten­
differenzierung oder Bonusinstrumente ein
positiver Imageeffekt in der Öffentlichkeit
zu verzeichnen. Aufgrund der Zunahme der
Neubauinvestitionen in den kommenden
Jahren ist damit zu rechnen, dass sich dieser
Effekt in der Gruppe der Stakeholder, aber
auch in der gesamten Bevölkerung noch
verstärken wird.
Jörn-Michael Westphal
Geschäftsführer, PRO POTSDAM GmbH
Die Wohnungswirtschaft
10/2011
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